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Einsatz im Südsudan: „Die tägliche Arbeit hat sich mehr als verändert.“

Juba, 29.01.2014.


Vor gut fünf Wochen eskalierte die Gewalt im jüngsten Staat der Erde, dem Südsudan. Die Bundeswehr unterstützte im Dezember bei der Evakuierung und brachte rund 100 Personen nach Uganda und somit in Sicherheit. Doch welche konkreten Auswirkungen haben die aktuellen Ereignisse auf die Arbeit der deutschen Soldaten bei UNMISS?

Major Oliver P. ist zum wiederholten Mal im Südsudan (Quelle: Bundeswehr/)Größere Abbildung anzeigen

Im Jahr 2008 gab es den Südsudan noch gar nicht. Damals war Major Oliver P. zum letzten Mal für die Vereinten Nationen in der Region tätig. Er war bei UNMISS der UN-Mission im damaligen gesamten Sudan im Einsatz und es ging um die Beilegung des Konfliktes zwischen dem arabisch geprägten nördlichen Teil und dem Süden, der 2011 seine Unabhängigkeit erlangte.
Vor gut fünf Jahren flog er mit einem guten Gefühl nach Hause. „Am Ende meines Einsatzes war bereits ein wichtiger Teil der Friedensverträge erfüllt, die nordsudanesischen Truppen zogen ab“, erinnert er sich. Kriegsmüde Konfliktparteien habe er zum damaligen Zeitpunkt erlebt.

Aus heutiger Perspektive und mit Blick auf die aktuellen Ereignisse erscheint es ihm, als haben die damalige Auseinandersetzung mit dem Nordsudan und die Freude über die erlangte Souveränität die innerstaatlichen Konflikte im Südsudan lediglich überdeckt.

„Der Schutz der Bevölkerung steht im Fokus“ (Quelle: Bundeswehr/Matthies)Größere Abbildung anzeigen

Denn die Realität spricht eine deutliche Sprache, auch wenn die Lage in den einzelnen Landesteilen differenziert betrachtet werden muss. Insgesamt sind mehrere tausend Tote zu beklagen, rund eine halbe Million Menschen sind nach UN-Angaben auf der Flucht. Zehntausende von ihnen suchten bereits Zuflucht in den Lagern der UN, ein großer Teil hat das Land verlassen. Hilfsorganisationen berichten von Kindern, die hungrig, verängstigt und völlig auf sich allein gestellt sind.

Der Schutz der Bevölkerung steht im Mittelpunkt

Ein Eindruck aus den umkämpften Gebieten (Quelle: Bundeswehr/Matthies)Größere Abbildung anzeigen

„Praktisch jeder Südsudanese (Anm. d. Red.: circa 11 Mio. Einwohner) ist direkt oder mittelbar vom aktuellen Konflikt betroffen. Sei es, dass Verwandte geflüchtet sind oder getötet wurden, oder die Nachbarn oder Kollegen plötzlich verschwunden sind“, schildert Major P., der als Verbindungsoffizier Kontakt halten soll, seine Eindrücke. Und wer noch nicht geflohen sei, denke zumindest darüber nach, berichtet er aus vielen persönlichen Gesprächen in den letzten Wochen.
Was dies alles für den Aufbau von staatlichen Strukturen - dem eigentlichen Unterstützungsauftrag von UNMISS - bedeute, scheint leicht auszurechnen. In fast allen Bereichen fehlen schlicht die Ansprechpartner. Internationales Hilfspersonal wurde abgezogen, mühevoll aufgebaute Strukturen brechen in sich zusammen.

An Aufbauarbeit ist für die Angehörigen der UN-Mission, und somit auch für die 16 deutschen Soldaten bei UNMISS momentan nicht zu denken. War die Mission bis zum Ausbruch des Konfliktes, im Gegensatz zu vielen anderen UN-Einsätzen, auf gerade diese Unterstützung ausgerichtet, scheint nun die „klassische“ Vermittlerrolle in den Vordergrund zu rücken. „Insofern ist unsere Arbeit durch die aktuelle Lage in vielen Bereichen komplexer geworden. Der Schwerpunkt liegt jetzt im Schutz der Zivilbevölkerung“, schildert der Offizier die eingetretenen Veränderungen.

Nur noch mit Schutzweste und Helm aus dem Lager

Die Schutzmaßnahmen wurden auch für die deutschen Soldaten angepasst (Quelle: Bundeswehr/Matthies)Größere Abbildung anzeigen


Einige Einschränkungen und Sicherheitsauflagen sind dabei von den Soldaten der internationalen Gemeinschaft hinzunehmen. In Juba, der Hauptstadt des Landes, können sie sich am Tag relativ frei bewegen. Für die Nächte wurde eine Ausgangssperre verhängt. Die UNMISS-Kräfte wurden an den Standorten im Land zusammengezogen, Schichtdienst wurde eingeführt. Die Lager dürfen nur noch mit Schutzweste, Helm und Funkgerät verlassen werden. „Denn auch im direkten Umfeld der UNMISS-Standorte kam es in den letzten Tagen immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen“, so Major Oliver P. weiter.

Die deutschen UN-Soldaten sind, abhängig von ihrem Stationierungsort innerhalb des Landes, unterschiedlich betroffen. In den drei umkämpften Staaten sowie in der Hauptstadt nehmen sie u.a. auch an Besprechungen mit den militärischen Führern beider Lager teil. Dabei geht es vorrangig um Vermittlung. So versucht die UNO täglich, Versorgungsflüge per Hubschrauber in die umkämpften Regionen durchzuführen. Dann gelte es, von demjenigen, der gerade die Vorherrschaft im jeweiligen Gebiet besitzt, die notwendigen Sicherheitsfreigaben zu erhalten.

Die Versorgungslage ist in Juba, insbesondere im Vergleich zu anderen Landesteilen, als gut und wieder stabil zu bewerten. Das sehe für viele der Blauhelme, teils auch bei einigen deutschen, in anderen Regionen leider ganz anders aus, sagt Major P: „Weil wir das wissen, haben wir hier auch ein Auge drauf und lassen ihnen ab und zu zusätzliche Versorgungspakete zukommen.“

Stabile Verhältnisse sind die Voraussetzung für eine Fortsetzung der bislang begonnenen Aufbauarbeit der Weltgemeinschaft im Südsudan. Der leidenden Zivilbevölkerung, die auch schon vor dem Ausbruch des jetzigen Konfliktes unter sehr bescheidenen Verhältnissen lebte, wäre es zu wünschen.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Redaktion PIZ EinsFüKdoBw


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