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Ich bin iM EINsatz: Einer der ersten drei deutschen Soldaten in Liberia

Monrovia, 22.10.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Im Büro des deutschen Anteils im UNMIL-Hauptquartier
Im Büro des deutschen Anteils im UNMIL-Hauptquartier (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Hauptmann André H., 32 Jahre alt und seit 2001 bei der Bundeswehr. Begonnen habe ich damals als Grundwehrdienstleistender in meiner Heimatstadt Leipzig. Von 2012 bis 2013 sammelte ich in Pristina bei KFOR bereits zahlreiche Erfahrungen in einem multinationalen Hauptquartier. Die Zusammenarbeit über alle Bereiche hinweg, insbesondere mit den Soldaten aus unterschiedlichen Nationen, empfand ich dabei als äußerst spannend.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Für die Vereinten Nationen in Liberia – Bei Patrouillen werden die deutschen Soldaten schnell umringt
Für die Vereinten Nationen in Liberia – Bei Patrouillen werden die deutschen Soldaten schnell umringt (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Seit Ende Mai nimmt die Bundeswehr erstmals mit drei Soldaten an der Mission der Vereinten Nationen in Liberia (UNMIL) teil, um den Friedensprozess im Land zu unterstützen. Dabei stellt Deutschland den stellvertretenden Kommandeur, Brigadegeneral Dirk Faust, der bei der Wahrnehmung seiner unterschiedlichen Aufgaben von einem Military Assistant (MA) und mir als seinem Adjutanten unterstützt wird.

Meine Hauptaufgabe ist es, dem General jederzeit zur Seite zu stehen, um ihn von alltäglichen aber auch dienstlichen Aufgaben zu entlasten. Büroassistent, Projektplaner, Unterkunftsmanager, Kraftfahrer und Sanitätssoldat sind dabei nur einige Funktionen, hinter denen sich tausend Kleinigkeiten verstecken. Da der General auch Chef der 120 Militärbeobachter in Liberia ist, begleite ich ihn bei seinen Dienstaufsichtsreisen im ganzen Land.

Die Regenzeit macht das Fahren in Liberia zur Herausforderung
Die Regenzeit macht das Fahren in Liberia zur Herausforderung (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Per Hubschrauber oder Geländewagen geht es dazu durch den Regenwald zu teilweise entlegenen Außenposten, wo wir an Einweisungen, Übungen, sowie an Grenz- und Nachtpatrouillen teilnehmen. Besuche weiterer internationaler Militär- und Polizeiverbände sind interessante Gelegenheiten, um verschiedene Kulturen kennenzulernen. Aber auch die Besichtigung abgelegener Dörfer und von Flüchtlingslagern mit Flüchtlingen aus der Elfenbeinküste – sowie die Gespräche mit Grenzposten sind Erfahrungen, die ich nie vergessen werde.

Neben meiner Hauptaufgabe unterstütze ich den MA, der auch sogenannter Dienstältester Deutscher Offizier in diesem Einsatz ist, beim Erstellen von Berichten und Auswertungen sowie bei der Umsetzung von Aufträgen des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. Bei einem derart kleinen Kontingent ist ohnehin Teamwork gefragt.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Nicht wie in Deutschland – hier werden die Bananen noch selbst geerntet
Nicht wie in Deutschland – hier werden die Bananen noch selbst geerntet (Quelle: Bundeswehr/)Größere Abbildung anzeigen

In einem stark afrikanisch und asiatisch geprägten Umfeld, mit Missionsangehörigen aus über 50 Nationen, stellt dieser Einsatz eine ganz besondere Herausforderung dar. Zudem sind der überwiegende Anteil des UNMIL-Hauptquartiers sowie der gesamte Unterstützungssektor in ziviler Hand – was bei Missionen der Vereinten Nationen üblich ist. Dadurch unterscheidet sich jedoch die Arbeitsweise hier deutlich von unserer gewohnten Stabsarbeit in Deutschland.

Ein deutsches Unterstützungselement, wie in anderen Kontingenten üblich, steht uns hier in Monrovia nicht zur Verfügung. Zwar sind wir eng an das Dezernat Beobachtermissionen im Einsatzführungskommando angebunden, das uns gut vorbereitet und ausgerüstet hat, doch müssen wir uns hier überwiegend allein zu helfen wissen. Die VN bieten lediglich die Rahmenbedingungen. Alles andere, wie Unterkunft, Verpflegung, Wäsche oder private Kommunikation, müssen wir selbst organisieren. Erschwerende Bedingungen, wie das tropische Klima, die Regenzeit (Mai - Oktober), die Straßen in kürzester Zeit zu reißenden Bächen macht, aber auch gewalttätige Ausschreitungen oder giftige Schlangen, sind Teile dieses Auslandseinsatzes.

Hauptmann André H. ist einer der ersten deutschen Soldaten bei UNMIL in Liberia
Hauptmann André H. ist einer der ersten deutschen Soldaten bei UNMIL in Liberia (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

In die Beteiligung Deutschlands an der UNMIL-Mission werden von allen Seiten hohe Erwartungen gesetzt. Nicht nur VN-Kameraden und zivile Kollegen, sondern auch die Bevölkerung begegnet uns dabei sehr offen, freundlich und hoffnungsvoll.

Die deutsche Flagge kennt man hier bereits. Der erfolgreiche humanitäre Hilfseinsatz deutscher Soldaten an der Seite des Deutschen Roten Kreuzes zur Ebola-Bekämpfung von November 2014 bis März 2015, hat uns einen immensen Sympathievorschuss gebracht. Auch die Beteiligung deutscher Polizisten, die bereits seit 2004 beim Wiederaufbau der Sicherheitsstrukturen unterstützen, sowie die Arbeit der Deutschen Botschaft, haben zum guten Ruf Deutschlands in Liberia beigetragen.

Diesen Einsatz an so wichtiger Stelle mitzuerleben, erfüllt mich mit Stolz. Nicht nur, dass UNMIL bereits auf eine zwölfjährige Geschichte zurückblickt und als eine der erfolgreichsten Missionen der Vereinten Nationen gilt – auch als einer der ersten deutschen Soldaten an dieser Mission teilzunehmen, ist schon etwas Besonderes.

Das vermisse ich hier am meisten.

Da ich regelmäßig mit meinen Freunden und meiner Familie in Verbindung stehe, kann ich mich über mangelnden Kontakt kaum beklagen. Trotzdem freue ich mich schon riesig auf einen gemeinsamen Glühwein Mitte Dezember – auf dem Weihnachtsmarkt und bei winterlichen Temperaturen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Bereits jetzt ziehe ich ein äußerst positives Fazit dieser Mission. Vielleicht gibt es für mich nach meiner aktiven Bundeswehrzeit als Reservist eine Möglichkeit, an Einsätzen dieser Art teilzunehmen.

Die restliche Zeit in Liberia werde ich weiter nutzen, dieses beeindruckende Land und seine faszinierenden Menschen noch besser kennenzulernen. Mit offenen Begegnungen mit den vielen verschiedenen Missionsteilnehmern möchte ich meinen persönlichen Erfahrungshorizont zusätzlich erweitern.

Grüße sende ich an alle Kameraden, die mich während meiner Dienstzeit begleitet haben.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Andre H.


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