Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelle Einsätze > Schutz in der Wüste  Die Objektschützer bei MINUSMA (Teil 2)

Schutz in der Wüste – Die Objektschützer bei MINUSMA (Teil 2)

Gao, 27.06.2016.

Sobald die Sicherung aufgebaut ist, alle Fahrzeuge und Soldaten an ihren Plätzen stehen, spricht der Hauptfeldwebel einen Dorfbewohner an und kommt mit ihm ins Gespräch. Er möchte wissen, wie es den Menschen hier geht, wie sich ihre Lebenssituation darstellt.

Was tut sich im Ort?

Timo W. im Gespräch mit Dorfbewohnern

Timo W. im Gespräch mit Dorfbewohnern (Quelle: Bundeswehr/Jan K.)Größere Abbildung anzeigen

Auch an diesem Tag stellt sich heraus, dass die Menschen keinen uneingeschränkten Zugang zu Wasser, Schule, Ausbildung oder medizinischer Versorgung haben. „Man kann sich kaum vorstellen, wie ein Leben ohne ein Krankenhaus in der Nähe oder die Apotheke um die Ecke aussieht. Aber hier ist das Alltag. Und das zeigt einem immer wieder, wie gut wir es doch zu Hause haben und wie wichtig es ist, dass den Menschen hier geholfen wird“, sagt der 36-Jährige.

Interesse zeigen, Informationen bekommen, Vertrauen gewinnen

Interesse zeigen, Informationen bekommen, Vertrauen gewinnen (Quelle: Bundeswehr/Jan K.)Größere Abbildung anzeigen

Zusätzlich fragt er nach den Bewohnern selbst. Kennt der Dorfälteste alle persönlich? Wie viele Menschen leben hier? Sind in letzter Zeit Fremde dazu gekommen? All das hilft dabei, sich einen Überblick über die aktuelle Bedrohungslage zu verschaffen, ein Gespür für den Einsatzort und die Menschen, die dort leben, zu entwickeln.

nach oben

Sicherung rund um den Flughafen

Doch nicht nur das gehört zum Auftrag der Objektschützer. Die Spezialisten der Luftwaffe sind besonders dafür ausgebildet, alle Bedrohungen auf sogenannte Luftwaffenobjekte abzuwehren. Das sind hier in Gao insbesondere der Flugplatz, der direkt an das Camp Castor grenzt, das Tanklager und andere sensible Bereiche. Die größte Gefahr jedoch droht den Flugzeugen, insbesondere bei Start und Landung. Um ihr entschieden zu begegnen, begeben sich die Objektschützer immer wieder auf sogenannte Counter-SAFire („Surface to Air Fire“) Patrouille im Bereich des Flugplatzes von Gao.

Bei der Überwachung der Einflugschneise des Flughafens von Gao

Bei der Überwachung der Einflugschneise des Flughafens von Gao (Quelle: Bundeswehr/Nicole Griebel)Größere Abbildung anzeigen

Dann überwachen sie den Einflugsektor – das bedeutet: Stundenlanges Ausharren im heißen Wüstensand. Die Fahrzeuge bieten nur minimale Abkühlung, denn auch wenn die Klimaanlagen ununterbrochen laufen, heizen sich die Stahlkolosse in der malischen Sonne unerbittlich auf. Problemlos könnte man das berühmte Spiegelei auf der Motorhaube braten.

Immer wieder die Wüste beobachten

Immer wieder die Wüste beobachten (Quelle: Bundeswehr/Nicole Griebel)Größere Abbildung anzeigen

Immer wieder kämpfen sie sich durch den Wüstensand, ignorieren das Gemisch aus Staub, Sonnenschutzcreme und Schweiß, das ihnen in die Augen läuft. Unermüdlich beobachten die Soldaten das Umfeld des Flugplatzes, um mögliche Bedrohungen frühzeitig aufzuklären.

Neben diesen nationalen Aufgaben beschritten die Luftwaffensoldaten aber auch neue Wege bei der internationalen Zusammenarbeit mit den „Keyplayern“, wie den Vereinten Nationen oder den malischen Sicherheitskräften. Zudem banden auch internationale MINUSMA-Aufträge die deutschen Soldaten.

nach oben

Infanteristen der Luftwaffe

Beim Schießtraining

Beim Schießtraining (Quelle: Bundeswehr/Philipp L.)Größere Abbildung anzeigen

Bei all ihrer Affinität zu Flugzeugen sind die Schortenser passionierte Infanteristen. Objektschutz klingt in erster Linie nach der Verteidigung von Material und Infrastruktur der Luftwaffe – jedoch hat sich ihr Aufgabenspektrum in den letzten Jahren stark vergrößert. Als infanteristische Spezialisten sind sie eine kleine, eingeschworene Gemeinschaft.

Grundsätzlich sind die Soldaten des Objektschutzes für ihre Aufträge mit dem Gewehr G36A2 sowie der Pistole P8 ausgestattet. Doch auf Grund ihrer Spezialisierung führt der Zug auch MG3, MG4, G28, Granatmaschinenwaffen („GraMaWa“), sowie Panzer- und Bunkerfäuste mit.

Insbesondere die „GraMaWa“ des Feuerunterstützungszuges ist elementarer Bestandteil ihrer neuen infanteristischen Ausrichtung. Wenn es der Auftrag in Gao erfordern würde, können die Objektschützer auch auf Scharfschützen, Nahaufklärungskräfte mit den Drohnen „Aladin“ und „Mikado“ sowie auf Diensthunde aus Deutschland zurückgreifen. Eine besondere Fähigkeit befindet sich allerdings seit der ersten Stunde bereits in Mali – das sogenannte „Air Mobile Protection Team“, kurz AMPT.

nach oben

Fliegende Security

Das AMPT – Die fliegende Security

Das AMPT – Die fliegende Security (Quelle: Bundeswehr/Nicole Griebel)Größere Abbildung anzeigen

Die vier Soldaten um Oberfeldwebel Sami A. (30) findet man immer auf dem sogenannten „HeliDet“, dem Bereich der Hubschrauber. Sie sind Teil der niederländischen Luftfahrzeugbesatzung CH-47D und insbesondere für deren Schutz und den des Hubschraubers zuständig. Zudem unterstützen sie die beiden bordeigenen Ärzte und Sanitäter. So sind die vier Soldaten im Zweifelsfall auch für den Transport von Verwundeten in den Hubschrauber, oder, nach Maßgabe der Ärzte, auch für die Unterstützung bei der Verwundetenversorgung verantwortlich. Dieser Tätigkeit ist eine intensive deutsch-niederländische Ausbildung vorausgegangen.

Immer wieder üben – die Soldaten des Air Mobile Protection Teams

Immer wieder üben – die Soldaten des Air Mobile Protection Teams (Quelle: Bundeswehr/Nicole Griebel)Größere Abbildung anzeigen

Grundsätzlich ist das deutsche AMPT bei jedem Hubschraubereinsatz dabei, unabhängig davon, ob es sich nun um Personal- oder Materialtransport, oder um einen Verwundetentransport handelt. Dabei fliegen sie oft bis hoch in den Norden, nach Kidal. Dorthin bringen die niederländischen Helikopter für MINUSMA Material, Soldaten und ziviles Personal. „Wenn wir nicht fliegen, steht eigentlich immer irgendein Training mit der Besatzung an, insbesondere das gemeinsame Schießen haben wir intensiv geübt. Hier muss absolut jeder wissen, wie der nächste Schritt des anderen aussieht, wo hin er geht oder sich dreht.“ beschreibt Sami den AMPT-Alltag.

Beeindruckender Begleiter: Der „Apache“

Beeindruckender Begleiter: Der „Apache“ (Quelle: Bundeswehr/Nicole Griebel)Größere Abbildung anzeigen

Eine ganz besondere Erfahrung für die vier Männer war das gemeinsame Schießen der niederländischen „Chinook“ mit den „Apaches“, die ihre Rolle als Feuerunterstützer übten. Mit leuchtenden Augen und einem verschmitzten Lächeln fügt Sami hinzu: „So etwas sieht man wirklich nicht so oft. Was Technik in Kombination mit hochspezialisierten Soldaten leisten kann, ist extrem faszinierend und einzigartig. Und so ein begleitender ‚Apache‘ vermittelt einem ein ungeheuer gutes Sicherheitsgefühl.“

nach oben

Kein Jedermann-Soldat

Unangemeldeter Besuch auf der Schießbahn

Unangemeldeter Besuch auf der Schießbahn (Quelle: Bundeswehr/Philipp L.)Größere Abbildung anzeigen

Jeder der vier Soldaten hat, um überhaupt als AMPT eingesetzt werden zu können, eine anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen. Sie beinhaltet unter anderem „Personal Recovery“ – kurz PR. Hier geht es darum, Soldaten, die im Einsatz von ihrer Gruppe isoliert wurden, aufzuspüren und sicher zurück zur Basis zu bringen. Sie sind Überlebensspezialisten, ausgebildet um durch verschiedene Luftfahrzeuge und Spezialkräfte aufgenommen und abgesetzt zu werden.

Einsatzort des Teams: Boeing CH-47 “Chinook“

Einsatzort des Teams: Boeing CH-47 “Chinook“ (Quelle: Bundeswehr/Nicole Griebel)Größere Abbildung anzeigen

Im Einsatzland lernten sie ihren neuen Arbeitsplatz, den „Chinook“, in all seinen Details kennen: Wie ist er aufgebaut? In welchen Bereichen können Waffenanlagen und Täuschkörper wirken? Wie sieht das Notfallverhalten aus?

nach oben

Morgens die Ersten, abends die Letzten, nachts die Einzigen.

Botschafter auf unzähligen Begegnungen: Die Objektschützer bei MINUSMA

Botschafter auf unzähligen Begegnungen: Die Objektschützer bei MINUSMA (Quelle: Bundeswehr/Jan K.)Größere Abbildung anzeigen

Auch in dieser Nacht ist es ruhig geblieben um Gao. Bis zu ihrer Ablösung waren sie so manches Mal im roten Wüstensand Malis unterwegs und haben ihre multinationalen Kameraden im Camp gesichert. Sie haben mit Einheimischen gesprochen, ihnen ihren Auftrag bei MINUSMA erklärt, und warum sie im Land sind. Sie haben unzählige Kinderhände geschüttelt und waren Botschafter Deutschlands – als Objektschutzkräfte der Luftwaffe – mit dem blauen Barett der Vereinten Nationen.

nach oben


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 27.06.16 | Autor: Nicole Griebel


http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/poc/einsatzbw?uri=ci%3Abw.bwde_einsatzbw.aktuelle_einsaetze&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB174000000001%7CABB9A9178DIBR