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Einsatztagebuch Westafrika Teil 7: Mein Fazit

Insel Usedom, 11.02.2015.

Hauptfeldwebel Dennis K. blickt auf sechs ereignisreiche Wochen bei der humanitären Hilfe für Westafrika in Liberia zurück. In dieser Zeit berichtete er regelmäßig hier in seinem Einsatztagebuch. Für einsatz.bundeswehr.de zieht er nun ein ganz persönliches Fazit seines Einsatzes.

Als ich im November 2014 gefragt wurde, ob ich mir einen Einsatz im Ebola-Gebiet vorstellen könne, war ich zunächst skeptisch. Die Seuche war auf Ihrem Höhepunkt, hunderte Menschen in Westafrika starben. Jeden Tag. Aber ich hatte das Bedürfnis zu helfen, sah eine Chance (m)einen Teil zur Bekämpfung dieser Krankheit beitragen zu können.

Eigentlich war meine positive Entscheidung schon gefallen, bevor ich das alles mit meiner Familie besprochen hatte. Hätten meine Frau oder meine Kinder den Einsatz abgelehnt, wäre ich wohl doch zu Hause geblieben. Nachdem sie aber hörten, was meine Aufgabe in Liberia sein sollte, stimmten auch sie zu.

So saß ich dann am 19. Dezember im Flugzeug - ohne Angst und gut vorbereitet. Was ich in den folgenden sechs Wochen erleben durfte hat mich, im Nachhinein betrachtet, positiv verändert. Ich empfinde diesen Einsatz als eine absolute Bereicherung für mich.

Das Leben in Westafrika war anfangs gewöhnungsbedürftig

Das Leben in Westafrika war anfangs gewöhnungsbedürftig (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Wenn man das erste Mal aus Europa nach Westafrika kommt, sitzt der „Schock“ erst einmal tief. Alles ist fremd, alles ist anders. Afrika sieht anders aus, riecht anders, klingt anders, fühlt sich anders an. Schon die Abholung am Flughafen und die Fahrt ins Hotel hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Autos ohne Beleuchtung in stockdunkler Nacht, verbeult, verbogen und verzogen und zudem völlig überladen mit Menschen oder Material. Überall einfachste Häuser mit Wellblechdächern am Straßenrand.

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Premiere für DRK und Bundeswehr

Es ist das erste Mal, dass das Deutsche Rote Kreuz gemeinsam mit der Bundeswehr in dieser Form zusammenarbeitet. Eine Herausforderung für beide Seiten. Doch ich kam in ein perfektes Team, eine große Familie. Alle ziehen an einem Strang, man hilft sich gegenseitig. Jeder ist in seiner Aufgabe ein Spezialist. Alle arbeiten höchst professionell. Auf der Arbeitsebene gibt es vor Ort keine Probleme, es läuft. Man kommt morgens und abends zur Teambesprechung zusammen und ist so immer im Bilde, was in den einzelnen Aufgabenbereichen los ist.

Die vielen neuen Friedhöfe haben nicht nur bei Dennis K. einen bleibenden Eindruck hinterlassen

Die vielen neuen Friedhöfe haben nicht nur bei Dennis K. einen bleibenden Eindruck hinterlassen (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Ich sah viel von "Land und Leuten", hatte die Gelegenheit, mir in einem der großen Ebola-Hotspots ein Behandlungszentrum und die Friedhöfe anzusehen. Ich war ganz nah dran an dieser Katastrophe, ohne jemals einen Ebola-Erkrankten gesehen zu haben. Aber ich konnte erfahren, was die Krankheit diesem Land angetan hat, etwas mehr als zehn Jahre nach dem verheerenden Bürgerkrieg.

Liberia wird noch lange die Hilfe der Weltgemeinschaft brauchen, auch wenn Ebola besiegt zu sein scheint. Es fehlt an allem. Selbst in der Hauptstadt Monrovia leben mehrere 10.000 Menschen ohne sauberes Trinkwasser und ohne Strom.

In der Heimat kommt immer wieder die Frage auf, ob wir nicht zu spät da waren. Meine Antwort dazu lautet: Nein! Wir waren nicht zu spät. Liberia hat ganz einfach Glück gehabt. Es gab die unterschiedlichsten Berechnungen, wie sich die Zahl der Ebola-Fälle weiterentwickeln würde. Ende 2014 hatte selbst die WHO mit Fallzahlen kalkuliert, die bis zu einer Million Infizierte prognostizierte. Für dieses realistische Szenario waren wir nicht zu spät.

Dass sich das Ganze in die andere Richtung entwickelt, die Seuche ausbrennt, konnte man nur hoffen. Die massive Aufklärung und die Hygiene-Disziplin des liberianischen Volkes haben dazu geführt, dass die Fallzahlen drastisch gesunken sind. Nun geht es um die letzten, unentdeckten fünf Prozent, die sich unter den anderen tropischen Erkrankungen der Region verstecken.

Dazu haben die Bundeswehr und das Deutsche Rote Kreuz Pionierarbeit geleistet. Die ETU („Ebola Treatment Unit“) wurde in eine SITTU („Severe Infection Temporary Treatment Unit“) umgewidmet, die Patienten aufnimmt, untersucht und dann weiterbehandelt. Patienten mit Ebola-Symptomen werden an eine benachbarte ETU weitergegeben. Mit diesem Modell ist Deutschland führend. Nein, wir waren nicht zu spät.

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Was bleibt?

„Zurück zu den Wurzeln“ – Hauptfeldwebel K. möchte die Erfahrungen aus dem Einsatz nicht mehr missen

„Zurück zu den Wurzeln“ – Hauptfeldwebel K. möchte die Erfahrungen aus dem Einsatz nicht mehr missen (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Was bleibt? Für mich bleibt ein Gefühl von "zurück zu den Wurzeln". Ich musste feststellen, dass wir in Deutschland ein Leben im Überfluss führen. Uns ist unsere Demut verloren gegangen. Wir sehen nicht, wie gut es uns geht. Die Erlebnisse in Westafrika haben mich "geerdet". Ich hoffe, dass dieses Gefühl noch lange bleibt.

Würde ich es wieder tun? Definitiv ja. Es waren fordernde Wochen, aber es war auch schön. Auf der einen Seite, war es eine körperliche Herausforderung, sechs Wochen lang bei Temperaturen jenseits der 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 90 Prozent zu arbeiten. Zum anderen war es auch eine psychologische Herausforderung.

Insbesondere die Armut und die Friedhöfe mit ausschließlich neuen Grabhügeln haben bei mir bleibende Eindrücke hinterlassen.

Aber es gab auch viel Positives: Die Herzlichkeit der Liberianer, der unabdingbare Wille, Ebola zu besiegen, ihre Dankbarkeit für unsere Anwesenheit, der Dschungel, die vereinzelten Sonntage am Strand. Und vor allem das Arbeiten in einem so außergewöhnlichen Team aus DRK und Bundeswehr. Eine Erfahrung die ich nicht mehr missen möchte. Zum Schluss möchte ich die Kameraden und "Kollegen" in Liberia grüßen. Bleibt gesund und kommt alle gut wieder nach Hause!“

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Stand vom: 11.02.15 | Autor: Dennis K.


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