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275 Tage Westafrika – Als Militärbeobachter in der Westsahara (Teil 2)

Laayoune, 23.03.2016.

Nach 275 Tagen im Einsatz bei MINURSO kehrte Hauptmann Merten E. vor wenigen Tagen nach Deutschland zurück. Für ihn waren die neun Monate in der UN-Mission eine überaus prägende Zeit. Im zweiten Teil seines Rückblicks berichtet er unter anderem von Begegnungen mit der „Frente Polisario“ und seinem Wechsel aus der Fläche ins Hauptquartier der UN-Mission.

Ein Tag bei UN - das Koordinierungstreffen

Im ersten Teil meines Rückblicks habe ich von den Besonderheiten des MINURSO-Einsatzes berichtet. Nun möchte ich kurz einen anderen wesentlichen Teil meiner Arbeit erläutern: Die Vorbereitung und Durchführung von Koordinierungstreffen mit der „Frente Polisario“.

Auf Patrouille in der Westsahara

Auf Patrouille in der Westsahara (Quelle: Bundeswehr/PAO MINURSO)Größere Abbildung anzeigen

Wenn wir uns in Tifariti mit Vertretern dieser „Volksfront zur Befreiung von Saguia el Hamra und Río de Oro“ trafen, habe ich vorher nochmal alle relevanten Ereignisse der vergangenen Wochen analysiert, sie mit dem Kommandeur unserer Teamsite besprochen und festgelegt, wie wir die Vorkommnisse thematisieren wollen. Das erfordert oft auch diplomatisches Geschick – einerseits überwacht man als Militärbeobachter die Aktivitäten oder Truppenbewegungen und meldet gegebenenfalls auch Verstöße gegen das Waffenstillstandsabkommen – andererseits waren wir aber auch auf die Absicherung unserer Teamsite durch die „Frente Polisario“ angewiesen.

Weiterhin galt es, die Teilnehmer der Patrouille zu planen. Da wir selbst keine Übersetzer hatten, mussten wir immer einen Militärbeobachter einer anderen Nation einplanen, der entweder spanisch oder arabisch sprechen konnte. Am Tag des Koordinierungstreffens sind wir zum Hauptquartier der „Military Region“ (entspricht einer Brigade) gefahren. Das Treffen selbst zeichnete sich durch förmliche Begrüßungen und gegenseitigen Respektsbekundungen aus.

Alle eigentlichen Besprechungspunkte wurden parallel zum obligatorischen Tee in besprochen. Die richtige Zubereitung und der Genuss des Tees waren ein eigenes kleines Ritual, das manchmal auch gut und gerne 45 Minuten dauern konnte. Alle wichtigen Erkenntnisse wurden anschließend in einem Bericht an das MINURSO-Hauptquartier zusammengefasst. Dieser Bericht musste stets spätestens am nächsten Tag um 8.00 Uhr im HQ vorliegen.

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Tag der Deutschen Einheit

Appell anlässlich des 25. Jahrestags der Deutschen Einheit

Appell anlässlich des 25. Jahrestags der Deutschen Einheit (Quelle: Bundeswehr/PAO MINURSO)Größere Abbildung anzeigen

Etwas ganz besonderes während meiner rund neun Monate in der Westsahara war der 03. Oktober 2015, der 25. Jahrestag der Deutschen Einheit. Da dieses Datum das Ende des „Eisernen Vorhangs“, des „Kalten Krieges“ und den Start des Zusammenwachsens eines geteilten Volkes symbolisiert, war klar, dass wir als deutscher Anteil der Mission etwas organisieren mussten. Zentrale Herausforderung bei den Vorbereitungen war, dass wir zu dieser Zeit keinen deutschen Soldaten im Hauptquartier hatten, das hätte die Organisation natürlich deutlich erleichtert. Dennoch war der Tag ein voller Erfolg, von der zivilen Missionsführung gab es Lob und Wertschätzung.

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Zurück zum Hauptquartier

Leider kein seltenes Bild – Fundmunition

Leider kein seltenes Bild – Fundmunition (Quelle: Bundeswehr/PAO MINURSO)

Kurz danach hieß es für mich noch einmal, mich in ein neues Tätigkeitsfeld in der Mission einzuarbeiten. Ende Oktober 2015 wurde ich nämlich für eine Tätigkeit im Hauptquartier ausgewählt – als Verbindungsoffizier zwischen der militärischen Operationszentrale und dem zivilen „Mine Action Coordination Center“ (MACC). Dieses Zentrum arbeitet täglich daran, die Beseitigung der Kriegsaltlasten voranzutreiben.
Mein Hauptauftrag dabei war die dauerhafte Koordination zwischen Militär und dem MACC, die Bearbeitung der aktuellen Kampfmittellage im Einsatzgebiet und die Ausbildung neu eintreffender Militärbeobachter. Weiterhin hatte ich dabei die Möglichkeit, die Teamsites zu besuchen um dort Wiederholungs- und Vertiefungsausbildungen durchzuführen. Das hat nicht nur die dortigen Soldaten weitergebildet, sondern brachte auch mir noch vielfältigere Eindrücke von der Mission und der Westsahara.

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Besuch mit besonderer Herausforderung

Bei solch einem Besuch wurde es einmal sogar notwendig, mein Wissen als sogenannter „Einsatzersthelfer Bravo“ anzuwenden. Ein ziviler Pick-Up war von der Straße abgekommen, hatte sich mehrfach überschlagen, wobei der Fahrer aus dem Fahrzeug geschleudert wurde. Das intensive Training in Deutschland half mir, erste Hilfe mit zweckmäßiger Atemwegssicherung, Wärmeerhalt, Kontrolle seiner Vitalfunktionen und der Vorbereitung seines Krankentransportes zu leisten. Also war auch dieser Abschnitt in der Vorausbildung nicht umsonst.

Ansprechpartner in vielen Bereichen – auch für Vertreter der „Frente Polisario“

Ansprechpartner in vielen Bereichen – auch für Vertreter der „Frente Polisario“ (Quelle: Bundeswehr/PAO MINURSO)Größere Abbildung anzeigen

Eine besondere Ehre war es, nach drei Monaten zusätzlich zum „Dienstältesten Deutschen Offizier (DDO)“ ernannt zu werden. Als Ansprechpartner für alle nationalen Belange war ich dabei nicht nur für unsere Planungen verantwortlich, sondern auch für die Organisation und Durchführung des Empfangs einer schweizerisch-deutschen Botschaftsdelegation und die Koordination mit dem deutschen Verteidigungsattaché in Marokko.

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Zurück nach Deutschland

Der Einsatz endet nach neun ereignisreichen Monaten

Der Einsatz endet nach neun ereignisreichen Monaten (Quelle: Bundeswehr/PAO MINURSO)Größere Abbildung anzeigen

Die neun Monate, die nun seit wenigen Wochen hinter mir liegen, beinhalteten für mich somit viele bewegende, anstrengende, aber auch sehr schöne und glückliche Momente. Ganz speziell bin ich meinen Jungs aus unserem deutschen Kleinstkontingent für ihr Vertrauen und unser kameradschaftliches Miteinander dankbar. Euch wünsche ich eine gesunde Heimkehr und eine schöne Zeit danach mit Euren Liebsten.

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Stand vom: 23.03.16 | Autor: Merten E.


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