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Von Schadnagern, Suppenkellen und Händehygiene

Prizren, 01.12.2017.

Hand aufs Herz: Wer denkt bei dem Begriff „Öffentlich-Rechtliche Aufsicht“ nicht unwillkürlich an ARD und ZDF - die Öffentlich Rechtlichen Sendeanstalten in Deutschland? Dieses Missverständnis löst bei Oberstabsveterinärin Katrin H., Stabsapothekerin Kristin J. und Hauptfeldwebel Michael J. ein belustigtes Schmunzeln aus. Die drei bilden das ÖRA-Team am Standort Prizren.

Das ÖRA-Team des deutschen Einsatzkontingents KFOR bei der Lebensmittelüberwachung in der Küche des Feldlagers Prizren

Das ÖRA-Team des deutschen Einsatzkontingents KFOR bei der Lebensmittelüberwachung in der Küche des Feldlagers Prizren (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Hinter der Abkürzung ÖRA verbergen sich öffentlich-rechtliche Überwachungsaufgaben, die der Gesetzgeber vorschreibt und die auch für die Bundeswehr zu Hause in Deutschland und im Einsatzland gelten. Die Überwachungsaufgaben umfassen Gesundheits-, Verbraucher- sowie Tierschutz. Ganz genau zählen Hygiene und Infektionsschutz, Arbeits- und Präventivmedizin, Veterinärwesen, Lebensmittel- und Bedarfsgegenständesicherheit sowie Arzneimittelsicherheit zu den Aufgaben des ÖRA-Teams.

Lebensmittelüberwachung: Der Leitende Veterinär im Einsatz, Oberstabsveterinär Katrin H., begutachtet die Besteck-Sortieranlage der Küche

Lebensmittelüberwachung: Der Leitende Veterinär im Einsatz, Oberstabsveterinär Katrin H., begutachtet die Besteck-Sortieranlage der Küche (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Katrin H. ist die Tiermedizinerin im Team. Dass sie Tierärztin werden wollte, wusste sie bereits früh. Den Weg zur Bundeswehr fand sie allerdings erst am Ende ihres Tiermedizinstudiums in Hannover. Ursprünglich wollte sie Kleintierärztin werden. Im Laufe des Studiums interessierte sie sich jedoch zunehmend für den Bereich der Lebensmittelhygiene. Deswegen wurde sie auch auf die Bundeswehr aufmerksam: „Die Bundeswehr bietet verschiedene Verwendungen im Bereich der Lebensmittelhygiene für Tierärzte an. Eine Tätigkeit, bei der es sich täglich ums Essen dreht: ein Traumjob“, so drückt die 27-jährige lachend ihre Begeisterung für den Fachbereich aus.

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Tierische Bewohner fest im Blick

Stabsapotheker Kristin J. überprüft Medikamente eines Beweglichen Arzttrupps

Stabsapotheker Kristin J. überprüft Medikamente eines Beweglichen Arzttrupps (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Neben der Lebensmittelhygiene zählen auch die Tierseuchenprophylaxe und der Tierschutz zu den Aufgabengebieten eines Leitenden Veterinärs im Einsatzland. Auch wenn es keine Diensthunde mehr im Feldlager Prizren gibt, ab und zu verirren sich Hunde aus dem Umfeld in das Feldlager. Diese müssen in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsaufseher im Einsatzland und dem Sanitäts-Hygiene-Trupp wieder „herauskomplementiert“ werden – sprich, die Tiere werden eingefangen und außerhalb des Feldlagers wieder ausgesetzt

Auch auf andere tierische Bewohner des Feldlagers hat die Tierärztin ein Auge: „In Zusammenarbeit mit dem lokalen Schädlingsbekämpfer führen wir in sämtlichen Bereichen des Camps ein Schadnager-Monitoring durch. Das heißt grob, wo befinden sich wie viele Mäuse oder Ratten im Camp.“ Neben Schadnagern werden im Feldlager aber auch regelmäßig heimische Tiere wie Kröten, Feldhasen und Fledermäuse von den Soldaten gesichtet.

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Apothekerin mit Blick auf die Lebensmittel

Sorgfalt muss sein: Stabsapotheker Kristin J. prüft eine Suppenkelle auf Mängel

Sorgfalt muss sein: Stabsapotheker Kristin J. prüft eine Suppenkelle auf Mängel (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Stabsapothekerin Kristin J. hat den „klassischen“ Einstieg in die Bundeswehr gewählt. Als Sanitätsoffizieranwärterin studierte sie über die Bundeswehr Pharmazie und Lebensmittelchemie in Braunschweig. Mit dieser weitreichenden Ausbildung ist die 31-jährige Sachverständige für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie für nicht-tierische Lebensmittel. Im Feldlager Prizren ist sie die Leitende Apothekerin im Einsatz und für die Überwachung von Bereichen zuständig, in denen mit Arzneimitteln und Medizinprodukten umgegangen wird. „Die Sicherheit der Patienten und des medizinischen Personals liegt mir sehr am Herzen“, so die Apothekerin.

Auch die Lebensmittelüberwachung gehört zu den Aufgaben der Apothekerin und Lebensmittelchemikerin. Kristin J. kümmert sich als Leitende Apothekerin im Einsatz nicht nur um die Lebensmittel, die in der Küche an die Soldaten ausgegeben werden oder um Bedarfsgegenstände, zum Beispiel Messer oder Suppenkellen, mit denen Lebensmittel in Berührung kommen. In den verschiedenen Geschäften im Feldlager prüft sie, ob die verkauften Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel im Einklang mit den EU-Richtlinien sind. „Nur dann kann ein Gesundheitsschutz für die Soldaten gewährleistet werden“, fügt sie erläuternd hinzu.

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Infektionsquellen identifizieren

Gesundheitsaufseher Michael J. ist unter anderem für die Personalhygiene verantwortlich

Gesundheitsaufseher Michael J. ist unter anderem für die Personalhygiene verantwortlich (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Hauptfeldwebel Michael J. fand nach seiner Lehrzeit als Industriekaufmann seinen Weg in die Bundeswehr über den Grundwehrdienst. „Der Dienst im Sanitätsdienst“, so der 30-jährige, „hat mir sofort gefallen.“ Nach vielen Gesprächen mit Kameraden und Vorgesetzten, entschied er sich für eine Laufbahn mit Ausbildung. Im Gesundheitsamt Berlin-Mitte wurde er über die Bundeswehr zum Gesundheitsaufseher ausgebildet.

Seitdem gehört unter anderem die hygienische Beratung von Regionalen Sanitätseinrichtungen zu seinen Aufgaben in Deutschland. „Zur hygienischen Überwachung gehört mehr als nur darauf zu achten, dass sich die Soldaten vor den Mahlzeiten die Hände waschen und desinfizieren“, erklärt Michael J. Dazu gehört zum Beispiel auch die Ermittlung von möglichen Infektionsquellen bei Infektionskrankheiten, die über Lebensmittel übertragen werden können. In Absprache mit seinen Kameradinnen Katrin H. und Kristin J. werden dann Schutzmaßnahmen festgelegt, um eine weitere Verbreitung einer Erkrankung frühzeitig und schnell zu unterbinden.

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Regelmäßige Kontrollen für die Einsatzfähigkeit

Tierseuchenprophylaxe gehört zu den Aufgaben des ÖRA-Teams: Oberstabsveterinär Katrin H. inspiziert das zu transportierende Material. Im Vordergrund besprüht ein Soldat des ABC-Dekontaminationstrupps dieses mit einer Desinfektionslösung

Tierseuchenprophylaxe gehört zu den Aufgaben des ÖRA-Teams: Oberstabsveterinär Katrin H. inspiziert das zu transportierende Material. Im Vordergrund besprüht ein Soldat des ABC-Dek … (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Um die Drei, für die es übrigens der erste Einsatz ist, im Team zu erleben, haben wir sie bei der Lebensmittelüberwachung begleitet. In der Küche des Feldlagers werden die Aufgabengebiete des Teams zusammengeführt: „Katrin ist für die tierischen Lebensmittel, also Fleisch- und Wurstwaren sowie Molkereiprodukte, und ich für die pflanzlichen Lebensmittel verantwortlich. Michael überwacht die Personalhygiene in den Lebensmittelbetrieben“, erklärt Stabsapothekerin Kristin J. das Zusammenspiel des Teams. Gemeinsam führen sie regelmäßig Kontrollen zur Gesundheitsvorsorge durch mit dem Ziel, dass die Soldaten im Feldlager einwandfreie Lebensmittel verzehren und einsatzfähig bleiben.

Zu den Aufgaben des Teams gehört auch die Tierseuchenprophylaxe. Dieser Prophylaxe unterliegt sämtliches Material, das aus dem Einsatzland nach Deutschland zurückgeführt wird. Egal ob dienstliches Material, Feldpost oder das unbegleitete Gepäck der Soldaten. Die Tierseuchenprophylaxe verhindert, dass infektiöse Erreger als „blinde Passagiere“ mit in die Heimat reisen. Das Team der ÖRA achtet dabei darauf, dass das Material gründlich gereinigt wird, bevor die Soldaten des ABC-Dekontaminationstrupps alle Oberflächen von Kisten, Paletten oder anderem Gegenständen mit Desinfektionsmitteln benetzen.

Dem ÖRA-Team in Prizren merkt man sofort an sofort, dass es in seiner Arbeit aufgeht und zwischen Schadnagern, Suppenkellen und Händehygiene der Spaß nicht zu kurz kommt. Was sich auf den ersten Blick nach trockenem Paragraphenwälzen anhört, ist in Wahrheit ein weitgefasstes spannendes Feld mit dem Ziel, die Soldaten im Einsatz erst gar nicht krank werden zu lassen. Der so durchgeführte „Vorbeugende Gesundheitsschutz“ ist nämlich genauso wichtig, wie die qualifizierte Behandlung von erkrankten oder verwundeten Soldaten.

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Stand vom: 01.12.17 | Autor: PAO DEU EinsKtgt KFOR


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