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Der Klang einer Glocke ist ihre Seele

Limassol, 09.01.2018.

Über 100 Jahre hatte sie geschwiegen. Doch jetzt war es an der Zeit, dieses Schweigen zu brechen. Mit einer weltlichen und einer kirchlichen Weihung erklingt diese Glocke nun zum allerersten Mal – ein Gänsehautmoment – auch für die kirchlich weniger Frommen.

Eine lange Reise hat die „Alte Dame“ hinter sich
Eine lange Reise hat die „Alte Dame“ hinter sich (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

Das Camp des deutschen Einsatzkontingents in Limassol auf Zypern hat eine besondere Fracht erreicht – eine alte Glocke. Hundert Jahre hat sie unter einer Scheune in Nordrhein-Westfalen in der Erde vergraben gelegen. Gegossen wurde die alte Dame bereits vor dem Ersten Weltkrieg für eine Kapelle in Berkum (Wachtberg bei Bonn). Doch dem Beginn des Ersten Weltkriegs geschuldet, wurden nicht nur die Baupläne der Kapelle vorerst verworfen, sondern darüber hinaus auch die Kirchenglocken der Region eingezogen. Sie wurden eingeschmolzen und das in Kriegszeiten wertvolle Metall aus ihnen gewonnen. Um diese Glocke jedoch zu schützen, wurde sie von den Bewohnern in der naheliegenden Nachbargemeinde Züllighofen in einer Scheune versteckt und vergraben. So verwahrt, überstand sie den Ersten und Zweiten Weltkrieg unbemerkt und unversehrt.

Dem Aufruf gefolgt

Aus dem Fokus geraten, aber nicht vergessen. Die Scheune ist mittlerweile zu einer Garage geworden und die beschützende Familie um einige Generationen fortgewachsen. Der deutschlandweite Suchaufruf nach einer Glocke für das deutsche Einsatzkontingent UNIFIL rief diese noch unverbaute und niemals zum Klingen gebrachte eiserne Dame in Erinnerung. Kurzerhand beschlossen die Familie und die katholische Kirchengemeinde dem Aufruf zu folgen. So machte sich die über 100 Jahre alte Glocke auf eine lange Reise in Richtung Süden.

Tatkräftige Unterstützung

Die Systemunterstützungsgruppe aus Warnemünde unterstützt beim Bau eines adäquaten Glockenturms
Die Systemunterstützungsgruppe aus Warnemünde unterstützt beim Bau eines adäquaten Glockenturms (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

Eifrig haben die Soldaten vor Ort einen geeigneten Glockenstuhl gebaut. Rund 150 Kilo – so schwer ist die Glocke. Und die tragen sich nicht von alleine. Gut, dass zeitgleich die Systemunterstützungsgruppe aus Warnemünde vor Ort war. So konnte gemeinsam durch die tatkräftige Unterstützung der Soldaten binnen weniger Stunden die Aufhängung errichtet werden.

Der Erste Glockenschlag

Militärpfarrer Peter B. schlägt die Glocke mit einem Hammer vorsichtig zum ersten Mal an
Militärpfarrer Peter B. schlägt die Glocke mit einem Hammer vorsichtig zum ersten Mal an (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

Militärpfarrer Peter B. oblag die Ehre, die Glocke mit einem kleinen Hammer zum ersten Mal zum Klingen zu bringen. „Der Klang einer Glocke ist ihre Seele“, so der Pfarrer, und da die alte Dame vor dem Hintergrund ihrer langjährigen Lagerung wenig mit optischen Reizen dienen kann, waren alle umso gespannter auf ihre „Stimme“. Und die kann sich hören lassen!

Einweihung im richtigen Rahmen

Kirchliche Weihung der Glocke im Rahmen des Weihnachtsgottesdienstes im Tornadozelt
Kirchliche Weihung der Glocke im Rahmen des Weihnachtsgottesdienstes im Tornadozelt (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

Richtig geläutet wurde sie jedoch erst an Heiligabend, zur feierlichen Weihung. Hier erzählt der Militärpfarrer vor großem Publikum noch einmal die ganze Geschichte der schweren Dame, die mit „Johannes“, benannt nach „Johannes dem Täufer“, schlussendlich ihren wenig damenhaften aber gemeinschaftlich abgestimmten Namen erhielt. Und die besondere Geschichte endet mit einem i-Tüpfelchen: Trotz deutschlandweiter und ortsungebundener Suche findet sich die Glocke für die deutschen Soldaten ausgerechnet im Heimatort der Mutter des Militärpfarrers. Nachforschungen haben ergeben: Die Familienvorfahren des Pfarrers und der verwahrenden Familie waren sich durchaus bekannt. Das beschert selbst den weniger kirchlich Frommen von uns einen wohltuenden Gänsehautmoment.


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Stand vom: 09.01.18 | Autor: PAO UNIFIL


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