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Ich bin iM EINsatz: Vom Schreibtisch ins Cockpit und wieder zurück

Djibouti, 20.10.2014.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Kapitänleutnant Stefan G. sitzt als Leiter Einsatzflugbetrieb oft am Schreibtisch
Kapitänleutnant Stefan G. sitzt als Leiter Einsatzflugbetrieb oft am Schreibtisch (Quelle: Bundeswehr/Ulrike Harz)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Kapitänleutnant Stefan G. und ich bin 40 Jahre alt. 1993 habe ich als Tastfunker meinen Dienst in der Marine angetreten. Heute ist mein Heimatverband das Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ in Nordholz. Dort bin ich mitverantwortlich für die taktische und technische Weiterentwicklung des Seefernaufklärers P-3C „Orion“.

Djibouti ist mittlerweile fast zu meinem Zweitwohnsitz geworden. Seit 2003 beteilige ich mich an Einsätzen wie Operation Enduring Freedom - und Atalanta. Es ist mein zehnter Einsatz hier, und in diesem Jahr bereits der zweite.
Zurzeit bin ich jedoch erstmals in einer Führungsposition am Boden und nicht als ständiges Besatzungsmitglied auf dem Flieger eingesetzt. Eine völlig neue Erfahrung.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Zum zehnten Mal in Djibouti  im Einsatz: Kapitänleutnant Stefan G.
Zum zehnten Mal in Djibouti im Einsatz: Kapitänleutnant Stefan G. (Quelle: Bundeswehr/Ulrike Harz)Größere Abbildung anzeigen

Die Arbeit als Leiter Einsatzflugbetrieb empfinde ich als sehr facettenreich, verantwortungs- und anspruchsvoll. Meine Aufgabe beinhaltet beispielsweise die Flugauftragserteilung, die Flugsicherheit zu gewährleisten und an der monatlichen Planung der an Atalanta beteiligten Flugzeuge mitzuwirken.
Dabei arbeite ich sehr eng mit den Soldaten der verbündeten Nationen zusammen. Nur so ist eine solide Planung der Verfügbarkeit des „Jester“, wie das Rufzeichen der P-3C lautet, gewährleistet. Vorgeschriebene Wartungszyklen und gesetzliche Ruhezeiten für die Besatzung sind dabei die gravierendsten Stellgrößen.

Stefan G. kennt sich auch im Flieger bestens aus
Stefan G. kennt sich auch im Flieger bestens aus (Quelle: Bundeswehr/Ulrike Harz)Größere Abbildung anzeigen

Zudem bin ich als Besatzungsmitglied in der Lage, bei einem Personalausfall (durch Krankheit o.ä.), die Crew im Flugdienst zu unterstützen. Das ist für mich eine willkommene Abwechslung.

Einen typischen Tagesablauf gibt es für mich hier ebenso wenig, wie für alle anderen Soldaten unseres Teams. Unregelmäßige Flugzeiten und die Behebung eventueller Störungen machen eine geregelte Dienstzeit schlicht unmöglich.

Als Leiter Flugbetrieb möchte ich gleichzeitig nahe am Geschehen und am Team unserer Einsatzgruppe sein. An Flugtagen bin ich daher mindestens zweieinhalb Stunden vor dem Start auf dem Flugplatz.
Dann begleite ich das taktische Briefing der Besatzung und gebe sicherheitsrelevante Informationen oder operative Lagehinweise an sie weiter. Während „Jester“ für etwa neun Stunden seinen Auftrag erfüllt, bleibe ich dann am Boden, um als Ansprechpartner vor Ort zu fungieren.

Nach der Landung hole ich mir ein Feedback des Tactical Coordinators - und des Kommandanten. Anschließend informiere ich internationale sowie nationale Stellen über den Klarstand des Flugzeugs, seine Auftragsdurchführung und gegebenenfalls Änderungen für künftige Aufträge. Sollte die P-3C mit einer technischen Störung gelandet sein, so bleibe ich meist bis zur erfolgreichen Beseitigung vor Ort.

Der Kontakt zu allen Kontingentangehörigen ist sehr persönlich - ein Umstand, den ich sehr schätze. Leider empfinde ich diesen engen Kontakt zwischen Besatzung und Technik am Heimatstandort oft als nicht ganz so intensiv wie hier in Djibouti.

Auch an „flugfreien“ Tagen gibt es keine Routine. Hier eine Besprechung, da ein neuer Auftrag. Ich stelle mich dem Tag mit seinen immer wieder neuen Herausforderungen offen und motiviert.

Ein Mann und „sein“ Flugzeug - Stefan G. und der „Jester“
Ein Mann und „sein“ Flugzeug - Stefan G. und der „Jester“ (Quelle: Bundeswehr/Ulrike Harz)Größere Abbildung anzeigen

Persönlich denke ich, dass der Einsatz eines „Maritime Patrol And Reconnaissance Aircraft“, wie unseres „Jester“ -, auch in Zukunft ein unverzichtbares Einsatzmittel sein muss. Die flexiblen Einsatzmöglichkeiten, die Anzahl und der Einsatz spezifischer Systeme, die Erfahrungen und Expertisen der Menschen an Bord, sowie die Abdeckung eines so großen Einsatzgebietes, kann so durch kein anderes Waffensystem abgebildet werden.
Mit den Aufklärungsflügen über die „Area of Operation“ -liefern wir den Schiffen und der Führung der Operation wertvolle Informationen und steuern so einen wichtigen Teil zur Auftragserfüllung bei.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Der starke Rückgang der Piraterie ist sicher nicht nur auf die internationale militärische Präsenz zurückzuführen. Dennoch bin ich überzeugt, dass wir einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Dass wir Präsenz zeigen, beruhigt die zivilen Seefahrer sehr. Wir sind für sie so etwas wie ein erweiterter Ausguck.
Dem sind sich alle Angehörigen der Einsatzgruppe, ob Logistiker, Techniker oder Flieger, bewusst. Alle ziehen an einem Strang, das macht mich stolz.

Ich habe den Eindruck, dass die Motivation unter den Soldaten trotz oder gerade wegen des Selbstmordattentats in Djibouti vom Mai 2014 extrem hoch ist. Für unser Kontingent bin ich mir sicher, dass sich jeder Einzelne die Frage stellt: Welches Risiko ist vertretbar, um meinen Auftrag, bei dem es auch um Leib und Leben von Kameraden gehen kann, zu erfüllen? Es ist ganz egal, ob im Luftfahrzeug, in der Technik oder im „Alltag“: Die Einsatzbedingungen stellen immer eine andere, eben eine besondere Art der Herausforderung dar.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ich vermisse hier vieles, besonders den direkten Kontakt zu meinem sozialen Umfeld in Deutschland. Auch würde ich mich gerne einmal wieder aufs Fahrrad setzen, um den Kopf ganz frei zu bekommen. Eine Scheibe Schwarzbrot und eine Tasse guten Kaffees wären auch schon eine willkommene Abwechslung.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Mein Ziel ist, dass wir nach wie vor hervorragende Aufklärungsergebnisse an die übergeordneten Dienststellen melden können und „Jester“ weiter so verlässlich bleibt. An erster Stelle wünsche ich mir allerdings, dass jeder sich im Einsatz befindliche Soldat unversehrt und gesund nach Hause kommt.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Stefan G.


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