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Einsatztagebuch KFOR Teil 12: „Melde mich ab“

Prizren, 01.10.2015.

Der KFOR-Einsatz ist für Oberleutnant Claudia Seidenschwanz vorbei. Fünf Monate liegen hinter ihr, als Pressoffizier des deutschen Kontingents auf dem Balkan. Viel hat sie erlebt, vieles davon fand sich in ihrem Einsatztagebuch wider. Das gesamte Team PIZ Einsatzführungskommando freut sich, sie nun wieder in unserer Mitte zu wissen. Danke für das Engagement und die Einblicke in den Einsatzalltag.

Ich bin fertig. Meine Stube ist leer. Nur meine Tasche und mein Rucksack stehen noch drin. Die letzten Tage sind im Nu vergangen. Meine Aufgabe als Presseoffizier habe ich übergeben. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn dann doch noch vereinzelt Soldaten auf mich zukommen und Fragen stellen. Lächelnd und mit ein bisschen Wehmut kommt meine Antwort: „Ich bin raus. Da müssen Sie sich an meinen Nachfolger wenden.“

Fünf Monate sind vorüber. Wenn ich erzählen müsste, was ich alles erlebt habe, wüsste ich nicht, wo ich anfangen soll. Für die Daheimgebliebenen ist es oft schwer vorstellbar, wie es im Auslandseinsatz aussieht. Daher hoffe ich, mit meinem Einsatztagebuch einen kleinen Einblick verschafft zu haben. An dieser Stelle bedanke ich mich bei allen Lesern für die vielen Zusprüche, die ich bekommen habe.

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"Abflieger"

Auf dem Laufzettel werden alle Punkte vor dem Abflug abgearbeitet

Auf dem Laufzettel werden alle Punkte vor dem Abflug abgearbeitet (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin jetzt „Abflieger“: So wird jeder genannt, der bald das Einsatzland verlässt und nach Hause geht. Was muss noch alles erledigt werden, bevor ich starten kann? Es gibt für jeden „Abflieger“ eine Art Checkliste – den Laufzettel. Jeder abgearbeitete Punkt wird per Unterschrift quittiert: Ausweis und Wäschenetze abgeben, persönliche Unterlagen empfangen, Desinfektion. Desinfektion? Was und wozu soll ich desinfizieren? Schuhe, Bekleidung und Ausrüstung, die im Freien benutzt wurden, müssen vor der Rückreise desinfiziert werden. So wird verhindert, dass beispielsweise Tierseuchen mit nach Deutschland geschleppt werden.

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Abschied nehmen

Ausrüstungsgegenstände werden vor der Heimreise desinfiziert

Ausrüstungsgegenstände werden vor der Heimreise desinfiziert (Quelle: Bundeswehr/Claudia Seidenschwanz)Größere Abbildung anzeigen

Es ist vier Uhr morgens, als mein Wecker klingelt. In einer halben Stunde fährt mein Bus zum Flughafen. Die sogenannte Stellzeit gibt den Soldaten ein letztes Mal die Möglichkeit, sich zu verabschieden. Da fließt auch schon mal die eine oder andere Träne. Eine gute Freundin muss ich noch zurücklassen, doch auch sie hat nur noch eine Woche vor sich. Mehr als 100 Soldaten verlassen heute das Kosovo. Ich bin zwar nicht allein, aber doch fühle ich mich so. Jeder erzählt von zu Hause und von dem, was nun alles geplant sei – die Zeit im Kosovo scheint fast schon vergessen zu sein. Zwei Transall-Maschinen sind gelandet, Soldaten für das neue Kontingent kommen an. Ich kann mir gut vorstellen, wie sie sich fühlen.

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Drei Klimazonen im Flugzeug

Tschüss, Kosovo: Fünf Monate liegen jetzt hinter Oberleutnant Seidenschwanz

Tschüss, Kosovo: Fünf Monate liegen jetzt hinter Oberleutnant Seidenschwanz (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

In der Transall sind wir zwar etwas länger unterwegs als mit einem Airbus, aber die gute alte Maschine hat mich noch nie enttäuscht. Rund vier Stunden Flugzeit, bequem ist es nicht. Die Maschine ist gut gefüllt, Beinfreiheit Fehlanzeige. Drei Klimazonen gibt es im Flugzeug: Vorn bei den Piloten herrschen relativ normale Temperaturen, dahinter und in der Mitte ist es ziemlich heiß und hinten an der Laderampe ist es so kalt, dass man eine dicke Jacke braucht. Gehörschutz ist bei dem lauten Brummen ein Muss. Ich trinke besser nichts, denn eine Toilette ist auch nur behelfsmäßig vorhanden.

Die Freude war riesig

Die Freude war riesig (Quelle: Bundeswehr/Christian Schneider)Größere Abbildung anzeigen

Dann landen wir in Leipzig, fast pünktlich. Ich bin aufgeregt, aber auch erleichtert. Mein Gepäck ist da und ich gehe. Allein. Doch da stehen meine Kameraden aus meiner Dienststelle – sie holen mich ab. Es sind mehr da, als ich erwartet habe. Ich freue mich riesig.

Nun heißt es für mich an dieser Stelle, Danke und Tschüss zu sagen: Es war mir eine Freude – ich melde mich ab.

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Stand vom: 01.10.15 | Autor: Claudia Seidenschwanz


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