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Ich bin iM EINsatz: Die „Gepard“-Besatzung - „Wie eine zweite Familie“

Schnellboot „Wiesel“, 03.04.2014.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In dreizehn Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hauptbootsmann B. ist der Funkmeister auf dem Schnellboot „Wiesel“ bei UNIFIL (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL )Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Hauptbootsmann Toni B. und ich wurde vor 28 Jahren in der Hansestadt Rostock geboren. Seit Januar 2003 leiste ich als Marinesoldat bei der Bundeswehr meinen Dienst. Mit der Besatzung des Schnellbootes S71 „Gepard“ bin ich seit dem 06. Januar auf S79 „Wiesel“ im UNIFIL-Einsatz.

Im Frühjahr 2010 nahm ich auf der Fregatte „Emden“ an meinem ersten Einsatz bei Atalanta am Horn von Afrika teil. Es folgte ein erster Einsatz bei UNIFIL im Sommer 2012. Ich gehöre zum 7. Schnellbootgeschwader, ebenfalls beheimatet in Rostock.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Beim Überprüfen des Kommunikationsmittel (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL )Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Funkmeister an Bord. Damit bin ich das Bindeglied zwischen der Bootsführung und allen anderen UNIFIL Schiffen. Ich verteile Informationen, sowohl intern wie auch extern. Ich kümmere mich um die gesamte Kommunikation via Funk, berate die Führung in sämtlichen Aspekten meines Fachbereiches und koordiniere die Instandsetzungen im Bereich Führungsmittel und Waffen.

An Bord eines Schnellbootes gibt es immer einen „kleinen“ und einen „großen“ Funker, die sich alle sechs Stunden abwechseln. Ich bin der ältere, also der große Funker.

Das Schnellbootfahren ist eine besondere Herausforderung: Seegang, keine Privatsphäre, kaum Platz und wenig Schlaf sind nur einige der Bedingungen, die dazu beitragen. Die damit verbundene Belastung lässt jeden an seine Grenzen kommen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Die Besatzung des „Gepard“ auf dem „Wiesel“ bei UNIFIL (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL )Größere Abbildung anzeigen

Wir überwachen das Seegebiet vor der libanesischen Küste. Dabei werden Schiffe nach ihrem Zielhafen und ihrer Ladung befragt. Diese Daten werden an die libanesische Marine weitergegeben, die dann über eine mögliche Durchsuchung im Zielhafen entscheidet. Den zweiten Teil der Mission bildet die Ausbildung der libanesischen Marine. Dabei sind wir auch „Botschafter in blau“ und repräsentieren die Deutsche Marine bzw. die Bundeswehr im Einsatz für die Vereinten Nationen.

Aufgrund der geplanten Außerdienststellung unseres Schnellbootes „Gepard“ zum Jahresende wird dies der letzte Einsatz mit der Besatzung sein. Die Entscheidung, dass sein Boot außer Dienst gestellt wird, erfährt niemand gern. Erst recht nicht im Einsatz. Ich freue mich auf die letzten Monate mit diesem Team, das zu meiner zweiten Familie geworden ist.

Wenn ich den bisherigen Einsatz Revue passieren lasse, waren der Besuch im UN-Hauptquartier in Naqoura und bei den dortigen österreichischen Soldaten, ein Landgang in Beirut sowie eine Reise in die zweigeteilte Stadt Nikosia, ganz besondere Erfahrungen.
Beim Landgang in Beirut, der Hauptstadt des Libanons, eine Moschee betreten zu dürfen, das orientalische Essen zu probieren oder die landestypische Architektur zu sehen, ist interessant, dennoch muss mit der gebotenen Vorsicht vorgegangen werden.
Dank unseres Militärpfarrers war die Reise nach Nikosia möglich. Die Teilung der Stadt entlang der sogenannten „Green Line“ zwischen türkischen und griechischen Teil Zyperns zu sehen, hat einen faden Beigeschmack. Es erinnert stark an die Grenzanalagen und Checkpoints im geteilten Deutschland bis 1989.

Dass alle UN-Schiffe trotz verschiedener Nationalität und unterschiedlicher Arbeitsweisen ein gemeinsames Ziel verfolgen, ist für mich persönlich besonders beeindruckend.

Das vermisse ich hier am meisten.

Selbstverständlich vermisse ich meine Familie und meine Freunde. Ich vermisse es auch, in meinem eigenen Bett zu schlafen und einfach die Ruhe in meinen eigenen vier Wänden genießen zu können. Dank der Möglichkeit, die Familie zur Mitte des Einsatzes sehen zu können, ist er wie ein Fußballspiel in zwei Halbzeiten geteilt.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Blick in die Ferne (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL )Größere Abbildung anzeigen

Ich wünsche mir, dass die gute Stimmung an Bord bis zum letzten Tag so bleibt und wir alle gesund in der Heimat aus dem Flieger steigen und unsere Freunde und Familien in die Arme schließen können. Für die Zeit nach dem Einsatz wünsche ich jedem Besatzungsmitglied einen erholsamen Urlaub und nach der Außerdienststellung unseres Bootes jedem einen Dienstposten, der seinen Vorstellungen entspricht.

Ich grüße von ganzem Herzen meine Lebenspartnerin, meine Familie und meine Freunde, die mich stets unterstützen und hinter mir stehen. Einen besonderen Dank möchte ich noch nach Plön an den Militärpfarrer Degenhardt schicken.


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Stand vom: 08.01.18 | Autor: PAO UNIFIL


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