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Damit die Kompass-Nadel nicht am Flugzeug klebt

Al-Asrak, 12.12.2017.

Damit die Tornados präzise navigieren können, müssen ihre Kompasse in festgelegten Zeitabständen neu eingestellt werden. Speziell der Magnetkompass an Bord ist anfällig für Ablenkungen wie sie beispielsweise durch die Stahlkonstruktion des Fliegers entstehen. Um diese Fehler auszugleichen, d. h. zu kompensieren, braucht es einen exakt vermessenen Platz mit möglichst geringen eigenen Störeinflüssen. Hier gewinnt man durch Vermessung vor Ort Sollwerte, um welche die Kompassanzeige per Feinjustierung verbessert wird. Zu kompliziert? Hier kommt die Zeitlupe . . .

Die Unterstützungsstaffel die Position der Kompensierplatte vermessen

Die Unterstützungsstaffel die Position der Kompensierplatte vermessen (Quelle: Bundeswehr/PAO Counter DAESH)Größere Abbildung anzeigen

Nach mittlerweile drei Monaten im Einsatz in Jordanien kann die Unterstützungsstaffel stolz auf ihre Leistungen zurückblicken. Sie stellte sicher, dass der Airbus A310 MRTT verzugslos den Einsatz von Jordanien aus fortsetzte, trug wesentlich zum Aufbau der Strukturen des deutschen Kontingentes in Jordanien bei und bereitete die Ankunft und die Einsatzflüge der deutschen Tornados vor. Die Aufgabenlast ebbt dennoch nicht ab. Derzeit befindet sich zum Beispiel die Einrichtung einer Kompensierplatte für die Tornados in Vorbereitung.

Die Vermessungstechniker aus dem Geoinformationszentrum der Bundeswehr in Euskirchen

Die Vermessungstechniker aus dem Geoinformationszentrum der Bundeswehr in Euskirchen (Quelle: Bundeswehr/PAO Counter DAESH)Größere Abbildung anzeigen

Auf einer Kompensierplatte werden der analoge Notkompass und das digitale System zur Raumorientierung justiert. Hierfür wird der Tornado in einem vorher bestimmten Bereich geschleppt und nach Norden ausgerichtet. Mit Hilfe des Schleppers wird der Jet nun drei Mal um je 360° gedreht. Pro Umdrehungen erfolgen an acht auf dem Kreis definierten Punkten Referenzmessungen. Damit sind die Kompanden justiert.

Das digitale System justiert sich quasi automatisch. Im Vorhinein muss lediglich die gemittelte örtliche Abweichung zwischen geografisch Nord und magnetisch Nord in das System eingepflegt werden. Die Justierung des Notkompasses erfordert hingegen Fingerspitzengefühl. An den Referenzpunkten des Kreises werden die Potentiometer (regelbare Widerstände) für die Nord-Süd- beziehungsweise für die Ost-West-Achse eingestellt.

Mit der Messlanze wird die Schwankung des Erdmagnetfeldes an definierten Punkten bestimmt

Mit der Messlanze wird die Schwankung des Erdmagnetfeldes an definierten Punkten bestimmt (Quelle: Bundeswehr/PAO Counter DAESH)Größere Abbildung anzeigen

Für die Einrichtung einer solchen Platte reiste eigens ein Vermessungsteam des Geoinformationszentrums der Bundeswehr mit Sitz in Euskirchen an. Zunächst gilt es, Flächen zu sondieren. Im Detail bedeutet dies, dass Kompensierplatten in Bereichen eingerichtet werden, in denen die Schwankungen des Erdmagnetfeldes einen definierten Toleranzbereich nicht überschreiten. Innerhalb dieses als homogen (gleichbleibend) zu betrachtenden Erdmagnetfeldes werden die Kompanden justiert. Um die Schwankungen des Magnetfeldes bestimmen zu können, wird die Fläche gerastert (ähnlich einem Schachbrett) und in diesem Raster mit einer Stabsonde vermessen. Die mit zwei Detektoren ausgestattete Sonde misst die ferromagnetische Strahlung an einem bestimmten Ort.

Der Mittelpunkt des Kompensierkreises ist wesentlich von der Lage vorhandener Hot Spots abhängig

Der Mittelpunkt des Kompensierkreises ist wesentlich von der Lage vorhandener Hot Spots abhängig (Quelle: Bundeswehr/PAO Counter DAESH)Größere Abbildung anzeigen

Eine entsprechende Auswertesoftware wird mit den Messwerten gefüttert. Der Ingenieur des Trupps erstellt im Anschluss eine Art Karte, anhand derer die Schwankungen des Erdmagnetfeldes sichtbar gemacht werden. Nicht immer sind die vorher bestimmten Flächen dazu geeignet, als Kompensierplatte eingerichtet zu werden. Besteht der Untergrund zum Beispiel aus Stahlbeton mit hohen Anteilen an Stahl, können sehr große Störungen des Magnetfeldes eintreten. Die Justierung des analogen und digitalen Kompasses würde auf falschen Daten beruhen und die Piloten würden zu anderen Orten fliegen, als dies beabsichtigt wurde.

Zeigen die Messungen an, dass auf der identifizierten Fläche ein weitestgehend homogenes Erdmagnetfeld vorherrscht, wird die reale Lage des Kompensierkreises bestimmt.

Auch die Lage der Referenzpunkte muss exakt bestimmt werden

Auch die Lage der Referenzpunkte muss exakt bestimmt werden (Quelle: Bundeswehr/PAO Counter DAESH)Größere Abbildung anzeigen

Vom Mittelpunkt des Kreises gemessen wird dieser in acht Segmente unterteilt. Jeweils um 45° versetzt wird ein Referenzpunkt definiert. Im Anschluss werden diese Punkte mit einem Metallbolzen markiert. Wichtig hierbei ist, dass ein eventuell vorhandener Hot-Spot nicht auf einen solchen Referenzpunkt fällt. Als Hot-Spot zählen Orte, bei denen die Schwankungen des Erdmagnetfeldes zwar im Toleranzbereich liegen, jedoch innerhalb dieser Toleranz verhältnismäßig stark von den restlichen Messpunkten abweichen.

Um die genaue Position der Referenzpunkte zu bestimmen wird abschließend die Deklination bestimmt. Dies ist die Abweichung zwischen geografisch Nord und magnetisch Nord.

Der Trupp trägt mit seiner Tätigkeit wesentlich zur Einsatzbereitschaft der Tornados bei und ist sich seiner Verantwortung sichtlich bewusst. Arbeitet das Team ungenau, kann dies massiv Auswirkungen auf den Flugbetrieb haben. Nach zirka zwei Wochen sind die Arbeiten abgeschlossen und die Vermesser in anderen Teilen der Welt unterwegs. Eine Vermessung kann aufgrund operationeller Einschränkungen oder Naturereignissen (Sandsturm, Sonnensturm, …) auch länger andauern, da die Kameraden dieselbe Fläche öfter vermessen müssen. Abgeschlossen ist solch ein Projekt jedoch nie zu hundert Prozent. Das Erdmagnetfeld ist ständigen Änderungen unterworfen. Deswegen muss eine Kompensationsplatte zirka einmal pro Jahr neu sondiert werden. Die Kompanden der Tornados werden in der Regel alle 24 Monate justiert.

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Stand vom: 12.12.17 | Autor: PAO Counter DAESH


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