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Ich bin iM EINsatz: Berater in wichtiger Mission

Bamako, 27.03.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Viel unterwegs: Major Dr. Christian H. berät in Bamako die Führung der malischen Armee
Viel unterwegs: Major Dr. Christian H. berät in Bamako die Führung der malischen Armee (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Dr. Christian H., ich bin Major der Reserve, komme aus München. Im Zivilberuf bin ich Historiker am dortigen Institut für Zeitgeschichte. An der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg unterrichte ich als Reservist regelmäßig Militärgeschichte.

Seit Oktober gehöre ich zur europäischen Ausbildungsmission in Mali, der EUTM. Diese Mission ist zweigeteilt – in eine Task Force für „Education and Training“ in Koulikoro und eine für „Advisory“ hier in der Hauptstadt Bamako. Die Kameraden in Koulikoro sieht man öfter mal in den Medien, die Ausbildung junger, westafrikanischer Soldaten an der Waffe ist einfach bildstärker. Doch auch unsere Aufgabe ist unverzichtbar. Denn nur wenn man die Armee Malis von zwei Seiten unterstützt und berät – an der Basis und auch „oben“ an ihrer Führungsspitze – wird diese Mission dauerhaft Erfolg haben. Die Beratung der Führung ist die Aufgabe meiner Dienststelle, der Advisory Task Force (ATF). Wir sind eine kleine, französisch geprägte, internationale Gruppe mit vielen Fähigkeiten und Verbindungen ins malische Verteidigungsministerium, zu den malischen Stäben und zu ihren Direktionen, die all das organisieren und verwalten, was zu einer Armee gehört: Personal, die Sozialfürsorge oder die Justiz, den Finanzhaushalt und anderes mehr.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Jeden Tag stehen die Berater in engem Austausch mit ihren Ansprechpartnern auf Seiten Malis
Jeden Tag stehen die Berater in engem Austausch mit ihren Ansprechpartnern auf Seiten Malis (Quelle: Bundeswehr/ PAO EUTM Mali)Größere Abbildung anzeigen

In meiner Task Force gehöre ich zur „Organisations-Zelle“, das heißt, wir unterstützen die organisatorische Reform der malische Streitkräfte. Damit Organisationen existieren und funktionieren können, braucht es Gesetze und Verordnungen. Wir begleiten ihre Entstehung. Zusammen mit einem spanischen Oberstleutnant recherchiere ich, was in dieser Hinsicht überhaupt vorhanden ist, was bleiben, was überarbeitet oder ganz neu verfasst werden sollte. Danach beginnt die Phase der Abstimmung und Diskussion mit unseren malischen Partnern, und schließlich sind diese Initiativen bis zu ihrer Veröffentlichung zu begleiten, manchmal auch zu fördern. Das ist, mit zwei Worten, viel Arbeit. Jeden Tag sind wir in Bamako unterwegs und stehen in ständigem Austausch mit unseren Ansprechpartnern. Als Historiker, der eigentlich primär mit Texten arbeitet, fühle ich mich hier jedoch alles andere als fehl am Platz.
Daneben entstehen zwangsläufig weitere Projekte, denn in einem Land wie Mali gibt es viele potenzielle Aufgaben. Dabei muss man aufpassen; schließlich darf die Hauptaufgabe unter diesen Initiativen nicht leiden. Und: Man sollte auch nicht zu viel initiieren und fördern, denn nichts ist ärgerlicher als eine Projektruine. Das weckt auf der anderen Seite Erwartungen, die am Ende nicht eingelöst werden.

Arbeit für Monate  – Das Archiv der malischen Streitkräfte war in keinem guten Zustand
Arbeit für Monate – Das Archiv der malischen Streitkräfte war in keinem guten Zustand (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali)Größere Abbildung anzeigen

Bei „meinen“ Projekten habe ich daher auf zwei Dinge geachtet: Dass sie während meiner Zeit in Mali so vorbereitet werden, dass sie auch eine Zukunft haben, wenn ich wieder in Deutschland bin. Und dass die finanzielle Förderung steht. Möglich ist dies nur durch die konsequente Unterstützung meines deutschen Vorgesetzten, Oberst Harald Lamatsch. Zusammen haben wir in verhältnismäßig kurzer Zeit viel erreicht: Wir haben einen Container für die Archive der malischen Armee organisiert, die sich – vorsichtig formuliert – in keinem guten Zustand befinden. Wir haben die Krankenstation des „Maison des Anciens Combattants“ in Bamako unterstützt, wie hierzulande Veteranen heißen, denen es an vielem fehlt. Und nicht zuletzt haben wir ein langfristiges Förderprogramm für das hiesige Armee-Museum auf den Weg gebracht, das diese Einrichtung nicht nur wieder auf die Beine stellen, sondern sie künftig auch in die Ausbildung der malischen Soldaten integrieren wird.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Dr. Christian H.: „Hier erlebe ich eine europäische Zusammenarbeit, wie ich sie nicht erwartet hätte.
Dr. Christian H.: „Hier erlebe ich eine europäische Zusammenarbeit, wie ich sie nicht erwartet hätte. (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM Mali)Größere Abbildung anzeigen

Für mich ist hier alles neu: Westafrika, die internationale Umgebung eines europäischen Stabes aus 29 Nationen und auch diese Form des militärischen Dienstes. Mit einem Wort, es ist eine Horizonterweiterung, wie ich sie schon lang nicht mehr hatte. Teil dieser internationalen Gemeinschaft zu sein, gerade auch einer europäischen, und hier, unter schwierigen und ungewohnten Bedingungen, etwas Sinnvolles zu leisten, etwas aufzubauen, das macht mich stolz. Wir sind hier vieles. Soldaten natürlich, aber auch Entwicklungshelfer, Unterhändler, Botschafter unseres Landes (das in Mali übrigens auf viele Sympathien stößt, weil seine Vertreter hier ganz einfach einen guten Job machen) und manchmal auch Entdecker. Entdecker, die auf Dinge stoßen – gut oder weniger gut – die man so nie erwartet hätte. Als Wissenschaftler würde ich bestenfalls darüber schreiben, das wär’s dann aber auch gewesen. Hier kann ich aktiv etwas tun. Das ist neu für mich. Und es ist besser.

Das vermisse ich hier am meisten.

Meine Freiheit und meine Heimat. Die Nächste und die Nächsten.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Was ich mir wünsche? Dass ich später einmal sagen kann: Es hat sich gelohnt. Und ich war dabei. Dass meine Erfahrungen aus Mali zu Hause nicht gleich wieder im Alltag untergehen. Und noch ein Punkt: Was ich hier immer auch erlebe, jeden Tag von neuem, ist eine europäische Zusammenarbeit, von der ich nie erwartet hätte, dass sie so gut funktioniert. Dass das so bleibt, dass dieses Projekt eines einigen Europa auch weiterhin eine Zukunft hat, das bleibt mein Wunsch, ein großer Wunsch.
Anstelle öffentlicher Grüße, ein öffentlicher Dank – an meine Kollegen aus dem Institut für Zeitgeschichte. Ich hatte ihnen vom Zustand der hiesigen Archive berichtet. Daraufhin haben sie spontan für 500 Archiv-Boxen gesammelt. Sie werden in Kürze ihren Platz im neuen Archiv-Container finden. Daher nochmals und öffentlich an die Leonrodstrasse 46b in München: Herzlichen Dank für Eure Hilfe!


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Christian H.


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