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Ich bin iM EINsatz: „One Bird, One Mission“

Incirlik, 05.07.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In unserer Serie „Mein Einsatz“ stellen wir sie regelmäßig vor. Heute ist mal ein gefiederter Freund an der Reihe.

Wilfried Vogel hat schon weit über 1.000 Flugstunden in den Knochen
Wilfried Vogel hat schon weit über 1.000 Flugstunden in den Knochen (Quelle: Bundeswehr/Dr. Thorsten W.)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Vogel, Wilfried Vogel. Ich bin 30 Zentimeter groß und aus Stoff. Als Fluggerätmechaniker habe ich natürlich eine typische Luftwaffenlederjacke an. In Deutschland gehöre ich einem Soldaten vom Taktischen Luftwaffengeschwader 33 im rheinland-pfälzischen Büchel, der nicht mehr an Übungen und Einsätzen teilnehmen kann. Beim Einsatzkontingent auf der Incirlik Air Base in der Türkei unterstütze ich eine Wartungscrew am Tornado.

Im Tornado-Cockpit kennt er sich aus
Im Tornado-Cockpit kennt er sich aus (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Seit 2006 bin ich schon bei der Luftwaffe und habe meinen ersten Auslandseinsatz 2007 in Afghanistan bei ISAF absolviert. Auch habe ich schon an vielen internationalen Übungen in ganz Europa und in den USA teilgenommen. Darüber hinaus war ich mehrfach und über mehrere Monate am Fliegerischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe auf der „Holloman Air Force Base“ im US-Bundesstaat New Mexico tätig. Zusätzlich nahm ich an vielen Austauschprogrammen mit der U.S. Air Force und der U.S. Navy teil.

Derzeit müsste ich weit über 1.000 Flugstunden auf meinem Konto haben. Durch meine Mitflüge konnte ich fast alle Flugzeugmuster kennenlernen: unter anderem Tornado, Eurofighter, Airbus A310 MRTT, F/A-18, JAS-39 Gripen, PC-9, B52-H, Rafale, Helikopter Mi-24 HIND, F-15 Eagle, Mirage 2000, F-16 Viper, E-3A AWACS, Alphajet, T-6, T-38 und Transall C-160. Eine besondere Erfahrung war 2013 der Mitflug in der letzten F-4F „Phantom“ der Deutschen Luftwaffe. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Reifenwechsel: David B. wird am Tornado von Wilfried unterstützt
Reifenwechsel: David B. wird am Tornado von Wilfried unterstützt (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Ich unterstütze meine Wartungscrew, die auch das „Double D-Team“ genannt wird, bei allen technischen Vor- und Nachbereitungen am Tornado. David B. (29) ist dabei der Erste Wart und Daniel L. (27) der Zweite Wart. Ich kann mich auf beide zu jeder Zeit verlassen, sie sind sehr zuverlässig und ein eingespieltes Team. Mit den Startvorbereitungen beginnen wir ungefähr zwei Stunden vor dem Abflug. Dabei kontrollieren wir alle beweglichen Teile am Flieger und führen eine Vorfluginspektion durch. Kurz darauf erscheinen auch schon die fliegenden Besatzungen. Wir sind richtig stolz auf unsere Arbeit. Jedes Mal, wenn wir das Luftfahrzeug „einsatzklar“ an die Besatzung übergeben, ist das ein schöner Augenblick. Denn wir stellen dem Piloten und dem Waffensystemoffizier stets ein technisch einwandfreies Aufklärungsluftfahrzeug bereit.

Falls bei den Vorbereitungen mal eine Störung auftritt, beheben wir sie möglichst schnell. Während David und Daniel die einzelnen Fachgruppen herbeirufen, beobachte ich weiter das Geschehen und behalte den Überblick. In diesen Momenten bin ich der Ruhepol unserer Crew. Als vollwertiges Teammitglied leistete auch ich damit einen wichtigen Beitrag zur Flugsicherheit. Wir alle tragen schließlich eine hohe Verantwortung.

2006 habe ich das erste Mal an einer internationalen Überprüfung (FORCEVAL) mit dem jetzigen Taktischen Luftwaffengeschwader 33 aus Büchel teilgenommen. Seitdem bin ich ständig mit den Jungs auf der ganzen Welt unterwegs. Ich bin froh, wenn ich sie mit meinem Wissen und meiner Erfahrungen unterstützen kann.

Nach dem Einsatzflug führen wir zusammen die Nachfluginspektion und -kontrolle am Tornado durch. Das Flugzeug muss ja schnell wieder für den nächsten Einsatzflug bereitstehen. Die Arbeitstage sind hier manchmal sehr lang, denn unser Alltag wird vom Flugbetrieb bestimmt. Ich bin stolz auf meine Jungs. Egal wie viele Stunden wir schon an einem Tag gearbeitet haben – sobald wir gefordert sind, machen wir unseren Job. Bei Tag und Nacht.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Wilfried und das“Double D-Team“ übergeben den Tornado an den Kontingentführer, Oberst Holger Radmann
Wilfried und das“Double D-Team“ übergeben den Tornado an den Kontingentführer, Oberst Holger Radmann (Quelle: Bundeswehr/Dr. Thorsten W.)Größere Abbildung anzeigen

Vor zwei Wochen gab es einen ganz besonderen Auftrag. Mein „Double-D“-Team durfte den Tornado für unseren Kontingentführer, Oberst Holger Radmann, vorbereiten. Ich durfte dabei die formelle Übergabe melden. Das war ein besonderer Moment. Ich mache meinen Job sehr gern. Die enge Zusammenarbeit mit den fliegenden Besatzungen ist etwas ganz besonderes. Als Fluggerätmechaniker sind wir ein eingeschworenes Team. Die Zusammenarbeit mit den Soldaten aller technischen Fachgruppen läuft hier beispielhaft. Wir arbeiten alle Hand in Hand. Die gelebte Kameradschaft und die wahrlich stattfindende Teamarbeit beeindrucken mich dabei immer wieder.

Das vermisse ich hier am meisten.

Starke Crew: Erster und Zweiter Wart mit Wilfried Vogel auf der Tragfläche ihres Tornados
Starke Crew: Erster und Zweiter Wart mit Wilfried Vogel auf der Tragfläche ihres Tornados (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Am meisten vermisse ich meinen besten Freund Steffen („Ecki“), meine Familie und meine Freunde. Dank der guten Internetverbindung kann ich mit ihnen über Facebook in Kontakt bleiben. Auf die Rückkehr nach Hause und das Wiedersehen freue ich mich jetzt schon.

Zudem vermisse ich hier die ganz einfachen Dinge, die man erst zu schätzen lernt, wenn man sie nicht mehr um sich hat: Regen, Berge, Wälder, Vogelgezwitscher und Vollkorn. Zu Hause werde ich dann nach Dienstschluss zur Entspannung einfach mal einen Eifel-Rundflug machen, das geht hier leider nicht.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Die Bundeswehr ist ein echt cooler Arbeitgeber, ich habe sogar schon einen Antrag für die Übernahme zum Berufssoldaten gestellt. Vor allem hoffe ich auf viel Glück, Motivation und Stärke, um die Herausforderungen des Lebens meistern zu können.

Für die restliche Zeit des Einsatzes wäre mein größter Wunsch, dass die Besatzungen immer sicher von ihren Flügen über dem Irak und Syrien zurückkehren. Ich hoffe, dass ich mit meinen jungen Technikern ihnen auch weiterhin stets technisch einwandfreie Tornados übergeben kann. An dieser Stelle grüße ich meine Teileinheit im Geschwader in Büchel, meine Freunde und ganz besonders meinen Kameraden Steffen („Ecki“) mit seiner Familie, und vor allem unsere liebe Prinzessin. Ich komme bald nach Hause und freue mich schon sehr auf Euch.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Wilfried Vogel


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