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Ich bin iM EINsatz: „Man sieht, was jeder Einzelne leistet.“

In See, 22.03.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Obermaat Ronny S. auf der Brücke der Korvette „Erfurt“
Obermaat Ronny S. auf der Brücke der Korvette „Erfurt“ (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Obermaat Ronny S. und derzeit auf der Korvette „Erfurt“ im Einsatz. Nach meiner Ausbildung zum Maler und Lackierer absolvierte ich meinen 23-monatigen Wehrdienst bei der Flugabwehrraketentruppe der Luftwaffe. Danach bin ich wieder zurück „auf den Bau“ und habe als Industrielackierer gearbeitet. 2010 kam ich erneut zur Bundeswehr, diesmal ging ich bei der Marine an Bord.

Hier bin ich in alle seemännischen Arbeiten eingebunden, wie zum Beispiel in die Instandhaltungsarbeiten des Bootes und bei den An- und Ablege-, oder Versorgungsmanöver in See. Außerdem bediene ich das Motorrettungsboot und stehe in meiner Seewache am Ruder oder als Ausguck auf Posten. Bisher bin ich bei zwei Einsatz- und Ausbildungsverbänden der Marine mitgefahren und befinde mich jetzt hier im Atalanta-Einsatz am Horn von Afrika.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Bei der Annäherung von unbekannten Booten besetzt Ronny S. den Ausguck und das Maschinengewehr
Bei der Annäherung von unbekannten Booten besetzt Ronny S. den Ausguck und das Maschinengewehr (Quelle: Bundestag/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Im Einsatz bin ich zusätzlich zu meinen normalen Aufgaben auch in der sogenannten „Quick Reaction Force“ eingesetzt. Das heißt, dass ich bei der Annäherung eines anderen Bootes so schnell wie möglich ein Maschinengewehr auf der Brücke besetze, um eventuelle Bedrohungen abzuwehren. Daneben stehen meine normalen Seewachen und mein Dienst im Angriffs- und Leckabwehrtrupp. Ich bekämpfe mit meinen Kameraden im Ernstfall Feuer an Bord oder dichte Lecks ab.

Außerdem bin ich an Bord der inoffizielle Fitnesstrainer und unterstütze die Besatzung mit Rat und Tat bei sportlichen Aktivitäten. Das bietet mir einen guten Ausgleich zur täglichen Routine. Gerade in See und auf engstem Raum ist der Sport eine gute Ablenkung. Außerdem steigert er Motivation und Selbstbewusstsein.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Hier vor der somalischen Küste ist es anders als auf anderen Fahrten, gerade wenn man direkt die Dörfer an der Küste sehen kann. Da schaut man schon mal genauer hin. Das Leben und Arbeiten auf engstem Raum schweißt die Besatzung auch nochmal enger zusammen. Dazu trägt auch jedes erfolgreich abgeschlossene Manöver bei. Da sieht man, was jeder Einzelne leistet und beiträgt. An Bord kann es halt nur ein Miteinander geben, ansonsten würde das nach hinten losgehen. Da muss man sich auch mal arrangieren. Das gelingt uns allen gut.

Den Humor haben meine Kameraden und ich uns hier auf jeden Fall bewahrt. Er wird bei uns groß geschrieben. Das ist mir auch wichtig: Man sollte nicht immer alles so ernst nehmen, sondern auch mal einen „Schnack“ machen kann können.

Das vermisse ich hier am meisten.

Hier im Einsatz vermisse ich vor allem meine beiden Söhne und meine Freundin. Ich halte zwar Kontakt, aber es ist nicht dasselbe, wie daheim zu sein.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich bin sehr stolz auf meine Freundin, dass sie daheim alles so gut managt. Sie muss ja jetzt alleine schauen, wie es mit unserem Sohn so läuft. Das macht sie wirklich sehr gut, ich bin froh, dass ich sie habe. Auch dass meine Eltern und Schwiegereltern sie so unterstützen, nimmt mir hier im Einsatz eine Last von den Schultern.
Ich wünsche mir eigentlich nur, dass ich das alles gut überstehe. Die Vorfreude auf Zuhause ist einfach riesig. Wenn ich wieder daheim bin, geht es mit dem Hausbau weiter.
Ich hoffe, dass es meiner Familie auch gut geht und dass alle gesund bleiben. Grüße sende ich an meine Familie, ganz besonders an meine Freundin und meine Söhne. Auch an Mutti, meinen Onkel Harald, meinen Schwiegervater, meine Schwester Diana, und alle, die mich sonst so kennen – liebe Grüße aus dem Golf von Aden.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Ronny S.


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