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Ich bin iM EINsatz: Alles im Blick

In See, 05.04.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Obermaat Vicky K. arbeitet in der Operationszentrale der „Sachsen“ im Einsatz in der Ägäis
Obermaat Vicky K. arbeitet in der Operationszentrale der „Sachsen“ im Einsatz in der Ägäis (Quelle: Bundeswehr/Christopher Lechner)Größere Abbildung anzeigen

Ich heiße Vicky K. (25) und bin Obermaat an Bord der Fregatte „Sachsen“. Ich komme aus dem Rheinland und wurde in Leverkusen geboren. Lange Zeit habe ich in Köln gewohnt, bevor ich im Dezember 2015 für die Marine nach Wilhelmshaven gezogen bin.

Meinen Dienstposten Operationsdienstmaat auf der „Sachsen“ besetze ich seit April 2015. Ich gehöre der Verwendungsreihe 23 (Überwasseroperationsdienst) an. Unser Einsatz in der Ägäis ist mein erster und zugleich auch meine bisher längste Zeit auf See und fernab von der Heimat.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Die „Sachsen“ patrouillierte seit Dezember in der Ägäis
Die „Sachsen“ patrouillierte seit Dezember in der Ägäis (Quelle: Bundeswehr/Christopher Lechner)Größere Abbildung anzeigen

Als Operationsdienstmaat an Bord des Flaggschiffs der Standing NATO Maritime Group 2 (SNMG2) sind meine Aufgaben abwechslungsreich und in gewissen Situationen auch sehr anspruchsvoll. Meine Hauptaufgabe ist der Überwasser- und Luftlagebildaufbau mit verschiedenen Radarsystemen. Mit ihnen kann ich dem Wachhabenden Offizier in der Operationszentrale permanent ein aktuelles Lagebild präsentieren. Er kann dann dem Wachhabenden Offizier auf der Brücke zuarbeiten und das operative Lagebild mit dem navigatorischen verbinden. Brücke und Operationszentrale arbeiten im Seebetrieb eng zusammen. Die Brücke – als „Augen des Schiffs“ – kann bei guten Wetterbedingungen bis zu zwölf nautischen Meilen weit schauen. Die Operationszentrale hat zwar keine Fenster, kann aber mithilfe der Sensoren bis zu 20 Meilen hinsichtlich der Lage auf See und über 200 Meilen bei der Lage in der Luft weit „schauen“.

Mein Arbeitsplatz besteht aus einer Konsole mit zwei übereinander befindlichen Bildschirmen. Der untere zeigt mir unsere Position auf der elektronischen Seekarte. Überlagert wird das Bild von Echos des von mir ausgewählten Radars. Diese Echos gilt es auf „Kontakte“, also andere Boote oder Schiffe, oder auf „Fehlechos“ zu analysieren. Ist das getan, muss ich nun noch bestimmen, um was für einen Kontakt oder welchen Verkehrsteilnehmer es sich handelt. Da kommt der zweite Bildschirm ins Spiel. Auf den kann ich mir unsere bordeigene Hochleistungskamera schalten, an das Fahrzeug heranzoomen und es klassifizieren. Die Kamera besitzt ein integriertes Wärmebildgerät, so ist es auch bei Dunkelheit möglich, die Kontakte zu erkennen. Dies ist bei unserem aktuellen Auftrag in der Ägäis sehr hilfreich, denn oft schicken Menschenschleuser Flüchtlinge nachts vom türkischen Festland los. Die kleinen Boote sind bei Nacht kaum zu sehen und auch von unseren Radaren nur schwer zu erfassen, gerade wenn wir Seegang haben. Das Kamerasystem ist dabei eine echte Unterstützung, da es kleinste Wärmesignaturen erkennt.

Am Arbeitsplatz: Mit der Multifunktionskonsole trägt Vicky K. zur Lagebilderstellung bei
Am Arbeitsplatz: Mit der Multifunktionskonsole trägt Vicky K. zur Lagebilderstellung bei (Quelle: Bundeswehr/Christopher Lechner)Größere Abbildung anzeigen

Mindestens einmal in der Woche üben wir auch das Gefecht an Bord. Dann wird die gesamte Besatzung auf ihre Gefechtsstation befohlen. Wir in der Operationszentrale sind dabei für die Bekämpfung aller möglichen Bedrohungen von außen zuständig. Das kann von der Speedboot-Abwehr, über anfliegende Flugkörper, bis zum Torpedoangriff durch ein U-Boot alles Mögliche sein. Wir üben regelmäßig alle denkbaren Szenarien, um einfach vorbereitet zu sein.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ausgleich: Vicky K. auf dem Crosstrainer
Ausgleich: Vicky K. auf dem Crosstrainer (Quelle: Bundeswehr/Christopher Lechner)Größere Abbildung anzeigen

Meine Tätigkeit im sogenannten Hauptabschnitt 600 macht mich schon ein wenig stolz. Zwar hat jeder Abschnitt an Bord eine wichtige Funktion, dennoch ist es gerade der Hauptabschnitt „600 – Gefecht“, der die „Sachsen“ von einem normalen Schiff unterscheidet. Wir sind die Schaltzentrale der Fregatte. Bei uns laufen alle wichtigen Informationen zusammen, hier werden operative Entscheidungen getroffen. Als diejenige, die für die Lagebilderstellung zuständig ist, ist es schön, aktiv einen Beitrag zur Auftragserfüllung beisteuern zu können.

Das vermisse ich hier am meisten.

Bei einer so langen Abwesenheit von zu Hause ist es klar, dass ich die Menschen daheim vermisse. Am meisten fehlen mir natürlich meine Mutter und mein Bruder, die ich schon nach dem Umzug nach Wilhelmshaven immer weniger sehe. Ebenso vermisse ich meine beste Freundin in Köln und meine Mädels vom Fußballverein VfL Wilhelmshaven.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Meine Pläne für die Zeit nach unserem Einlaufen in Wilhelmshaven am 8. April stehen schon fest: Noch am gleichen Tag wird in den Geburtstag meines besten Freundes Enrico R. – der auch hier an Bord Dienst leistet – reingefeiert. Darauf freue ich mich schon. Doch am meisten freue ich mich auf meine Mutter und die Freunde, die mich auf der Pier in Empfang nehmen werden. Und natürlich kann ich es kaum erwarten, nach fast fünf Monaten in meine alte Heimat Köln zurückzukehren. Ich grüße ganz herzlich meine Familie und alle Freunde: Auf ein baldiges Wiedersehen!


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Stand vom: 12.12.17


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