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Wir sind iM EINsatz: Navigierende „Wetterfrösche“

In See, 14.03.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Gutes Team: Adriana und Raphael sind Navigationsgasten auf der Fregatte „Sachsen“ in der Ägäis
Gutes Team: Adriana und Raphael sind Navigationsgasten auf der Fregatte „Sachsen“ in der Ägäis (Quelle: Bundeswehr/Sönke Struhalla)Größere Abbildung anzeigen

Wir heißen Raphael T. und Adriana V., wir sind beide 21 Jahre alt und wir haben auch den gleichen Dienstgrad: Hauptgefreiter. Wir kommen aus Bonn (Raphael) und aus der Nähe von Hannover (Adriana). Seit Januar 2016 sind wir Teil der Besatzung der „Sachsen“ und in der Navigation eingesetzt. Dieser Einsatz unseres Schiffs in der Ägäis ist unser erster und gleichzeitig auch unsere bisher längste Seefahrt.

Das ist unsere Aufgabe im Einsatz.

Die Beratung des Wachhabenden Offiziers erfolgt unter anderem mittels der elektronischen Seekarte
Die Beratung des Wachhabenden Offiziers erfolgt unter anderem mittels der elektronischen Seekarte (Quelle: Bundeswehr/Sönke Struhalla)Größere Abbildung anzeigen

Als Navigationsgasten (Gast steht in der Marine für Soldaten der Mannschaftslaufbahn) beraten wir den Wachhabenden Offizier auf der Brücke. Alles beginnt damit, dass der Navigationsmeister zusammen mit dem Navigationsoffizier und dem Kommandanten eine Route entwickelt, die uns zu unserem aktuellen Ziel führt. Das ist entweder das Gebiet, in dem wir patrouillieren oder der nächste Hafen. Es gilt darauf zu achten, dass die Kollisionsverhütungsregeln (sowas wie eine Straßenverkehrsordnung für den Seeverkehr) beachtet werden, und wir nicht in gefährliche Bereiche, wie etwa in Untiefen oder über Wracks fahren.

Die festlegte Route ist meist der schnellste und effizienteste Weg zum Ziel. Wenn wir von unserem sogenannten „Track“ aufgrund von Strömungen oder Winden abweichen müssen, geben wir Empfehlungen, um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Auf unseren Anlagen, auf denen die aktuellen Seekarten digital gespeichert sind, können wir dank GPS und anderer elektronischer Helfer jederzeit sehen, wie weit wir von unserem Track entfernt sind. Sind wir auf dem richtigen Kurs, berechnen wir, wann genau die nächste Kursänderung durchgeführt werden muss.

Hauptgefreiter Raphael T. an der klassischen Seekarte aus Papier – sie ist auch da, wenn die Systeme ausfallen würden
Hauptgefreiter Raphael T. an der klassischen Seekarte aus Papier – sie ist auch da, wenn die Systeme ausfallen würden (Quelle: Bundeswehr/Sönke Struhalla)Größere Abbildung anzeigen

Ein Bestandteil der Arbeit in der Navigation ist auch das Wetter. Zu jeder Stunde füllen wir das sogenannte Wetterboard aus, damit der Wachhabende Offizier (WO) einen Überblick über die aktuellen Umwelteinflüsse hat. Der Wind ist dabei die wichtigste Kenngröße, denn er könnte unsere Fahrt am stärksten beeinflussen. Alle sechs Stunden schicken wir zusätzlich eine Bordwettermeldung ab, die aktuellen Daten, wie die Luft- und Wassertemperatur, den Luftdruck oder die vorherrschende Bewölkung enthält. Die Bestimmung der Wolkenarten verlangt Fachwissen, denn es gibt nicht nur „Wolken“ oder „keine Wolken“, sondern zehn verschiedene Wolkenarten, die wir alle identifizieren können müssen.

Bei der Revierfahrt, also der Fahrt durch küstennahe Gewässer, sowie beim An- und Ablegen, ist das gesamte Navigationsteam gefragt. In kurzen Abständen muss ein optischer Punkt bestimmt werden, mit dem wir die eigene Position ermitteln und unsere technischen Anlagen auf ihre Korrektheit überprüfen. Die Orte bestimmen wir, indem wir aus den Nocken, den offenen Seitenteilen links und rechts der Brücke, markante Objekte an Land peilen. Über den Navigationscomputer und mittels Kreuzpeilung aus drei Objekten berechnen wir dann die eindeutige Schiffposition und können erkennen, ob wir uns weiterhin in sicherem Fahrwasser befinden.

Bei Manövern, wie dem An- oder Ablegen, führen wir das sogenannte Manövertagebuch. In ihm dokumentieren wir, welchen Kurs oder welche Geschwindigkeit der WO befohlen hat. Dadurch kann im Nachhinein das gesamte Manöver rekonstruiert werden. Über den gesamten Zeitraum in See und im Hafen wird ohnehin ein Schiffstagebuch geführt, das man mit der Black Box in einem Flugzeug vergleichen kann. Alle zwei Stunden tragen wir das aktuelle Wetter, die Position und andere wichtige Informationen darin ein.

Das macht unsere Tätigkeit hier besonders.

Peilung anhand markanter Punkte: Raphael T. während der sogenannten Revierfahrt
Peilung anhand markanter Punkte: Raphael T. während der sogenannten Revierfahrt (Quelle: Bundeswehr/Sönke Struhalla)Größere Abbildung anzeigen

Unser Navigationsteam setzt sich aus zwei Offizieren, drei Unteroffizieren mit Portepee, einem Unteroffizier und drei Navigationsgasten zusammen. Wir sind eine recht kleine Truppe, das Verhältnis zu unseren Vorgesetzten ist sehr gut. Wenn wir Probleme haben, können wir immer auf sie zugehen und auf ihre Hilfe zählen. Dieses gute Verhältnis macht ein entspanntes Arbeiten möglich, und so ist auch Spaß bei der Arbeit keine Seltenheit.

Das vermissen wir hier am meisten.

Es ist klar, dass uns unsere Familien und die Freunde fehlen. Es war ein komisches Gefühl, über Weihnachten und Neujahr nicht in der Heimat zu sein. Doch es hilft, nette Kameraden an Bord zu haben, wenn man an solchen Abenden nicht zu Hause sein kann.

Das sind unsere Pläne, Wünsche und Grüße.

Wir wünschen uns, dass wir weiterhin viel Spaß an der Arbeit haben und das harmonische Verhältnis in der Navigation bestehen bleibt. Wir wollen und müssen als Team zusammenhalten, damit die „Sachsen“ auch weiterhin sicher zur See fahren kann. Wir freuen uns schon sehr darauf, im April wieder in Wilhelmshaven einzulaufen und nach vier langen Monaten endlich unsere Familie und Freunde wiederzusehen. Kurz nach dem Einlaufen endet dann auch unser freiwilliger Wehrdienst und wir kehren in das zivile Berufsleben zurück. Zu guter Letzt möchten wir unsere Familien, Freunde, Kameraden und alle interessierten Leser recht herzlich aus der schönen und kühlen Ägäis grüßen.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Adriana H. und Raphael T.


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