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Ich bin iM EINsatz: „Die Fäden in der Hand“

Prizren, 07.08.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In allen deutschen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hauptbootsmann Sarah L.
Hauptbootsmann Sarah L. (Quelle: Bundeswehr/Claudia Seidenschwanz)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Hauptbootsmann Sarah L., 32 Jahre alt und seit Januar 2008 bei der Bundeswehr. In meiner Stammeinheit, dem Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr, kümmerte ich mich bis kurz vor meinem Einsatzbeginn um Personalangelegenheiten für die Offiziere der Deutschen Marine.

In meinem achten Dienstjahr habe ich nun die Möglichkeit bekommen, in den Einsatz zu gehen. Seit Mai bin ich im 41. Deutschen Einsatzkontingent KFOR als Flugbucherin eingesetzt – was mir unendlich viel Spaß macht. Nach meiner Rückkehr aus dem Kosovo werde ich im Sachgebiet Personalführung der Dienststelle eine neue Herausforderung finden.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Hauptbootsmann Sarah L. am Flugbrett
Hauptbootsmann Sarah L. am Flugbrett (Quelle: Bundeswehr/Claudia Seidenschwanz)Größere Abbildung anzeigen

Flugbucherin – das klingt im ersten Moment nach „Reisebüro“ und auch ich hatte anfangs diesen Gedanken. Nachdem ich aber im Rahmen meiner Vorbereitung eine Einweisung im Einsatzführungskommando der Bundeswehr erhalten habe, wurde dieser Eindruck schnell verdrängt. Denn es ist viel mehr als das.

Zu einem Flug gehört jede Menge Administration und Organisation. Ich beginne rund sechs Wochen vor dem eigentlichen Flugtag mit einer Bedarfsabfrage aller Einheiten. Auch alle Camps außerhalb von Prizren werden abgefragt. Die Rückmeldungen, die Personenanzahl und Angaben zu den Zielflughäfen enthalten, fasse ich dann zusammen. Dann versuche ich, die „goldene Mitte“ aller angegebenen Zielflughäfen zu finden. Das entstandene Gesamtpaket gebe ich an das Einsatzführungskommando bei Potsdam weiter. Dort wird dann aus diesen Daten ein Flugtag erstellt, der dem Flugplan hinzugefügt wird.

Eine Woche vor dem tatsächlichen Flugtag frage ich erneut die Einheiten ab, um meine Flugliste befüllen zu können. Hier kommt jetzt der Feinschliff: Welcher Soldat fliegt wohin? Wie wird er abgeholt? Und noch viele Fragen mehr. Das ist nicht immer einfach, denn natürlich kommen kurzfristig Änderungen hinzu. Oft kommt es zum Wechsel des Zielflughafens, zur Streichung eines Soldaten von der Flugliste aufgrund einer Verlängerung und so weiter. Nichts ist so beständig wie die Änderung.

Ich arbeite hier im Einsatz mit vielen Stellen zusammen und alle müssen über diese Änderungen informiert werden. Sei es derjenige, der die Finanzen klärt, der Verkehrsoffizier, die Flugplatzgruppe oder aber das Einsatzführungskommando, das am Ende meine Flugliste den Truppenteilen in Deutschland zur Verfügung stellt. Das Ganze ist also ein Produkt der Zusammenarbeit mit vielen Stellen – und ich halte die Fäden in der Hand.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Auf dem Flugfeld mit dem Blick Richtung Transall
Auf dem Flugfeld mit dem Blick Richtung Transall (Quelle: Bundeswehr/Claudia Seidenschwanz)Größere Abbildung anzeigen

Da ich im Einsatz komplett anders als zu Hause eingesetzt bin, ist es toll, einmal über den „Tellerrand“ schauen zu können. Da es nicht ein reiner Marine-Einsatz ist, habe ich hier die Möglichkeit, mit Kameraden aus allen Teilstreitkräften und sogar aus anderen Nationen zu arbeiten.

Aber auch innerhalb meiner Abteilung ist es interessant. Zum Beispiel gehört das Team vom Betreuungssender „Radio Andernach“ zu uns. So wurde ich doch glatt als „Wetterfee“ oder „Horoskop-Ansagerin“ engagiert – was mir riesigen Spaß macht.

Aber als Flugbucherin ist es auch nicht immer einfach. Oft stehen die Soldaten, für die es bald nach Hause geht, bei mir im Büro und haben viele Fragen: „Ist der Flieger schon bestätigt? Stehe ich auch wirklich auf der Flugliste? Wann ist die geplante Abfahrt?“ Die Nervosität ist dann sehr zu spüren. Wenn dann ein Flug nicht wie regulär fliegt, stehe ich vor einer Herausforderung. Vor allem in der Kontingentwechselphase, wo innerhalb von vier Wochen fast das gesamte Personal ausgetauscht wird, ist viel zu organisieren und zu managen. Aber gemeinsam mit dem Team der Flugplatzgruppe und dem Verkehrsoffizier meistern wir auch das. Die Flüge haben wir jedoch nicht selbst in der Hand. Um diese kümmert sich das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Absprache mit dem Logistikzentrum der Bundeswehr und dem Europäischen Lufttransportkommando (EATC), die für alle militärischen Flugtransporte verantwortlich sind. Ich versorge meine Kameraden mit allen weiteren Fluginformationen und kann sie beruhigen. Denn auch mein Ziel ist es, dass alle so schnell wie möglich und wohlbehalten in ihre Heimat zurückkehren können.

Alles hat geklappt – „30 neue Freunde gefunden“
Alles hat geklappt – „30 neue Freunde gefunden“ (Quelle: Bundeswehr/Claudia Seidenschwanz)Größere Abbildung anzeigen

Mein Fazit kann ich bereits heute mit einem Lächeln ziehen: Wenn alles glatt läuft, jeder auf seinem Flieger nach Hause sitzt und die Maschine dann auch abhebt, habe ich mindestens 30 neue Freunde.

Das vermisse ich hier am meisten.

Natürlich vermisse ich meine Familie riesig, den Freundeskreis und meine zwei Katzen. Aber vor allem fehlt mir mein Freund – es ist unsere bislang längste Trennung. Dank der guten Netzanbindung im Feldlager ist Videotelefonie möglich. Somit wird alles etwas erträglicher und ich habe nicht das Gefühl, zu Hause etwas zu verpassen. Doch auch die ganzen kleinen alltäglichen Dinge, wie ein leckeres Eis mit frischen Erdbeeren und Sahne oder ein entspanntes Bad, bekommen auf einmal einen ganz anderen Stellenwert.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Für die verbleibende Zeit bei KFOR wünsche ich mir, diese weiterhin mit derselben Motivation und Leichtigkeit bestreiten zu können, und das sie genauso schnell verfliegt, wie die Zeit bisher. Außerdem möchte ich gern so viel wie möglich von Land und Leuten kennenlernen.
Für meine Zeit nach dem Einsatz wünsche ich mir wieder einen guten Einstieg in den normalen Dienstalltag und hoffe, schnell wieder Fuß zu fassen.
Ich grüße alle Kameraden unseres Kontingentes, aber auch die in den anderen Einsatzländern. Natürlich gehen auch Grüße an meine Abteilung in Köln. Es ist super, Teil eines so spitzenmäßigen Teams zu sein. Und das Beste kommt natürlich zum Schluss: Ich grüße und drücke hiermit alle meine Lieben zu Hause – ich bin bald wieder bei Euch.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Sarah L.


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