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Ich bin iM EINsatz: EUTM Mali - „Mädchen für Alles“

Bamako, 12.08.2016.

Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In allen deutschen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hauptfeldwebel Steffen J. (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali)

Mein Name ist Steffen J. und ich bin 32 Jahre alt. Ich bin seit sieben Jahren in einer glücklichen Beziehung mit meiner Freundin, mit der ich einen drei Jahre alten Sohn habe. Soldat bin ich seit Juli 2007 und seit 2013 im Kommando Heer in Strausberg eingesetzt. Für mich ist dies der erste Auslandseinsatz in meiner Bundeswehrzeit. Von 2011 bis 2012 hatte ich das Glück, im NATO-Hauptquartier Madrid erste internationale Erfahrungen zu sammeln, sodass mir die Aufgabe im Stab in Bamako durchaus entgegen kommt.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Seit Mai bin ich als „Chief of Staff Assistant“ im Missionshauptquartier der EU Trainingsmission, abgekürzt MHQ EUTM Mali, eingesetzt. Das MHQ mit seinen 120 bis150 Soldaten befindet sich seit Beginn der Mission 2013 in der malischen Hauptstadt Bamako. Untergebracht sind wir in einem ehemaligen Hotel.
Ich unterstütze den Chief of Staff (COS, dt.: Chef des Stabes) in allen Belangen. So führe ich zum Beispiel seinen Terminkalender sowie den Hauptkalender des gesamten Stabes, bereite Briefings und Meetings vor, erstelle Wochenbefehle und bin neben dem Executive Officer (XO) eine wesentliche Schnittstelle zwischen COS und Stab. So bin ich gewissermaßen „Mädchen für alles“.

„Chief of Staff“ (li.) mit seinem „Mädchen für alles“ (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali)Größere Abbildung anzeigen

Unabhängig von meinen dienstlichen Aufgaben bin ich auch enger Mitarbeiter des COS, bin sein Fahrer, sein Ansprechpartner und seine „gute Seele“, die ihm den Dienst und das Leben hier in Mali erleichtert.
Meine Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich, kaum ein Tag ist wie der vorherige. Der Tagesablauf gestaltet sich immer angepasst an die Lage. Allerdings gibt es durchaus auch wiederkehrende Routineaufgaben und -meetings. Etwa das allabendliche COS-Update, in dem der Chef des Stabes über aktuelle Ereignisse oder Ausbildungsstände informiert wird. Umgekehrt nutzt der Oberst das Meeting auch, um Aufträge unmittelbar zu erteilen. Ein anderes Beispiel ist das große Update für den Mission Commander, das immer samstags stattfindet. Die Vorbereitung nimmt einige Zeit in Anspruch, weil ich die Beiträge der Vortragenden zusammenführen, kontrollieren und bei Bedarf in der Form anpassen muss.
Des Weiteren stelle ich die Verbindung zwischen dem MHQ und unserer Unterstützungselement in Koulikoro sicher. Ich bin für Betreuung, Feldpost, Materialbeschaffung und diverse Personalangelegenheiten der Deutschen Soldaten im MHQ zuständig. So mache ich mich einmal pro Woche auf den 60 Kilometer langen Weg nach Koulikoro.
Mir macht meine Aufgabe hier sehr viel Spaß und ich fühle mich gebraucht. Die gute, freundschaftliche Verbindung zu unserem Unterstützungselement in Koulikoro ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt für „unseren kleinen Haufen“ hier im MHQ. Dafür auf diesem Weg einen „Dank“ an alle Kameraden und an unseren Spieß, der uns nicht vergisst und uns eine liebevolle „Mutter“ (mit Vollbart) ist.

Multinationale Zusammenarbeit mit Kameraden aus Portugal (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali)Größere Abbildung anzeigen

Alles in allem ist die Arbeit mit den Soldaten der 18 im MHQ vertretenen Nationen eine echte Herausforderung. Denn verschiedene Auffassungen von Stabsarbeit und nicht zuletzt die sehr unterschiedlichen Englischkenntnisse erfordern eine große Anpassungsbereitschaft. Aber gerade deswegen macht es mir Spaß, und langweilig wird mir so auch nicht.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Normalerweise ist mein Dienstposten mit einem Offizier zu besetzen, üblicherweise einem Leutnant oder Oberleutnant. Seit Beginn der Mission bin ich der erste Unteroffizier, der diesen Dienstposten wahrnimmt. Das macht mich stolz und bestätigt mich in meiner Arbeit.

Das vermisse ich am meisten.

Seit Oktober 2012 bin ich stolzer Vater eines wundervollen Sohnes. Seit dieser Zeit habe ich keinen Moment in seinem Leben verpasst. Dies ist für mich die größte Herausforderung hier. Mir fehlen mein Sohn und meine Freundin sehr. Außerdem vermisse ich mein typisches deutsches Essen. Ich kann es kaum erwarten, in eine große, saftige Boulette zu beißen. Ich freue mich auch wieder auf die neue Dartsaison mit meiner Mannschaft „Sportfreunde Berlin“, in der ich zusammen mit meinem großen Bruder und meinen Freunden endlich erfolgreich oben mitspielen will.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich wünsche mir zunächst, dass wir unseren Auftrag weiterhin gut erfüllen, es keine bösen Überraschungen gibt und wir alle wohlbehalten zurückkehren. Und darüber hinaus habe ich die Hoffnung, dass das Essen hier im MHQ vielleicht doch bald besser wird.
Ich danke allen für die Unterstützung hier vor Ort und in der Heimat, insbesondere unseren Vorgängern der Deutsch-Französischen Brigade für die tolle Aufnahme und Einarbeitung.

Grüßen möchte ich den Bereich Stabsunterstüzung im Kommando Heer in Strausberg, die mich sicherlich vermisst, und vor allem meine Familie zu Hause. Ich wünsche allen Kameraden im Einsatz viel Soldatenglück „GLÜCK AB!“


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Steffen J.


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