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Ich bin iM EINsatz: Der Kommunikator

In See, 16.03.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In sechzehn Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hauptmann Philip K. steht im ständigen Kontakt
Hauptmann Philip K. steht im ständigen Kontakt (Quelle: Bundeswehr/Lydia Knaak)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Philipp K., ich bin Hauptmann und 30 Jahre alt. Meine Heimat ist Luckenwalde in Brandenburg. Ich bin Offizier im Zentrum für Operative Kommunikation der Bundeswehr in Mayen. Dort bin ich bei den taktischen Kräften eingesetzt und derzeit stellvertretender Staffelführer einer Einsatzstaffel.

Am 1. Juli 2004 begann ich als Wehrdienstleistender bei der 4. Panzergrenadierbataillon 421 in Brandenburg / Havel meinen Dienst. Im Juli 2005 bin ich dann in die Offizierslaufbahn der Heeresflugabwehrtruppe gewechselt. Im Jahre 2008 begann mein Politikwissenschaftsstudium an der Universität der Bundeswehr in Hamburg. Im Anschluss wurde ich zum Operativen Kommunikationsoffizier ausgebildet.

Dieser Einsatz auf der Fregatte „Bayern“ ist bereits mein zweiter Einsatz mit der Deutschen Marine. Bereits 2014 war ich, ebenfalls bei Atalanta, auf der Fregatte „Brandenburg“ und auf dem Einsatzgruppenversorger „Berlin“ eingesetzt.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Im Gespräch mit Seeleuten einer „Dhow“
Im Gespräch mit Seeleuten einer „Dhow“ (Quelle: Bundeswehr/Lydia Knaak)Größere Abbildung anzeigen

Im Einsatz bin ich zuständig für die Gesprächsführung mit der Bevölkerung im Einsatzgebiet. Auf See bedeutet das, dass wir mit den Seeleuten auf Fischer- oder Handelsbooten, den sogenannten Dhows, in Kontakt treten. Dabei arbeite ich eng mit den Sprachmittlern an Bord der „Bayern“ zusammen. Durch Gespräche wollen wir mehr über die Bevölkerung, ihre Lebensweise und die Lage vor Ort erfahren. Gleichzeitig wollen wir der Bevölkerung vermitteln warum wir, als ein Schiff im Auftrag der Europäischen Union, vor Ort sind und was unsere Aufgabe ist.

Hauptmann K. stellt über den Sprachmittler erste Fragen an die Seeleute
Hauptmann K. stellt über den Sprachmittler erste Fragen an die Seeleute (Quelle: Bundeswehr/Lydia Knaak)Größere Abbildung anzeigen

Wenn die Gespräche zunächst über Funk stattfinden, dann besteht das Team auf unserer Seite aus dem Sprachmittler und mir.

Wenn wir die Seeleute an Bord besuchen, dann gehören zum Team noch die Boardingkräfte, die derzeit im Rahmen einer deutsch-niederländischen Marinekooperation durch Sicherungskräfte aus unserem Nachbarland gestellt werden.

Gerade das macht meine Tätigkeit überaus interessant. Einerseits arbeitet man sowohl national als auch multinational auf unterschiedlichen Ebenen zusammen. Andererseits begegnen mein Team und ich unterschiedlichsten Menschen mit verschiedensten kulturellen Hintergründen. So gleicht kein Tag dem anderen. Ein gutes Gespräch zu führen ist somit immer wieder eine neue Herausforderung.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Alles vorbereitet für den „friendly approach“ (freundliche Annäherung), bereit zum Einsteigen ins Speedboot
Alles vorbereitet für den „friendly approach“ (freundliche Annäherung), bereit zum Einsteigen ins Speedboot (Quelle: Bundeswehr/Lydia Knaak)Größere Abbildung anzeigen

Der Umgang mit den Menschen in unserem Einsatzgebiet ist immer etwas Besonderes, denn aus jeder Kontaktaufnahme ergibt sich ein völlig individuelles Gespräch. An einem Tag spricht man mit jemenitischen Fischern und am nächsten mit somalischen Händlern und alle haben ihre Eigenarten und Sitten, die es zu beachten und zu wahren gilt. Die Erfahrungen, gerade im Bereich der interkulturellen Kompetenz, sind nicht nur für mich sondern auch für die Kameraden, die mit mir im Einsatz sind, von unschätzbarem Wert.

Persönlich beeindruckt mich immer sehr, wenn man auf Seeleute trifft, die bereits in Deutschland waren oder für deutsche Reedereien gearbeitet haben. Oft wird man dann sogar mit einem „Hallo“ oder einem „Guten Tag“ begrüßt und bekommt sofort alles über die individuelle Vergangenheit erzählt. Gerade am Anfang waren solche Situationen natürlich schon komisch für mich. Man rechnet beispielsweise in der Ost- und Nordsee damit, aber nicht im Golf von Aden. Solche Gegebenheiten zeigen jedoch auch immer wieder, wie vernetzt die heutige Welt ist.

Beeindruckt von den Begegnungen – Hauptmann Philip K.
Beeindruckt von den Begegnungen – Hauptmann Philip K. (Quelle: Bundeswehr/Lydia Knaak)Größere Abbildung anzeigen

Was mich stolz macht ist, dass wir unseren kleinen Teil zur Sicherheit vor Ort beitragen können. Wir sehen oft die doch recht schwierigen Lebensumstände der Seeleute – aber auch die uns immer wieder entgegengebrachte Gastfreundschaft. Sehr schön ist es, wenn man sich am Ende eines Gespräches und nach einem leckeren Tee, den es ab und zu auf den Dhows gibt, mit etwas frischem Obst und Wasser bedanken kann. Da merkt man, dass man mit diesen kleinen Aufmerksamkeiten, Großes bewirkt – sei es für das Bild der Europäischen Union im Ganzen oder für das Wohlbefinden der Seeleute im Kleinen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Natürlich vermisse ich am meisten meine Freunde, meine Familie, unsere Hunde und die Kameraden, mit denen ich sonst tagtäglich arbeite und in Deutschland genau für solche Einsätze oder landgestützte Operationen trainiere. Natürlich fehlen aber auch die kleinen Annehmlichkeiten des Lebens, wie das Treffen mit Freunden oder meine Hobbys: Motorradfahren und Jagen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Grüßen möchte ich meine Familie und Freunde, die Zuhause auf mich warten und in meiner Abwesenheit alles regeln. Als zweites geht ein ganz besonderer Gruß an die Kameraden meiner Staffel, die mich beim Auslaufen der „Bayern“ in Wilhelmshaven überrascht und den langen Weg von Mayen nach Wilhelmshaven auf sich genommen haben, nur um mir „Tschüss“ zu sagen. Vielen Dank dafür, dass ist schon weit mehr als nur Kameradschaft.

Auf was ich mich besonders freue, wenn ich wieder in Deutschland bin? Eine schöne Motorradtour mit anschließendem Grillen und allem, was dazu gehört.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Philipp K.


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