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Ich bin iM EINsatz: „Die Angehörigen sind die wahren Helden“

Djibouti, 08.05.2014.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In sechzehn Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Als Feldjäger in Djibouti: Oberleutnant Patrick O.
Als Feldjäger in Djibouti: Oberleutnant Patrick O. (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Patrick O. und ich bin als Feldjäger (Militärpolizist) derzeit in meinem ersten Auslandseinsatz in Djibouti bei der Operation Atalanta tätig. Ich befinde mich mittlerweile im zehnten Dienstjahr und diene eigentlich in einer norddeutschen Feldjägerkompanie als Zugführer für Diensthunde und die Anteile Personenschutz. Der Anti-Piraterie Einsatz am Horn von Afrika begann für mich im Januar und endet voraussichtlich Mitte Mai.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz

Als sogenannter „Provost Marshal“ bin ich der Vorgesetzte aller Feldjäger bei Atalanta – an Land und auf See. Meine Männer und Frauen sind ein bunt zusammen gewürfeltes Team. Sie kommen alle aus verschiedenen Feldjägereinheiten aus ganz Deutschland und bringen unterschiedliche Erfahrungen mit. Sie stehen teils am Anfang, teils vor dem Ende ihrer Dienstzeit als Soldat.
Meine primäre Aufgabe ist die Beratung des Kommandeurs in allen militärpolizeilichen Fragen. Hierzu zählen die klassischen Tätigkeitsfelder der Militärpolizei, wie die Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben, Erhebungen und Ermittlungen oder der militärische Ordnungs- und Verkehrsdienst.

Oberleutnant Patrick O. beim Verkehrsdienst
Oberleutnant Patrick O. beim Verkehrsdienst (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Dabei hat man als Feldjäger eine Vielzahl von Aufgaben zu erfüllen. Das veraltete Bild, das Feldjäger nur zum Maßregeln anderer Kameraden da sind, hat zum Glück längst ausgedient. Natürlich weisen wir andere Soldaten nach wie vor auf eventuelles Fehlverhalten hin. In erster Linie verstehen wir uns jedoch als „Dienstleister“.
Dazu gehören beispielsweise der Personenschutz oder das „Air-Marshalling“, also die Gewährleistung von Sicherheit in Luftfahrzeugen der Bundeswehr. Auch der Einsatz von Rauschgift- und Sprengstoffspürhunden gehört dazu. Alles wird immer auf das jeweilige Einsatzgebiet abgestimmt.

Für Afrika, insbesondere Djibouti, bedeutet dies für mich, dass meine Aufgabe neben der Beratung darin besteht, die mir anvertrauten Soldaten zu führen und alle Einsätze zu koordinieren. Dennoch kommt es vor, dass auch ich bei Einsätzen unterstütze, wenn es die Personallage nicht anders zulässt.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders

Oberleutnant Patrick O. bei der Begleitung vom Commander Task Force 465, Flottillenadmiral zur Mühlen (li.)
Oberleutnant Patrick O. bei der Begleitung vom Commander Task Force 465, Flottillendmiral zur Mühlen (li.) (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Bei diesem Einsatz unterliegen die Feldjäger den gleichen Bedingungen und Gefahren wie alle anderen Soldaten des Kontingents auch. Der Umgang mit den Kameraden der Marine ist allerdings für viele Feldjäger neu. Dies macht die Aufgabe aber umso reizvoller.
Das Kontingent in Djibouti ist zudem recht klein, was dafür sorgt, dass man nach einiger Zeit viele interessante Kameraden aller Altersklassen und Dienstgradgruppen kennenlernt. Man arbeitet Seite an Seite eng zusammen. Dies gestaltet sich allerdings in einem der heißesten Länder der Welt, in dem zudem noch extreme Armut herrscht, manchmal nicht leicht.
Man ist es in Deutschland nicht gewohnt, dass Kinder um Wasser betteln oder in erbärmlichsten Verhältnissen leben müssen. Hier gehört dieses Bild zur Tagesordnung. Die Lebensumstände der Bevölkerung lassen sich mit denen in Deutschland in keiner Weise vergleichen.

Trotzdem gab es natürlich viele spannende und motivierende Erlebnisse, die lange in Erinnerung bleiben werden. Der Besuch des Befehlshabers des Einsatzführungskommandos oder der Verteidigungsministerin seien hier erwähnt. Noch heute bin ich voll des Lobes für die professionelle Arbeit meiner Soldaten. Mein erster Äquatorflug mit der Einsatzgruppe P-3C Orion war ebenfalls ein sehr beeindruckendes Erlebnis.

Auch die Zusammenarbeit mit den Militärpolizeien anderer Länder war und ist eine sehr positive Erfahrung. Dazu zählt das Mittagessen mit der japanischen „MP“ und die anschließende traditionelle Teezeremonie oder der gemeinsamer Sport mit spanischen Kameraden. Das sind Erinnerungen die immer bleiben werden.

Das vermisse ich hier am meisten

Natürlich erwartet jeder hier nun den Standardsatz: Familie, Freunde, und so weiter.

Ich persönlich aber glaube, dass die Menschen, die man in Deutschland zurück gelassen hat, es ebenso schwer haben. Ich kenne meinen Tagesablauf, ich weiß zu jedem Zeitpunkt wie es mir geht, ich habe immer einen Kameraden um mich herum, der genau versteht, wie es hier ist und mit dem ich mich austauschen kann.
All dies haben unsere Lieben zu Hause nicht. Sie sind darauf angewiesen, dass wir uns melden. Das stelle ich mir auf Dauer ziemlich zermürbend vor und deshalb verdienen unsere Angehörigen eigentlich die höchste Anerkennung.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße

Mein Einsatz neigt sich langsam dem Ende zu und ich freue mich natürlich auf zu Hause. Allerdings war meine Zeit am Horn von Afrika eine Lebenserfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte.
Mein ausdrücklicher Dank gilt „meinen“ Feldjägern hier für die ausgezeichnete Zusammenarbeit, aber auch den Kameraden der Marine, die uns ohne Vorurteile in ihren Reihen akzeptiert haben.


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Stand vom: 08.01.18 | Autor: Patrick O.


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