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Ich bin iM EINsatz: Als Fluggerätmechaniker in Incirlik

Incirlik, 20.06.2016.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hauptfeldwebel David B. ist Erster Wart am Tornado in Incirlik
Hauptfeldwebel David B. ist Erster Wart am Tornado in Incirlik (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Hauptfeldwebel David B. und als Erster Wart für den Tornado im Bereich „Ausbildung und Standardisierung“ eingesetzt. In Deutschland arbeite ich im Taktischen Luftwaffengeschwader 33 im rheinland-pfälzischen Büchel. Auch im zweiten Einsatzkontingent Counter Daesh in Incirlik nehme ich die Tätigkeit als Erster Wart am Tornado wahr. Zusätzlich unterstütze ich als ausgebildeter „Peer“ (englisch für gleichrangig) meine Kameraden und die Truppenpsychologin bei kritischen Ereignissen.

Seit Juli 2008 bin ich Soldat auf Zeit bei der Luftwaffe und habe meinen ersten Auslandseinsatz bei ISAF in Afghanistan im Jahr 2014 absolviert. Dabei bildete ich mongolische Soldaten, die für den Feldlagerschutz eingesetzt waren, an einer mobilen Röntgenanlage für LKWs aus.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein starkes Team: Erster und Zweiter Wart überprüfen die Dokumentationen im Bordbuch
Ein starkes Team: Erster und Zweiter Wart überprüfen die Dokumentationen im Bordbuch (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Zu meinem Aufgabengebiet gehören die ganzen technischen Vor- und Nachbereitungen am Tornado. Ich arbeite dabei mit dem Zweiten Wart, Stabsunteroffizier Daniel L., als ein Team an einem Flugzeug. Wir beide haben die alleinige Verantwortung, einen Tornado für den Einsatzflug vorzubereiten.

Bei der Vorkontrolle im Cockpit
Bei der Vorkontrolle im Cockpit (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Dabei führen wir die Startvorbereitungen mit der Vorfluginspektion und den erforderlichen Kontrollen durch. Sobald die fliegende Besatzung, der Pilot und der Waffensystemoffizier, am Flugzeug eintreffen, erfolgt die formelle Übergabe des Flugzeuges.

Hilfestellung für die Besatzung beim Anlegen der Gurte
Hilfestellung für die Besatzung beim Anlegen der Gurte (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Anschließend helfen wir der fliegenden Besatzung beim Anschnallen mit den Gurten an ihre Sitze und bleiben solange am Tornado bis dieser losrollt. Sollte in der Zwischenzeit eine Störung auftreten, helfen wir sofort bei der Behebung. Meistens jedoch verläuft alles reibungslos. Die fliegenden Besatzungen sind sehr zufrieden mit unserer Arbeit.

Sichtprüfung aller beweglichen Teile
Sichtprüfung aller beweglichen Teile (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Nach einem Einsatzflug führen wir die Nachfluginspektion und -kontrolle durch. Dabei begutachten und sichten wir alle beweglichen Teile. Mein Arbeitsalltag wird vom Einsatzflugbetrieb bestimmt. Dabei kommen manchmal auch sehr lange Tage zu Stande. Die tägliche Arbeitszeit variiert zwischen zwölf und 18 Stunden.

Als ausgebildeter „Peer“ kann ich meinen Kameraden in schwierigen Situationen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die lange Abwesenheit von Zuhause und der Familie ist für jeden Soldaten eine besondere Belastung. In der Heimat und im Einsatzland kommt es manchmal zu kritischen oder besonderen Ereignissen. Wenn das Kind mal krank ist oder die Freundin Schluss machen will, es auf Stube zu eng oder die Zeit einfach zu lang wird, dann bin ich oft ein gern gesuchter Ansprechpartner. Besonders belastend sind Todesfälle in der Familie. In solchen Fällen ist es besonders wichtig, dem Kameraden beizustehen und ihm zu helfen.

In meiner Funktion als „Peer“ unterstütze ich die im Einsatz befindlichen Truppenpsychologen. Als Kamerad kommen betroffene Soldaten jedoch oft erst auf mich zu. Ich stelle dann den Kontakt zum Psychologen her. Ich bin sehr froh, dass wir gemeinsam einem Kameraden, nach einem einschneidenden Erlebnis, wirklich schnell helfen konnten.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Das „Double-D Team“ am Tornado
Das „Double-D Team“ am Tornado (Quelle: Bundeswehr/Jirka Ohk)Größere Abbildung anzeigen

Ich mache meinen Job sehr gerne. Die enge Zusammenarbeit mit den Besatzungen ist etwas ganz Besonderes und Außergewöhnliches. Ich freue mich stets darüber, wenn wir ihnen technisch einwandfreie Flugzeuge übergeben, und sie somit sicher ihren Auftrag durchführen können.

Mein Zweiter Wart und ich werden von den fliegenden Besatzungen gern auch als „Double-D-Team“ (wegen der gleichen Anfangsbuchstaben unserer Vornamen) bezeichnet. Wir haben uns einen sehr guten Ruf erarbeitet und das spricht sich schnell herum. Darauf bin ich stolz. Die uns zugeteilten Tornados funktionieren meist einwandfrei und das schätzen die Besatzungen sehr.

Darüber hinaus empfinde ich die professionelle Zusammenarbeit mit allen technischen Fachgruppen als ausgezeichnet. Wir arbeiten hier alle Hand in Hand, um die Durchführung des Auftrages sicherzustellen. Die gelebte Kameradschaft und die wahrlich stattfindende Teamarbeit beeindrucken mich immer wieder.

Unsere Arbeit und unsere Beiträge im Einsatz gegen die Terrormiliz des sogenannten „Islamischen Staates“ werden auch von den anderen Allianzpartnern geschätzt und geachtet. Immer wieder bekommen wir dieses Feedback von Soldaten anderer Nationen. Wir arbeiten ja fast täglich mit ihnen auf dem Flugvorfeld oder im Technikhangar zusammen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meine Familie und meine Freunde. Dank der guten Internetverbindung kann ich mit ihnen telefonieren, skypen und Kurznachrichten schreiben. Das hilft, die Abwesenheit erträglicher zu machen. Ich freue mich sehr auf die Rückkehr und das große Wiedersehen. Zudem vermisse ich ganz einfache Dinge, wie ein leckeres Frühstück mit frischen Brötchen oder Vollkornbrot vom Bäcker um die Ecke. Meinem Hobby, dem Tauchen, kann ich nach der Rückkehr auch endlich wieder nachkommen. Ich vermisse es, einfach mal in einem Gewässer oder im Meer abzutauchen – aber bald ist die „Trockenzeit“ ja vorüber.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Für die restliche Zeit des Einsatzes wäre mein größter Wunsch, dass alle fliegenden Beatzungen immer wieder sicher von ihren Flügen über dem Irak und Syrien zurückkehren. Kein technisches Problem soll sie an der Auftragserfüllung hindern. Ich hoffe, dass ich mit meinem Zweitem Wart den besten Klarstand mit unserem Tornado erreiche und die interne, sogenannte „Sortie Queen“-Bezeichnung erhalten.

Ich möchte weiter bei der Bundeswehr bleiben, als Berufssoldat oder sogar als Offizier des militärfachlichen Dienstes. Daher beginne ich direkt nach diesem Einsatz meine Zivilberufliche Aus- und Weiterbildung (ZAW) zum Meister in der Fachrichtung Luftfahrzeuggerätemechanik. Danach möchte ich gern ein Studium in Wirtschaftsingenieurwesen beginnen.
An dieser Stelle grüße ich meine Teileinheit im Heimatverband in Büchel, meine Freunde sowie meine Familie. Ganz besonders grüße ich meinen Kameraden „Ecki“ mit seiner Familie, und vor allem unsere liebe Prinzessin. Ich freue mich sehr auf das baldige Wiedersehen.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: David B.


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