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Ich bin iM EINsatz: Allein im „Camp Bondsteel“

Ferizay, 04.02.2016.


Von Afrika bis nach Afghanistan, auf zwei Weltmeeren und über Syrien: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Major Falk G. – Verbindungsoffizier zu den US-Streitkräften im Kosovo
Major Falk G. – Verbindungsoffizier zu den US-Streitkräften im Kosovo (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Major Falk G. und 35 Jahre alt. Im November 1998 zog ich als Wehrpflichtiger zum ersten Mal eine Uniform an und wurde danach Reserveoffizier. Es folgten 13 sehr abwechslungsreiche Jahre, mit Studium (Jura, Philosophie, Kunstgeschichte), Forschungsarbeit und dem Leben als Reserveoffizier.

Nach meiner Wiedereinstellung 2013 folgten 24 sehr intensive Monate voller Lehrgänge und Praktika. Mittlerweile bin ich Kompaniechef im Panzergrenadierbataillon 122 in Oberviechtach. Schon als Reserveoffizier war ich zwölf Mal im Ausland – als aktiver Soldat ist dies mein erster Einsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Die Zusammenarbeit mit den US-amerikanischen Soldaten ist hervorragend
Die Zusammenarbeit mit den US-amerikanischen Soldaten ist hervorragend (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Als Verbindungsoffizier (eng: „Liaison Officer", LNO) zur Multinational Battle Group-East (MNBG-E) bin ich dafür verantwortlich, dass mein nationaler Kommandeur in Prizren möglichst das gleiche Lagebild hat wie der amerikanischer Commander. Das ist wichtig, da das deutsche Kontingent unter anderem eine Einsatzkompanie stellt, die wiederum zur Auftragserfüllung dieser MNBG-E unterstellt ist. Zusätzlich trage ich zum Lagebild im Bereich des Militärischen Nachrichtenwesens bei. Ich nehme selbst an mehreren Briefings teil und sorge anschließend für den Austausch der Informationen.

In den Bereichen Führung und Einsatz sorge ich dafür, dass die Planung multinationaler Übungen noch besser gelingt und am Ende die richtigen Kräfte mit der richtigen Ausrüstung am richtigen Ort stehen. Sehr wichtig ist dabei auch, vor Ort zu sein und den Kameraden über die Sprachbarriere hinweg zu helfen. Wenn die Lage es zulässt, organisiere ich gemeinsame Ausbildungen wie Schießen oder sportliche Wettbewerbe mit allen Nationen, die zur MNBG-East gehören.

Am besten gefällt mir, dass ich bei „meinen“ Amerikanern voll integriert bin. Derzeit bin ich der einzige Deutsche im Camp Bondsteel und kann den ganzen Tag englisch sprechen. Außerdem bin ich als LNO ständig im gesamten Land unterwegs und kenne das Kosovo mittlerweile fast so gut wie meine Westentasche.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Impression aus dem Camp Bondsteel in diesen Tagen
Impression aus dem Camp Bondsteel in diesen Tagen (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin über das sehr gute Verhältnis zu meinen Kameraden – im Camp Bondsteel, wie im Feldlager Prizren – sehr glücklich. Gleichzeitig erlebe ich fast täglich große Unterschiede kultureller Art wie auch in der Mentalität. Ich mag diese Vielfalt. Dass ich von den Amerikanern auch zu privaten Veranstaltungen eingeladen werde, empfinde ich als großes Kompliment. Das zeigt mir, dass uns sehr viel verbindet.

Anfang Januar durfte ich im Namen der MNBG-E die US-Armee in Europa (USAREUR) unterrichten. Das war nicht nur für mich ein klein wenig herausfordernd, sondern auch eine Überraschung für mein Gegenüber. Am anderen Ende saß ein deutscher Brigadegeneral, der als Chef des Stabes im USAREUR dient. So wurde ein deutscher General in Gegenwart seines amerikanischen Stabes von einem deutschen Soldaten auf Englisch unterrichtet - meine amerikanischen Kameraden waren sichtlich amüsiert.

Das vermisse ich hier am meisten.

Eigentlich fehlt hier nur eine Gelegenheit zum Eislaufen, was für mich im Winter sonst dazu gehört. Allen anderen sportlichen Interessen kann ich hier nachgehen. Außerdem habe ich eine Gitarre und viele Bücher dabei. So ausgerüstet, halte ich es überall auf der Welt eine Weile aus.
Mit meiner Familie und meinen Freunden telefoniere ich natürlich deutlich mehr, als ich das sonst in Deutschland mache.
Ansonsten genieße ich die Abwesenheit des materiellen Wohlstandes sehr - Besitz belastet eben auch.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich kann noch nicht sagen, wie sich die Abreise hier anfühlen wird. Vermutlich werde ich weniger euphorisch, sondern eher melancholisch sein. Ich freue mich aber sehr darauf, Familie und Freunde wiederzusehen – und mal eine Weile keine Uniform tragen zu müssen.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Falk G.


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