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Ich bin iM EINsatz: Ein Chef mit zwei Hüten

Koulikoro, 15.11.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Oberstleutnant Michael H. ist als Kontingentführer bei der EUTM Mission eingesetzt
Oberstleutnant Michael H. ist als Kontingentführer bei der EUTM Mission eingesetzt (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Oberstleutnant Michael H., 48 Jahre alt, verheiratet und Vater einer Tochter. Ich bin seit 1989 Soldat und habe diverse Verwendungen als Infanterieoffizier durchlaufen. Seit vielen Jahren bin ich – mit den üblichen Unterbrechungen durch Verwendungen andernorts – in der Gebirgsjägerbrigade 23 eingesetzt. In der Heimat leiste ich meinen Dienst in der für die Ausbildung zuständigen Abteilung.
Aktuell befinde ich mich in meinem 6. Einsatz. Je zweimal war ich bei Kosovo Verification Mission und im Rahmen von KFOR und SFOR sowie bei ISAF eingesetzt.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

„Leben in der Lage“ – der zweckmäßig eingerichtete Arbeitsplatz von Oberstleutnant Michael H.
„Leben in der Lage“ – der zweckmäßig eingerichtete Arbeitsplatz von Oberstleutnant Michael H. (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM)Größere Abbildung anzeigen

Ich habe hier im Süden Malis zwei wichtige Aufgaben, sprichwörtlichen also zwei „Hüte“ auf: Zum einen bin ich der Kontingentführer des 14. Deutschen Einsatzkontingentes European Training Mission Mali (EUTM MLI) und trage somit die Verantwortung für ca. 150 deutsche Soldaten, die in sieben Dienststellen organisiert sind.
Zum anderen bin ich auf Europäischer Seite der Verantwortliche für die Ausbildung der malischen Streitkräfte, wodurch mir neben dem deutschen Kontingent noch einmal rund 100 Soldaten aus über 20 Nationen als Stabspersonal und Ausbilder unterstellt sind.
Um dieses Personal führen und die zahllosen Aufträge erfüllen zu können, steht mir auf der Deutschen und EU-Seite jeweils Stabspersonal zur Verfügung. Zu meinen engsten Mitarbeitern zählen meine beiden Kompaniechefs, mein Vorzimmerfeldwebel sowie der Kasernenfeldwebel, mit denen ich mich berate und abstimme. Darüber hinaus gehört mein Militärkraftfahrer zu meiner Kommandeurgruppe. Er fährt mich zuverlässig über die schlechten Straßen Malis, dabei führen wir zahllose Gespräche.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Die Kommandeurgruppe bei der EUTM Mission
Die Kommandeurgruppe bei der EUTM Mission (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM)Größere Abbildung anzeigen

Ich habe mich auf die verantwortungsvolle Verwendung als Kommandeur eines Einsatzkontingents sehr gefreut und bin stolz, dass man mir diese ehrenvolle Aufgabe übertragen hat. Bisher bin ich rundum zufrieden. Dies liegt vor allem daran, dass ich ganz hervorragend engagierte, motivierte und disziplinierte Soldaten führen darf, die alle Aufträge mit großer Fachkompetenz erfüllen. Es läuft einfach in jeder Hinsicht sehr gut.

Der Ausbildungsauftrag für die malischen Streitkräfte ist nach meiner Bewertung zweckmäßig und sinnvoll. Bei meinen Dienstaufsichtsbesuchen sehe ich eine gute Methodik und ausgesprochen fachkompetente Ausbilder, die flexibel und mit großem Einfühlungsvermögen auf die Fähigkeiten und die Mentalität der malischen Soldaten eingehen. Der Erfolg gibt uns Recht: Wir sehen viele Fortschritte, auch wenn es teilweise nur langsam vorangeht.

Oberstleutnant Michael H. fährt regelmäßig raus, um sich ein aktuelles Lagebild zu verschaffen
Oberstleutnant Michael H. fährt regelmäßig raus, um sich ein aktuelles Lagebild zu verschaffen (Quelle: Bundeswehr/Johannes Müller)Größere Abbildung anzeigen

Insgesamt macht es mir sehr viel Freude. Menschen führen und ausbilden zu dürfen, ist für mich etwas ganz besonderes, das mich immer wieder anspornt. Hier in Koulikoro schätze ich daher die Zusammenarbeit im multinationalen Rahmen, die sehr interessant ist – auch wenn ich dadurch Englisch und Französisch sprechen muss.

Vor allem gefällt mir, wenn ich das Lager verlassen kann und auf meinen Fahrten die Menschen am Straßenrand sehe, auch einmal mit dem einen oder anderen Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Es ist bewundernswert, wie freundlich und höflich sie sind, obwohl man überall mit Armut und Müll konfrontiert wird.
Dadurch wird uns bewusst, wie sinnvoll unser Auftrag hier ist, nämlich mitzuhelfen, dass sich der malische Staat stabilisiert und gegen den internationalen Terrorismus behaupten kann.

Das vermisse ich hier am meisten.

Oberstleutnant Michael H. denkt oft seinen Heimatort in Oberbayern und freut sich auf die Heimkehr vor Weihnachten
Oberstleutnant Michael H. denkt oft seinen Heimatort in Oberbayern und freut sich auf die Heimkehr vor Weihnachten (Quelle: Bundeswehr/PAO EUTM)Größere Abbildung anzeigen

Natürlich vermisse ich meine Familie, am meisten meine Frau und meine Tochter. Zwar steht die Verbindung nach Hause über die Betreuungskommunikation – aber das kann das persönliche Zusammensein nicht ersetzen.
Ich denke oft an den Ort in Oberbayern, in dem ich lebe. Dann vermisse ich die Ruhe, die dort herrscht. Hier in Koulikoro leben wir unter einem konstanten Geräuschpegel, da durchgehend Klimaanlagen und Generatoren laufen. Ich habe schon fast vergessen wie es ist, wenn einmal kein Krach herrscht …
Zudem vermisse ich die Möglichkeit, mit den Bundesbrüdern meiner beiden Studentenverbindungen gepflegt ein deutsches Bier zu trinken und gemeinsam zu feiern.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Für die verbleibende Zeit im Einsatz wünsche ich mir und uns, dass auch auf den letzten Metern nichts mehr passiert und wir gut die Ziellinie überqueren. Ziel war und ist, dass ich mit allen Angehörigen des Kontingents gesund und wohlbehalten vor Weihnachten nach Hause komme – ich bin guter Dinge, dass das klappt.
Nach dem Einsatz werden wir meine Rückkehr in die Heimat im Familienrahmen während der Weihnachtstage feiern. Anschließend freue ich mich auf ruhige Tage in den Bergen und hoffe auf ausreichend Schnee zum Skifahren mit Frau und Tochter.
Im Januar werde ich meinen neuen Dienstposten, ebenfalls im Stab der Gebirgsjägerbrigade 23, antreten. Ich wünsche mir, dass ich dort eben so viel Erfüllung in der Aufgabe finde, wie hier.
Meine Grüße und mein Dank gehen an alle, die während meiner einsatzbedingten Abwesenheit meine Aufgaben in der Heimat übernommen und die verschiedenen „Läden“ am Laufen gehalten haben: meine beiden Frauen, Familie, Freunde, Nachbarn und meine Kameraden in der G3-Abteilung. Danke


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Michael H.


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