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Ich bin iM EINsatz: „Augen zu und durch“

Erbil, 02.02.2017.


Von Mali bis zum Kosovo, im Mittelmeer, über Syrien, im Irak und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Papierkram ist Lea M. als Personalfeldwebel gewohnt – doch als „OASE-Feldwebel“ gab es unzählige neue Herausforderungen für sie
Papierkram ist Lea M. als Personalfeldwebel gewohnt – doch als „OASE-Feldwebel“ gab es unzählige neue Herausforderungen für sie (Quelle: Bundeswehr/Claudia Birkholz)Größere Abbildung anzeigen

Hallo aus dem Nordirak. Mein Name ist Hauptfeldwebel Lea M., ich komme aus dem Panzerpionierbataillon 130 in Minden. Dort bin ich als Personalfeldwebel tätig. Hier in Erbil ist das aber anders, denn hier bin ich für die Betreuungseinrichtung „OASE“ verantwortlich. Dies ist mein erster Einsatz und die Aufgabe ist sehr fordernd.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Starkes Team: Lea M. und ihr Koch, Oberstabsgefreiter Andre G.
Starkes Team: Lea M. und ihr Koch, Oberstabsgefreiter Andre G. (Quelle: Bundeswehr/Claudia Birkholz)Größere Abbildung anzeigen

Als „OASE-Feldwebel“ (die korrekte Bezeichnung lautet: Betreuungsfeldwebel) ist meine Aufgabe vereinfacht gesagt, das Managen eines Gastronomieunternehmens. Dabei gilt es zwölf Mitarbeiter zu führen (elf lokale und ein deutscher Feldkoch) sowie die betrieblichen Abläufe zu kontrollieren und zu optimieren.
Im Einzelnen heißt das unter anderem die Kalkulation und Überwachung der Wareneinsätze, Abschreibungen Inventuren und Lohnauszahlungen, die Speisenzusammenstellung, sowie das Erstellen von Dienstplänen. Ich führe regelmäßig Personalgespräche und die Personalunterlagen meiner Mitarbeiter. Ein täglicher Tageskassenbericht und der regelmäßige Einkäufe in der Stadt gehören auch dazu.

Regelmäßige Besprechungen mit den lokalen Mitarbeitern der Betreuungseinrichtung gehören zur Tätigkeit als Betreuungsfeldwebel im Irak
Regelmäßige Besprechungen mit den lokalen Mitarbeitern der Betreuungseinrichtung gehören zur Tätigkeit als Betreuungsfeldwebel im Irak (Quelle: Bundeswehr/Claudia Birkholz)Größere Abbildung anzeigen

Die „OASE“ hier in Erbil ist nicht nur aufgrund des guten Essens und der netten Atmosphäre Dreh- und Angelpunkt der nationalen und internationalen Soldaten. Auch zahlreiche Veranstaltungen werden mit und bei uns geplant und durchgeführt. Das können Großveranstaltungen und Empfänge (z.B. zu Nationalfeiertagen) oder auch Poker-, Bingo- oder Skat-Abende und Konzerte bei der Betreuung der Soldaten sein.
Bei Öffnungszeiten zwischen 10 und 23 Uhr sieht das an sechs Tagen pro Woche etwa so aus: Ab 8 Uhr treffen die lokalen Mitarbeiter ein. Bis 10 Uhr werden Vorbereitungen für das Frühstücksgeschäft getroffen. Hier steht der Feldkoch in der Bütt, er muss den Überblick behalten und die Arbeitsschritte kontrollieren. Parallel bietet es sich für mich meistens an, mich um die administrativen Dinge (siehe oben) zu kümmern oder Wareneinkäufe zu erledigen, obwohl wir den Großteil der Waren aus Deutschland beziehen.

Das Einkaufen kostet oft viel Zeit und manchmal auch Nerven. Auch wenn – man mag es nicht glauben – eine geballte Warenvielfalt geboten ist, heißt das nicht gleichzeitig, dass auch alles, was wir brauchen, zur Verfügung steht. Dann muss man sich manchmal wieder vor Augen halten – wir sind eben nicht in Deutschland, sondern im Norden des Irak.
Am Nachmittag kümmere ich um Eingangsrechnungen und ihre Umrechnung, da wir hier mit drei Währungen (Euro, US-Dollar und Irakische Dinar) arbeiten.

Danach geht es weiter mit den Vorbereitungen für das Abendgeschäft. Das bedeutet: Schicht- und Kassenwechsel, Reservierungen vornehmen, und telefonische Abstimmungen mit der „EAS “ in Berlin treffen, die als Träger unserer Einrichtung fungiert. Beim Herrichten der Lokalität und dem Erfüllen von Sonderwünschen bleibt vielleicht zwischendurch mal ein wenig Luft für Sport oder ein paar Gespräche mit den Kameraden.

Am Abend wird die OASE von fast allen Soldaten, der hier im Umkreis stationierten Nationen besucht. Es ist also immer was los und es kommt nie Langeweile auf. Dabei verstehen wir uns auch als das Aushängeschild des deutschen Einsatzkontingents im Nordirak.
Am Ende eines „ganz normalen“ Abends werden noch Einnahmen und Ausgaben zusammengerechnet und verbucht. Anschließend werden die Daten an die Buchhaltung sowie den Betriebsberater Einsatz der „EAS“ in Berlin geschickt.

Freude bringt mir die Zusammenarbeit mit den einheimischen Angestellten und meinem Feldkoch im Dienstgrad eines Oberstabsgefreiten, der hier wirklich einen verdammt guten Job macht. Auch die positive Resonanz der Gäste und Kameraden freut mich immer wieder. Natürlich scheint nicht jeden Tag die Sonne. Als „OASE-Feldwebel“ wird man auf dem militärischen Strang manchmal (nicht böswillig gemeint) etwas „vergessen“. Als Soldat, der zuhause im Bataillon eine Teileinheit führt, ist das nicht immer einfach hinzunehmen. Doch mit der Zeit lernte ich, damit umzugehen. Und mittlerweile weiß ich, wen ich zu welchen Punkten direkt ansprechen muss.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Die Zusammenarbeit mit den kurdischen Mitarbeitern klappt gut
Die Zusammenarbeit mit den kurdischen Mitarbeitern klappt gut (Quelle: Bundeswehr/Claudia Birkholz)Größere Abbildung anzeigen

Meine persönliche Motivation besteht darin, dass ich hier eine Tätigkeit ausübe, mit der ich bis zu meinem „IN“, also dem Einsatzbeginn Mitte September, keinerlei Berührungspunkte hatte. Trotzdem habe ich es geschafft, die Gäste, Kameraden, Vorgesetzten und Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass auch ein Personalfeldwebel einen solchen Betrieb führen kann – auch dank der tatkräftigen Unterstützung von Seiten der „EAS“. Es gab Einige, die mir persönlich davon abgeraten haben – nicht sie es mir nicht zugetraut hätten, sondern eher, weil sie mich davor bewahren wollten.

Es ist nicht immer nur „Friede- Freude- Eierkuchen“ – es ist, bei Arbeitstagen von manchmal 18 bis 20 Stunden, ein echtes Stück Arbeit. Am Ende muss man sich immer wieder selbst motivieren und damit zurechtkommen, dass einem nicht jeden Tag jemand auf die Schulter klopft. Denn Fakt ist: Wir arbeiten hier im Hintergrund und nicht auf dem Silbertablett. Ich kann sagen, dass mir die Zeit hier persönlich wie menschlich sehr viel gebracht hat. Vieles habe ich über Land und Leute gelernt und dabei auch erkannt, was wirklich im Leben zählt und wofür wir dankbar sein können und sollten.

Das alles macht mich schon etwas stolz – besonders, weil ich am dritten Tag hier kurz davor war, am liebsten sofort wieder den Heimflug antreten zu wollen. Er war einfach zu viel auf einmal mit diesem vollkommen neuen Aufgabenbereich. Ich bin froh, dass ich die Herausforderung angenommen habe.
Ein besonderer Dank gilt zuerst Andre, dem Koch im 6. Kontingent. Mit seinem ruhigen Gemüt und seiner bedachten Art hat er mich so einige Male am Boden gehalten. Mein Dank gilt aber auch den äußerst zuvorkommenden und hilfsbereiten Mitarbeitern der Einsatzberatung der „EAS“ in Berlin. Sie standen und stehen uns immer mit Rat und Tat zur Seite.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich tatsächlich die Ruhe. Natürlich fehlen mir die Familie, mein Freund, meine Mädels und die Kameraden daheim. Gerade über Weihnachten war es nicht immer leicht. Aber die Ruhe, den Kopf freizuhaben, keinem Termindruck zu unterstehen und einfach mal den Tag nur für sich allein zu planen und zu verbringen, ohne, dass irgendwer irgendetwas von einem verlangt – DAS fehlt mir am meisten.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich möchte die verbleibenden Tage im Einsatz gut verbringen, mich dann von den vielen tollen Leuten hier verabschieden und reibungslos an den neuen „OASE-Feldwebel“ übergeben.
Die erste Woche zu Hause werde ich ganz für mich alleine verbringen und einfach mal alles machen, was mir in den Kopf kommt und worauf ich Lust habe. Ich werde Spazieren oder Joggen gehen und in meiner Küche das kochen, worauf ich Lust habe. Auch die Sonntagsmesse möchte ich besuchen. Erst wenn ich das Gefühl habe, dass ich soweit bin, werde ich mich in meinem Heimatort den sicherlich vielen Fragen stellen.
Rund zwei Wochen nach meiner Rückkehr wird dann auch „meine bessere Hälfte“ aus dem UN-Einsatz in Mali (MINUSMA) zurückkehren. Auf diesen Tag freue ich mich jetzt schon ganz besonders.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Lea M.


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