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Ich bin iM EINsatz: Aus drei Tagen werden vielleicht zehn Jahre.

In See, 02.06.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Obergefreiter Benjamin R. gehört erst kurze Zeit zur Besatzung der Korvette „Erfurt“
Obergefreiter Benjamin R. gehört erst kurze Zeit zur Besatzung der Korvette „Erfurt“ (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Benjamin R., ich bin 20 Jahre alt, Obergefreiter und freiwillig Wehrdienstleistender. Nach dem Abitur bin ich am 1. Oktober 2014 in die Marine eingetreten. Ich gehöre als sogenannter „FWDLer“ zu einem neuen Projekt der Marine namens „Basis-FWD“. Im Grunde bedeutet das, dass ich mir die Marine zunächst anschauen kann, bevor ich mich auf eine bestimmte Tätigkeit festlege. Nach der Grundausbildung wurde ich in das 1. Korvettengeschwader nach Rostock-Warnemünde versetzt.

Im Januar bot der Kommandant der „Erfurt“ drei weiteren Soldaten und mir an, drei Tage auf der Korvette zur See zu fahren.

Das Leben an Bord war für mich zunächst sehr ungewohnt und neu. Doch die Besatzung ist eine große, 64 Personen starke Familie, von der man sehr schnell und sehr gut aufgenommen wird. Schon am zweiten Tag an Bord habe ich mich gut zurechtgefunden und die Chance genutzt, mir alle Bereiche genauer anzusehen. Mir wurde sehr schnell klar, was ich später einmal an Bord eines Schiffes der Deutschen Marine machen möchte – Operateur.

Gegen Ende der drei Tage erhielt ich ein Angebot, dass ich als mittlerweile begeisterter Seefahrer nicht ablehnen konnte: ich sollte ein Teil der Besatzung einer Korvette im UNIFIL-Einsatz werden.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

In der Operationszentrale wirkt Benjamin R. an der Lagebilderstellung mit
In der Operationszentrale wirkt Benjamin R. an der Lagebilderstellung mit (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

Als Operateur bin ich einer derjenigen, die mit Hilfe unserer Sensoren rund um das Schiff ein Lagebild erstellen. Dazu gehört nicht nur das Auswerten des Radarbildes, sondern auch der Kontakt zu anderen UNIFIL-Einheiten sowie die interne Kommunikation mit der Brücke und den Ausgucks.

Die Aufgabe in diesem Einsatz besteht unter anderem darin, die libanesischen Gewässer zu überwachen, um illegalen Waffenschmuggel zu unterbinden. Ich erfasse mit unseren Systemen ein Schiff, sammle Informationen zu ihm und sorge so dafür, dass wir dieses Schiff befragen und überprüfen können. Die gewonnenen Informationen geben wir an die libanesische Marine weiter. Sie entscheidet, ob dieses Schiff später im Zielhafen durchsucht wird.

Neben meinen Aufgaben in der Operationszentrale habe ich natürlich auch noch andere Aufgaben an Bord zu erfüllen. So bin ich zum Beispiel beim An- und Ablegen auf dem Achterdeck eingesetzt.

Liegen wir im Hafen, gehe ich Wache und bin Teil des Unterstützungstrupps bei der Brandabwehr. Sollte es einmal brennen, baue ich die Feuerlöschstrecke auf.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Benjamin R. auf der „Erfurt“ vor der Küste des Libanon
Benjamin R. auf der „Erfurt“ vor der Küste des Libanon (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

Zu allererst bin ich fast etwas Besonderes und eher Seltenes an Bord. Die Dienstgradgruppe der Mannschaftssoldaten ist in der Operationszentrale eigentlich gar nicht vertreten. Doch davon lässt sich kaum jemand beirren. Zusätzlich erhalte ich an Bord einen erheblichen Teil meiner Ausbildung zum Operateur. Dafür mein herzlicher Dank an Obermaat Thomas D., der mich von Anfang an integriert hat und meine Ausbildung anleitet.

Auch die Landgänge machen meine Tätigkeit besonders. So hatte ich die Gelegenheit, das UN-Hauptquartier im Libanon zu besichtigen. Die Kameraden des österreichischen Bundesheeres haben uns dort einen interessanten Tag ermöglicht. Unser Militärpfarrer machte auf Zypern eine Tagesfahrt in das geteilte Nikosia möglich. Eine sogenannte „Green Line“ teilt die Stadt in den nördlichen (türkischen) Teil und den südlichen (griechischen) Teil. Obwohl die Checkpoints nicht militärisch aussehen, erinnert es sehr stark an die deutsche Teilung nach dem zweiten Weltkrieg.

Interessant ist auch die libanesische Hauptstadt, Beirut. Eine der größten Moscheen des Landes von innen zu sehen war beeidruckend. Das Stadtbild ist gleichzeitig von den zahlreichen Konflikten und dem aktuellen wirtschaftlichen Aufschwung geprägt. Vom Krieg zerstörte Häuser, an denen man noch die Einschusslöcher erkennen kann, stehen direkt neben einem verglasten Wolkenkratzer, in dem es die teuersten Appartements der Stadt gibt.

Obwohl im Einsatz verschiedene Kulturen aufeinander treffen, ist die Zusammenarbeit zwischen den maritimen Einheiten beeindruckend. So ist es mir schon ein paar mal passiert, dass ich den Gebetsrufer eines anderen Schiffes hörte, während ich per Funk mit der Einheit kommunizierte.

Das vermisse ich hier am meisten.

Natürlich vermisse ich meine Familie und meine Freunde. Ich vermisse es auch, ab und zu mal etwas Zeit für mich zu haben. Eine Korvette bietet zwar genügend Platz, doch ein ruhiges Plätzchen für einen selbst zu finden, gestaltet sich dann doch ab und zu etwas schwieriger. Das eigene Bett und besonders die Chance auf Freizeit vermisse ich ebenfalls sehr. Mal eben auf das Fahrrad zu steigen und zu Freunden zu fahren macht sich eben im Mittelmeer etwas schlecht.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Die Seefahrt für sich entdeckt: Obergefreiter R. möchte Soldat auf Zeit werden
Die Seefahrt für sich entdeckt: Obergefreiter R. möchte Soldat auf Zeit werden (Quelle: Bundeswehr/PAO UNIFIL)Größere Abbildung anzeigen

Ich habe mich an Bord in die Seefahrt und den Operationsdienst verliebt. Nun warte ich das Ergebnis meiner Bewerbung für die Unteroffizierlaufbahn ab. Mein Plan ist es, das nächste Jahrzehnt in der Marine zu dienen und Bootsmann zu werden.

Ich wünsche mir, dass alle Kameraden den Einsatz wohlbehalten beenden und danach ihre Familien wieder in die Arme nehmen können. Für diese Zeit wünsche ich allen Besatzungsmitgliedern einen entspannten Urlaub und denen, die es trifft, eine ruhige Wache.

Ich grüße von ganzem Herzen meine Familie und meinen besten Freund. Sie stehen stets hinter mir und unterstützen mich sehr.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Benjamin R.


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