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Ich bin iM EINsatz: Von der Uni in den Kosovo

Prizren, 09.08.2016.


Von Afrika bis nach Afghanistan, auf zwei Weltmeeren und über Syrien: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hauptmann Alexander K. an seinem Arbeitsplatz in Prizren
Hauptmann Alexander K. an seinem Arbeitsplatz in Prizren (Quelle: Bundeswehr/Florian S.)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Hauptmann der Reserve Alexander K., eingesetzt als Einsatztagebuchführer und S3-Offizier beim Chef des Stabes im 44. Deutschen Einsatzkontingent KFOR. In meinem zivilen Leben studiere ich Geschichte und Erziehungswissenschaften an der Universität Paderborn. Durch regelmäßige Reservistendienstleistungen beim Panzerbataillon 203 in Augustdorf ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, das Bataillon auch im Auslandseinsatz zu unterstützen, sodass ich jetzt nicht nur das erste Mal in meinem Leben geflogen bin, sondern mich nun auch in meinem ersten Auslandseinsatz befinde.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Vortrag beim Vorgesetzten, dem Chef des Stabes des deutschen KFOR-Kontingents
Vortrag beim Vorgesetzten, dem Chef des Stabes des deutschen KFOR-Kontingents (Quelle: Bundeswehr/Dritan H.)Größere Abbildung anzeigen

Als Einsatztagebuchführer gehöre ich zur Kommandeursgruppe des Kontingents und sitze damit quasi in der Lenk- und Denkzentrale. Ich nehme an vielen Besprechungen teil und bereite diese auch vor. Dabei ist die Arbeit mit Powerpoint eine Grundvoraussetzung. Durch mein Studium bin ich mit dem Programm mehr als vertraut, da es auch dort sehr vielseitig eingesetzt wird. Spaßeshalber werde ich hier gelegentlich als „Powerpoint-Ranger“ bezeichnet. Allerdings habe ich an der Uni auch gelernt, dass der Inhalt eines Vortrags nicht hinter der Optik zurückstehen darf.

Für die Einsatzauswertung bin ich ebenfalls verantwortlich. Ich verteile die Aufgaben zur Erstellung der Beiträge an die einzelnen Beteiligten und führe die Ergebnisse hinterher zu einem großen Ganzen zusammen. Für diese Koordination nutzen wir im Kosovo das Sharepoint-Programm, in das ich mich auch erst einarbeiten musste, da ich vorher nie damit in Berührung gekommen bin. Durch diese intensive Einarbeitung bin ich mittlerweile die Hauptansprechstelle für alle, die ein Problem oder Fragen zu dem Programm haben, wobei ich auch nicht alles weiß und somit auch viel mit dem eigentlichen Administrator in Verbindung stehe.

Weiterhin agiere als rechte Hand des Chefs des Stabes, sodass ich hier sehr viel zu tun habe. Gott sei Dank habe ich einen Kameraden, der mich in einigen Aufgabengebieten unterstützt. Dadurch muss ich mich nicht um alles selber kümmern. Besonders die täglichen Routinemeldungen an das Einsatzführungskommando sind zeitintensiv. Deshalb komme ich nur selten aus dem Feldlager heraus. Schade eigentlich. Ich würde gerne all das vom Kosovo sehen, was andere in den Besprechungen vortragen.

Alles in allem ist es eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit, bei der man viele Aufgabengebiete abdeckt, viel mit den Kameraden zusammenarbeitet und nicht der Gefahr eines Sonnenbrandes ausgesetzt ist.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Mit einem Kameraden beim DANCON-Marsch des dänischen KFOR-Kontingents
Mit einem Kameraden beim DANCON-Marsch des dänischen KFOR-Kontingents (Quelle: Bundeswehr/Philipp Z.)Größere Abbildung anzeigen

Wichtig sind für mich die Erfahrungen eines Einsatzes, aber auch der Wunsch, ein besseres Verständnis für die Soldaten im Einsatz zu erlangen. Dadurch erhoffe ich mir, die Rolle als Mittler zwischen Bundeswehr und Gesellschaft noch besser wahrnehmen zu können.

Jenseits des Dienstes sind meine persönlichen Wochen-Highlights der Tanzkurs, den ich zusammen mit einem Kameraden aus der Schweiz leite, und die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, die unsere Truppenpsychologin immer samstags anbietet. Aber auch der DANCON-Marsch über 25 Kilometer, den ich mit einem alten Kameraden zusammen absolviert habe, war ein Erlebnis. Er hat mich nicht nur motiviert, noch mehr an meiner persönlichen Fitness zu arbeiten, sondern er hat in meinen Alltag etwas Multinationalität gebracht.

Das vermisse ich hier am meisten.

Neben meinen Freunden und der Familie fehlen mir tatsächlich die Universität und das Studium. Den wissenschaftlichen Austausch über die fachlichen Theorien und Erkenntnisse in Erziehungswissenschaften und Geschichte vermisse ich besonders. Dort werden immer sehr anregende Diskussionen geführt, was bei der Bundeswehr, gerade im Einsatz, ja doch eher weniger stattfindet. Denn ein Befehl ist nun mal keine Diskussionsgrundlage, sondern ein Auftrag zum Handeln.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Nach dem Einsatz werde ich mich direkt wieder dem Studium zuwenden und meine Abschlussarbeit schreiben, die aber nichts mit der Bundeswehr oder dem Kosovo zu tun haben wird.

Meine Wünsche für diesen Einsatz sind eher bescheiden. Ich möchte nur gesund nach Hause kommen. Zum Schluss grüße ich noch meine Familie, meine Freunde und den „Freundeskreis Panzerbataillone 203-214-213 e.V.“, der den Kontakt zu seinen Mitgliedern im Einsatz aufrechterhält.

Ein spezieller Gruß geht an meine beste Freundin, die der Bundeswehr gegenüber eher kritisch eingestellt ist, woraus sich hoffentlich auch in Zukunft wieder interessante Gespräche ergeben werden.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Alexander K.


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