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Ich bin iM EINsatz: „Navigation verzeiht keine Fehler“

In See, 13.01.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In zahlreichen Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hauptbootsmann Norman H. in seiner Kammer – sein kleiner Rückzugsort an Bord
Hauptbootsmann Norman H. in seiner Kammer – sein kleiner Rückzugsort an Bord (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Hauptbootsmann Norman H., 37 Jahre alt und seit 15 Jahren bei der Marine. In dieser Zeit war ich zwei Jahre Mannschaftssoldat, drei Jahre Unteroffizier und seit zehn Jahren bin ich nun Navigationsmeister. Bis auf ein paar Lehrgänge leistete ich durchgehend auf Fregatten oder auf einer Korvette meinen Dienst. Seit rund fünf Jahren bin ich der „NavMeister“ auf der Fregatte „Lübeck“. Insgesamt war ich bereits in vier Einsätzen und das zweite Mal nehme ich nun an der EU-Operation „Atalanta“ teil.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Der „NavMeister“ gleicht die ihm zur Verfügung stehenden Informationen mit der Operationszentrale des Schiffes ab
Der „NavMeister“ gleicht die ihm zur Verfügung stehenden Informationen mit der Operationszentrale des Schiffes ab (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin der Routenplaner für die „Lübeck“. Als Navigationsmeister plane und organisiere ich die Routen, um jederzeit sicher und pünktlich einen Hafen, beziehungswiese das See- oder Einsatzgebiet zu erreichen.
Für eine fehlerfreie Navigation reicht es jedoch nicht aus, nur die Strecke im Blick zu haben. Kurs und die Geschwindigkeit des Schiffes müssen genau berechnet werden, worauf auch das vorherrschende Wetter einen großen Einfluss hat. Eine Abweichung von lediglich einem Grad auf 100 Seemeilen kann zu fatalen Folgen führen, wie zum Beispiel auf ein Riff aufzulaufen.

Genau wie ich im Straßenverkehr die StVO beachten muss, gilt es in meinem Job sämtliche Gesetze der Seefahrt zu beachten. In der Navigation arbeite ich mit sechs weiteren Soldaten zusammen. Dabei bin ich zugleich Ausbilder für den Zweiten Navigationsmeister und die jungen Unteroffiziere und Mannschaften meines Abschnittes.
Vor 15 Jahren habe ich von den Erfahrungen der älteren Kameraden profitiert. Nun möchte ich meine langjährigen Kenntnisse an mein Personal und an interessierte Soldaten weitergeben. Es macht mir große Freude, wenn ich den einen oder anderen guten Tipp geben kann, der nicht in einer Vorschrift festgehalten ist. Fortlaufende Ausbildung findet an Bord jeden Tag statt.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Hauptbootsmann Norman H. (r.) bildet als  Navigationsmeister auch junge Kameraden aus
Hauptbootsmann Norman H. (r.) bildet als Navigationsmeister auch junge Kameraden aus (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin neben meiner eigentlichen Tätigkeit an Bord noch zusätzlich sogenannter „Backseater“. Das heißt, ich bin für die Ausbildung eines jungen Offiziers zuständig, der gerade lernt, das Schiff nautisch sicher zu fahren und der bordinterne Abläufe verinnerlichen muss. Auch das ist vergleichbar mit einer Fahrschule, nur mit einer deutlich größeren Verantwortung. Denn sollte dabei etwas schief laufen, setzen wir gleich knapp 200 Menschenleben aufs Spiel. Navigation verzeiht keine Fehler.
Backseater zu sein ist etwas Besonderes, denn gewisse Situationen erfordern schnelles und entschiedenes Handeln. Für die getroffenen Entscheidungen muss ich jederzeit einstehen können. Es macht mich stolz, dass der Kommandant und der Navigationsoffizier sich auf mich verlassen und mir großes Vertrauen entgegen bringen, indem sie mich die Kameraden ausbilden lassen.

In der Marine wird man immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt, die den Beruf so abwechslungsreich und interessant machen. Die Aufgaben- und Verantwortungsbereiche wachsen von Jahr zu Jahr. Kameradschaft und Teamgeist sind mir sehr wichtig. Jedes Besatzungsmitglied trägt mit seiner Funktion zur Erfüllung des Auftrages bei, daher müssen wir uns aufeinander verlassen können.

In meinen 15 Dienstjahren habe ich bereits viele unvergessliche Momente erlebt. Als besonders interessant empfand ich immer ein Zusammentreffen und den Austausch mit Marinesoldaten anderer Nationen. Sowohl in See als auch an Land. Außerdem konnte ich auf Ausbildungsfahrten von den Erfahrungen der Soldaten anderer Nationen profitieren und mein Wissen erweitern.

Das vermisse ich hier am meisten.

In erster Linie vermisse ich Unternehmungen wie Spaziergänge an der friesischen Küste, Radfahren oder Schwimmengehen mit meiner Tochter und meiner Ehefrau. Aber auch die Arbeit in meinem Garten, mit oftmals anschließenden Lagerfeuerabenden mit Freunden und Nachbarn, fehlt mir sehr.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Für die restliche Zeit des Einsatzes wünsche ich mir, dass dieser weiterhin reibungslos und ohne Zwischenfälle verlauft und die Zeit schnell vergeht.
Die Erfahrungen und Eindrücke während meiner Seefahrtszeit kann mir keiner nehmen. Dennoch freue ich mich auf meine kommende Aufgabe nach dem Einsatz. Dabei hoffe ich, einer Tätigkeit an Land nachzugehen, wodurch ich endlich wieder mehr Zeit mit meiner Familie verbringen kann. Auf diesem Wege viele Grüße an meine Tochter, meine Frau, meine Mutter, meinen Bruder und an alle Freunde, Bekannte, Verwandte und Nachbarn. Wir sehen oder hören uns im März.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Norman H.


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