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Einsatztagebuch „Sophia“ Teil 3: Von der Grundausbildung in den Operationsdienst

In See, 12.10.2016.

Hauptgefreiter Daniel V. hat die lange Ausbildungsphase der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ vor dem Einsatz im zentralen Mittelmeer hautnah miterlebt. In diesem Teil des Einsatztagebuchs beschreibt er seinen Werdegang – von der Grundausbildung bis zum vollwertigen Besatzungsmitglied der Fregatte beim Einsatz in der EUNAVFOR MED Operation „Sophia“.

Hallo liebe Leser,
da wir in den nächsten Tagen weiter unserem Auftrag folgen und viele Informationen vertraulich sind, habe ich mir gedacht, bei dieser Gelegenheit etwas über meinen Werdegang bei der Marine, die Bordorganisation sowie unser Schiff bei Übungen und in der Einsatzvorbereitung zu schreiben.

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Mein Werdegang

In der Grundausbildung wird die Basis gelegt

In der Grundausbildung wird die Basis gelegt (Quelle: Bundeswehr / Archiv/Detmar Modes)Größere Abbildung anzeigen

Im Januar 2015 meldete ich mich an der Marinetechnikschule in Parow in der Nähe von Stralsund, um meinen freiwilligen Wehrdienst bei der Marine anzutreten. Die folgenden drei Monate waren geprägt von Marschieren, Ausbildung an den Waffen, Biwak im Wald und selbstverständlich Putzen. Alles in allem war das eine schöne, spannende, aber auch sehr herausfordernde Zeit. Ich kam zum ersten Mal in meinem Leben an meine Grenzen und lernte, über diese hinauszugehen.

Die Operationszentrale tief im Schiffsinneren: So sieht der Arbeitsplatz von Daniel aus

Die Operationszentrale tief im Schiffsinneren: So sieht der Arbeitsplatz von Daniel aus (Quelle: Bundeswehr / Archiv/Sandra Elbern)Größere Abbildung anzeigen

Danach hatte ich eine Art „Praktikum“ zu durchlaufen. Nach der Grundausbildung und der Versetzung auf das geplante Schiff hat man die Möglichkeit, sich verschiedene Bereiche anzuschauen, um sich dann in Rücksprache mit den Verantwortlichen für eine Verwendungsreihe zu entscheiden. So heißen die verschiedenen Aufgabenbereiche in der Deutschen Marine.

Als ich Mitte April auf die „Mecklenburg-Vorpommern“ kam, wechselte ich jede Woche die „Abteilung“ an Bord. Auf die Bordorganisation selbst komme ich im nächsten Beitrag detaillierter zu sprechen. Ich schaute mir also die Verwendungsreihen einen Monat lang „live“ an Bord an und entschied mich schließlich für den Operationsdienst am Radar. Ich finde diese Tätigkeit unglaublich spannend, und es gibt viele Möglichkeiten, schon früh Verantwortung zu übernehmen.

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Werft und erste Übungserfahrungen

Während dieser Zeit machte ich die Werftprobefahrt mit, die jedes Schiff nach einem Werftaufenthalt machen muss. Meine erste Erfahrung mit der Seefahrt prägten Überprüfungen und Manöver und ich lernte von der Waffentechnik bis zur Antriebstechnik alles kennen, was ein Kriegsschiff ausmacht.

Die „Mecklenburg-Vorpommern“ verlässt ihren Heimathafen Wilhelmshaven

Die „Mecklenburg-Vorpommern“ verlässt ihren Heimathafen Wilhelmshaven (Quelle: Bundeswehr/Inken Behne)Größere Abbildung anzeigen

Die erste „richtige“ Seefahrt kam dann Ende September mit dem Manöver „Northern Coasts 2016“ (NOCO). Diese große Übung findet jährlich mit Schiffe, Flugzeugen und Truppen an Land in der Ostsee bei Dänemark statt. Wir übten zusammen mit Schiffen aus vier Nationen, wie man im Verband fährt und sich gemeinsam gegen verschiedene Bedrohungen wehrt.
Danach ging es sofort zum nächsten Manöver– „JOINT WARRIOR“. Diese große Übung in schottischen Gewässern ist noch einmal eine Steigerung gegenüber NOCO – hier lernt man die Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit den befreundeten Marinen kennen. Es war spannend, mit den „Operateuren“ aus anderen Nationen in Kontakt zu kommen – „Operateure“, so nennen wir die Soldaten, die in der Operationszentrale das Lagebild aufbauen, Radare und Waffen bedienen.

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Einsatzvorbereitungen für Operation „Sophia“

Daniel V. in der Operationszentrale – Das „innere Gefecht“ ist ein wichtiger Teil der Ausbildung

Daniel V. in der Operationszentrale – Das „innere Gefecht“ ist ein wichtiger Teil der Ausbildung (Quelle: Bundeswehr/Anne Malucha)Größere Abbildung anzeigen

Danach durchlief unser Schiff das Einsatz- und Ausbildungsprogramm, um uns für die Operation „Sophia“ vorzubereiten. Dazu gehörten Aufenthalte in Kiel, bei denen die Besatzung im „inneren Gefecht“ geschult wurde.
Das innere Gefecht ist die Bekämpfung aller möglichen Bedrohungen im Schiff, wie zum Beispiel Feuer, Wassereinbrüche, Verletzte und so weiter.
Nach einem Aufenthalt in unserer Patenstadt Rostock liefen wir im Februar 2016 zum „German Operational Sea Training“, kurz GOST, nach Plymouth in England aus. Dort werden Schiff und Besatzung auf Herz und Nieren geprüft: Darin, wie wir mit externen Bedrohungen umgehen, also dem „äußeren Gefecht“. Und natürlich, ob wir unser Schiff trotz Wassereinbrüchen, Feuer, und Verletzten noch kampffähig halten können. Außerdem lernten wir, wie man das Schiff im Hafen beschützt. Dazu richteten wir Checkpoints ein, kontrollierten Autos und Personen und mussten uns gegen einen Gegner verteidigen. Beim GOST übten wir auch in einer von einem Orkan verwüsteten Stadt, humanitäre Hilfe zu leisten und den Bewohnern zu helfen. Diese Aufgabe war besonders interessant, da der Ort mit Statisten, echten Feuern und eingestürzten Gebäuden präpariert war. Das alles ließ die Übung sehr realistisch erscheinen.

Den Höhepunkt der Einsatzvorbereitung bildete ein Flugkörperschießen vor der norwegischen Küste

Den Höhepunkt der Einsatzvorbereitung bildete ein Flugkörperschießen vor der norwegischen Küste (Quelle: Bundeswehr/Jule Peltzer)Größere Abbildung anzeigen

Nach sechs Wochen liefen wir nach einer kurzen Pause in Richtung Norwegen aus, um ein Flugkörperschießen durchzuführen. Das war eine unglaublich tolle Erfahrung, da man es selbst bei der Marine nicht alle Tage erlebt, wie ein scharfer Flugkörper der von Bord eines Schiffes aus verschossen wird. Nach dem Einlaufen in Wilhelmshaven blieb uns noch Zeit, das Schiff auf den bevorstehenden Einsatz vorzubereiten, und im Urlaubszeitraum noch einmal Zeit mit unserer Familie zu verbringen.

Nach nun fast anderthalb Jahren auf der Fregatte überlegte ich mir, wie es mit mir weitergehen sollte, da ich meinen freiwilligen Wehrdienst nicht mehr verlängern konnte. Da ich auf der „Mecklenburg-Vorpommern“ unglaublich viele schöne Erfahrungen gemacht habe, entschloss ich mich, nach circa 22.000 Meilen Seefahrt noch länger auf diesem Schiff zu bleiben und wurde Soldat auf Zeit.

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Stand vom: 11.11.16 | Autor: Daniel V.


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