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Mosaiksteine für das Lagebild: Die Auswertestation für Luftbilder

Al-Asrak, 05.12.2017.

Seit dem 9. Oktober fliegen die Tornados wieder im Einsatz über Syrien und dem Irak und erfüllen ihren Auftrag: das Bereitstellen von Luftbildern im Rahmen der Operation Inherent Resolve. Deutschland stellt der internationalen Anti-IS-Koalition Aufklärungsbilder zur Verbesserung des Gesamtlangebildes zur Verfügung. Damit dies geschehen kann, müssen diese vorher durch die „Ground Exploitation Station“ der Luftwaffe aufbereitet werden.

In zehn Containern arbeiten die Kameraden

In zehn Containern arbeiten die Kameraden (Quelle: Bundeswehr/PAO Counter Daesh)Größere Abbildung anzeigen

Ein großes Zelt, darunter Container, Arbeitsplätze auf engem Raum. In der „Ground Exploitation Station (GES)“ der Luftwaffe werden die Aufklärungsergebnisse der Einsatzflüge zur weiteren Verwendung aufbereitet. Die Arbeit der GES ist ein wesentliches Element des deutschen Beitrages in Jordanien. Im digitalen Zeitalter der Bilderzeugung müssen keine Nassfilme mehr ausgewertet werden.

Das Herzstück der Aufklärungsmission war eine der ersten Einheiten, die nach Jordanien verlegt und in Betrieb genommen wurde. Durch die Verlegung nach Jordanien wurde die Gelegenheit genutzt, die Auswertezentrale mit neuer Hardware und neuer Software zu versehen. Deshalb mussten neue Referenzdaten auf die Rechner der GES gespielt werden. Solche Daten sind zum Beispiel Satellitenbilder, Karten des Einsatzgebietes oder Höhendaten. Diese Daten werden durch das Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr aus Euskirchen bereitgestellt. Die georeferenzierten Daten bilden die Grundlage für die Aufklärungsarbeit. Damit wird sichergestellt, dass die Soldaten der GES den beobachteten Bereich punktgenau verorten können.

Die Server der GES bilden das Gehirn der Aufklärungsanlage

Die Server der GES bilden das Gehirn der Aufklärungsanlage (Quelle: Bundeswehr/PAO Counter Daesh)Größere Abbildung anzeigen

Im Inneren der Container surrt und rauscht es ständig. Ohne die vorhandene hochwertige Rechnerleistung wäre der Auftrag, gerade im Zeitalter digitaler Bilder, nicht abbildbar. Zwei Festplattenarrangements mit hoher Speicherkapazität bilden das Gehirn der GES. Ein fühlbarer Effekt dieser Leistung ist die enorme Wärmeentwicklung der Rechnersysteme. Leistungsstarke Klimaanlagen müssen die Container permanent auf Betriebstemperatur herunterkühlen. Die Geräte sind so leistungsfähig, dass die Anlage selbst bei 50°C Außentemperatur störungsfrei arbeitet. Ein Systemadministrator und ein Betriebsdienstsoldat betreuen die Anlage ständig, um bei möglichen Störungen den Betrieb rund um die Uhr sicherzustellen. Selbst wenn der Strom ausfallen oder Spannungsspitzen auftreten würden, ist das System gesichert. Der Administrator betreut die Rechnersysteme. Der Betriebsdienstsoldat ist für die Kabinen, Klimaanlagen und die Antennenmastanlage verantwortlich.

Der Systemadministrator betreut die Server rund um die Uhr

Der Systemadministrator betreut die Server rund um die Uhr (Quelle: Bundeswehr/PAO Counter Daesh)Größere Abbildung anzeigen

In der GES arbeiten somit sieben Soldaten. Neben dem des Leiters der Einheit, befinden sich vier weitere Arbeitsplätze in den Containern. Der Teamchef, verantwortlich für den Datenlink und das Missionsmanagement, verteilt die Aufklärungsziele an zwei Aufklärungs-Arbeitsplätze. Der Missionmanager weist die Aufklärungsziele bereits vor dem Start den Plätzen zu, kann diese auftragsbedingt aber auch während der Flugphase ändern und neu zuordnen.

Mit Hilfe von 3D-Brillen können die Soldatenmehr Details erkennen

Mit Hilfe von 3D-Brillen können die Soldaten mehr Details erkennen (Quelle: Bundeswehr/PAO Counter Daesh)Größere Abbildung anzeigen

Zudem gibt es den Arbeitsplatz des Missionsplaners, der vor dem Flug mit den fliegenden Besatzungen die fliegertechnischen Details klärt. Das daraus erzeugte „Mission Planning File“ wird in den Aufklärungspod des Tornados geladen und enthält die Informationen für die Aufklärung.

Die Anforderungen an die Luftbild-Aufbereiter sind vielfältig und fachgebunden. In der zivilen Arbeitswelt ist ihre spezielle Qualifikation nicht anzutreffen. Ihre ursprünglichen Berufe sind unterschiedlich: Viele der Kameraden sind ausgebildete Kaufleute. Es finden sich auch Soldaten als Auswerter wieder, die vorher Fotografen waren. Eine Vorbildung im Bereich der Bilderstellung ist nicht erforderlich. Der Missionmanager ist in der Regel ein sehr erfahrener Berufssoldat im Dienstgrad eines Stabsfeldwebel oder Oberstabsfeldwebel. Durch seine langjährige Erfahrung, kennt er die Belange des Berufes und kann mit seinem Fachwissen die Kameraden unterstützen.

Der Leiter GES und der Missionsplaner besprechen die nächsten Einsätze

Der Leiter GES und der Missionsplaner besprechen die nächsten Einsätze (Quelle: Bundeswehr/PAO Counter Daesh)Größere Abbildung anzeigen

Leiter der „Ground Exploitation Station“ ist ein Offizier im Dienstgrad Oberleutnant oder Hauptmann. Aufgrund der Einsatzhäufigkeit kann dies auch mal der Chef höchstpersönlich sein. Da der Bedarf an dieser Fähigkeit sehr hoch ist, steigt die Chance der Soldaten in das Verhältnis eines Berufssoldaten übernommen zu werden. Menschenführung ist sehr wichtig in diesem Job. Die Soldaten arbeiten sehr lange auf engstem Raum zusammen. Teamfähigkeit ist das A und O.

Neben der Beteiligung bei der Operation Inherent Resolve werden auch die Einsätze in Afghanistan und in Mali unterstützt. Somit ist die Einsatzrate der Soldaten des Verbandes sehr hoch. Die Regeneration der Fachkräfte nimmt zudem sehr viel Zeit in Anspruch. Alleine die Fachausbildung dauert zwei Jahre. Hinzu kommen zusätzliche Ausbildungsschritte, wie zivile Berufsausbildung, Ausbildung für Bewegtbild-Analyse oder Anteile des militärischen Nachrichtenwesens.

In ihrem kleinen Rückzugsort entspannt sich das Team während der wenigen Pausen

In ihrem kleinen Rückzugsort entspannt sich das Team während der wenigen Pausen (Quelle: Bundeswehr/PAO Counter Daesh)Größere Abbildung anzeigen

Die fertigen Aufklärungsprodukte werden an das Combined Air Operation Centre in Al Udeid (Quatar) versendet und dort mandatsgetreu verwendet. Die Arbeitsbelastung im Einsatz Counter Daesh ist hoch. Die Fähigkeit der Luftbildaufklärung ist innerhalb der Koalition sehr gefragt und so werden pro Woche mehr als 100 Produkte abgeliefert. Trotz der hohen Belastung sind die Soldaten stolz darauf, ihren Beitrag zur Erfüllung des Auftrages zu leisten.

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Stand vom: 05.12.17 | Autor: PAO Counter DAESH


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