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Ich bin iM EINsatz: „Nachschub rollt“ im Kosovo

Prizren, 18.03.2014.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In dreizehn Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Oberstleutnant Thomas H. im Feldlager Prizren
Oberstleutnant Thomas H. im Feldlager Prizren (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Thomas H. und als Oberstleutnant der Reserve bin ich in Deutschland nicht bei der Bundeswehr, sondern in der Wirtschaft tätig. Als Reservist gehöre ich organisatorisch zur Division Schnelle Kräfte in Stadtallendorf. Bei der Division Spezielle Operationen, wie sie bis zum 01. Januar hieß, war ich bereits seit der Aufstellung vor dreizehn Jahren beordert.

Mein jetziger, fünfter Einsatz erfolgt zum ersten Mal im nationalen Rahmen. Bislang war ich immer in einem multinationalen Hauptquartier eingesetzt, mehrfach bei SFOR in Bosnien-Herzegowina sowie bei ISAF im Norden Afghanistans. Von dort bin ich vor etwa zehn Monaten nach Hause zurückgekehrt.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Die S4-Abteilung des 37. Deutschen Einsatzkontingents KFOR
Die S4-Abteilung des 37. Deutschen Einsatzkontingents KFOR (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Als Truppenversorgungsstabsoffizier, wie die neue Bezeichnung inzwischen etwas sperrig lautet, bin ich der Abteilungsleiter Logistik (S4) und Herr eines „Gemischtwarenladens“. Diese scherzhafte Bezeichnung bezieht sich nicht nur auf die Zusammensetzung des Teams aus verschiedenen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen der Bundeswehr. Mit sieben Offizieren und zwölf Unteroffizieren gilt es, die größte Abteilung im Stab des Deutschen Einsatzkontingents KFOR zu führen.

Sie lässt auch erahnen, wie vielfältig der Aufgabenbereich ist und welch unterschiedliche Serviceleistungen wir Logistiker für alle deutschen Soldaten im gesamten Einsatzland anbieten und bereitstellen. Dabei bin ich selbst gar kein „klassischer“ Logistiker sondern als Gebirgsjäger erst später ein gelernter Nachschubstabsoffizier geworden.

Einen typischen Tagesablauf gibt es eigentlich nur am Vormittag, der für mich immer mit einer Morgenlage beim Chef des Stabes beginnt. Es folgen Telefonkonferenzen mit dem Einsatzführungskommando in Potsdam und eine weitere Besprechung in unserer Abteilung.

Ansonsten hält jeder Tag immer Überraschungen bereit. Denn wenn die Versorgung funktioniert, dann wird das als selbstverständlich empfunden, doch wehe, es fehlt mal irgendetwas - dann ist das Wehklagen groß und das Krisenmanagement beginnt.

Freude und Erfüllung bringen mir aber dennoch genau diese Herausforderungen, wenn es am Ende des Tages wieder einmal im Team erfolgreich gelungen ist, sämtliche „Kunden“ zufriedenzustellen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Als Reserveoffizier ist meine persönliche Motivation die Abwechslung zum zivilen Alltag und das Erfahren von gelebter Kameradschaft in der Truppe. Im Einsatz gibt es gemeinsame Ziele, wie eben täglich aufs Neue dafür zu sorgen, dass der „Nachschub rollt“, getreu dem alten Schlachtruf dieser Truppengattung.

Die Trophäe verteidigt – der Stern der „Battle of Knowledge“
Die Trophäe verteidigt – der Stern der „Battle of Knowledge“ (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Ein schönes Erlebnis hatte ich dieses Mal gleich zu Beginn des Einsatzes. Unsere Abteilung gewann bei der „Battle of Knowledge“ (einem lustigen Denksportwettbewerb) und konnte damit nahtlos an die Erfolge der Vorgänger anknüpfen. Der gewonnene, riesige Stern hängt jetzt am Eingang unserer Abteilung. Dies gleich wieder erreicht zu haben, macht uns gemeinsam stolz. Es war eine exzellente Teambuilding-Maßnahme und machte jeden etwaig befohlenen „Icebreaker“ komplett überflüssig. Eilt doch dieser „Battle of Knowledge“ bei KFOR ein Ruf wie ein Donnerhall bis in die Heimat voraus.

Ein anderes, ebenso beeindruckendes wie berührendes Ereignis war der Jugendchor des „Loyola-Gymnasiums“, der beim Empfang nach dem Kontingentwechsel auftrat. Wer noch nicht wissen sollte, für wen oder was er eigentlich hier ist, braucht sich nur an das Schlusslied erinnern: „Children of Kosovo – crying for a peaceful land“.

Das vermisse ich hier am meisten.

Hat einen runden Geburtstag vor sich – Oberstleutnant Thomas H.
Hat einen runden Geburtstag vor sich – Oberstleutnant Thomas H. (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Natürlich vermisse ich hier im Einsatz am meisten meine Stella, obwohl sie als Feldwebel der Reserve bei der Luftwaffe weiß was es heißt, im Einsatz zu sein.

Dazu fehlen natürlich die Freunde aus meinem Abiturjahrgang, denn immerhin feiern wir in diesem Jahr unser 30jähriges ganz groß. Die Vorbereitungen dazu müssen nun andere stemmen.

Nicht zuletzt vermisse ich meine Kameraden aus unserem ehemaligen Bataillon zu meiner aktiven Dienstzeit - den vor zwanzig Jahren aufgelösten „Bayreuther Jägern“. Wir treffen uns zweimal im Jahr zu einem Leistungsmarsch, jeweils auf einer Etappe des „Frankenweges“, um unsere Heimat erleben und genießen zu können.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Für die restliche Zeit des Einsatzes wünsche ich mir noch weitere Sterne bei der „Battle of Knowledge“, weil sich solche gemeinsamen Erfolge automatisch fördernd auf den Betrieb in unserer Abteilung übertragen und für Motivation sorgen.

Für die Zeit danach bleibt einfach nur Gesundheit, denn in diesem Jahr habe ich das zweifelhafte Vergnügen, einen runden Geburtstag zu feiern. Manche nennen ihn auch „Bergfest“. Aber das feiere ich dann doch lieber hier im Kontingent nach der Hälfte des Einsatzes. Ich grüße alle Daheimgebliebenen in meiner fränkischen Heimat.


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Stand vom: 08.01.18 | Autor: Thomas H.


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