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Ein Blick in die Einsatzwehrverwaltung in Prizren

Prizren, 02.02.2018.

Wenn man Kameraden der Einsatzwehrverwaltung in Prizren nach ihren Einsatztagen fragt, hört man sehr oft unglaubliche Zahlen. Wir haben hinter die Kulissen der Einsatzwehrverwaltung geschaut und dabei erstaunliche Geschichten erfahren.

Kurz nach 12 Uhr mittags in der Einsatztruppenküche im Feldlager Prizren: Schnell das Tablett wegbringen, in drei Minuten treffe ich mich mit dem Leiter der Einsatzwehrverwaltungsstelle Kosovo Force (KFOR) in Prizren. Mit Major Peter M. möchte ich über seine Dienststelle und sein Team sprechen. Geschafft. Pünktlich starten wir in Richtung Einsatztruppenküche. Toll, da kam ich gerade her.

Über 1.000 Einsatztage: Major Peter M. leitet die Einsatzwehrverwaltungsstelle Prizren
Über 1.000 Einsatztage: Major Peter M. leitet die Einsatzwehrverwaltungsstelle Prizren (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Peter M., der 56 Jahre alt ist, ist eigentlich Beamter bei der Bundeswehr. Den militärischen Rang trägt er nur, wenn er im Einsatz ist. Und im Einsatz war er schon sehr häufig: Kosovo Verification Mission (KVM), Stabilisation Force (SFOR), International Security Assistance Force (ISAF) und Resolute Support (RS) gehören zu seinem Einsatzspektrum. Er erzählt mir auch, dass er bald seinen ersten UN-Einsatz bei MINUSMA (United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission) in Mali antreten wird. Peter M. hat einen sogenannten „Kontingent 1 Dienstposten“ in Deutschland. Das heißt, dass er vorrangig für Einsätze vorgesehen ist und so erklären sich auch seine weit über 1.000 Einsatztage.

Oberfeldwebel Marcel P. vor dem 18.000 Liter Wassertank im Keller der Einsatztruppenküche
Oberfeldwebel Marcel P. vor dem 18.000 Liter Wassertank im Keller der Einsatztruppenküche (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Ich merke schnell, dass er mir gerne seine Bereiche zeigen möchte. „Meine Mitarbeiter arbeiten oft im Hintergrund“, so M., „sind aber immens wichtig für das Funktionieren eines Kontingents.“ Alle Angehörigen der Einsatzwehrverwaltungsstelle sind zu Hause in Deutschland entweder Beamte oder Angestellte bei der Bundeswehr. Wir treffen Oberfeldwebel Marcel P. vor der Einsatztruppenküche. Für den 26-jährigen Küchentechniker ist es der erste Auslandseinsatz. Sein Bereich liegt sowohl unter, als auch auf der Küche. Dort ist die Küchentechnik untergebracht, zu der auch ein 18.000 Liter fassender Wassertank gehört.

Während unseres Gespräches klingelt sein Diensthandy. Nach einem kurzen, freudigen Gespräch legte er wieder auf. Peter M. fragte mit einem Lächeln: „Dein alter Herr?“ Marcel P. nickt. Vater und Sohn im Einsatz? Mir wird klar, den „alten Herrn“ muss ich kennenlernen. Der 54-jährige Leutnant Reinhold P., der in seinem neunten Einsatz hier im Kosovo ist und sein Sohn leisten gemeinsam im Heimatstandort in Niederstätten ihren Dienst. Reinhold P. war im Feldlager Prizren bereits im Einsatzlazarett, in der Truppenküche und im technischen Gebäudemanagement eingesetzt.

Reinhold und Marcel P.: Vater und Sohn im Gespräch mit dem Autor, Oberstabsgefreiter Lucas W.
Reinhold und Marcel P.: Vater und Sohn im Gespräch mit dem Autor, Oberstabsgefreiter Lucas W. (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

In diesem Einsatz ist er der Leiter technisches Gebäudemanagement. Freundschaften entstehen im Laufe der Jahre. Viele der heutigen Kontingentangehörigen kennt Reinhold P. seit Jahren. „Was meint eigentlich Ihre Frau zu den ganzen Einsätzen?“, frage ich. Beide beginnen zu lachen, anscheinend habe ich einen neuralgischen Punkt getroffen. „Wenn unser Sohn in den Einsatz geht, gehst Du gefälligst mit“, zitiert Reinhold P. amüsiert seine Frau. Nach einer kurzen Pause ergreift Marcel P. das Wort und schaut zu seinem Vater. Weitere gemeinsame Einsätze wären wünschenswert, denn die Erfahrungen und Herausforderungen, die solch ein Einsatz mit sich bringt, fördern den Charakter. Außerdem zehrt er von der Erfahrung seines Vaters.

Plötzlich geht die Tür auf: Unteroffizier Thorsten H. kommt herein. Mit seiner „typisch Berliner Schnauze“ setzt er sich zu uns an den Tisch. Ich kenne ihn, er ist einer der DJs, die hier im Feldlager Prizren für die Kameraden auflegen. Der 53-Jährige arbeitet im Bereich Klima und Heizung des technischen Gebäudemanagements. Thorsten ist gerne hier im Land. Dies ist bereits sein fünfter Einsatz im Kosovo. Insgesamt kommt er auf über 500 Einsatztage. Und noch weitere wären ganz in seinem Sinne, wie er mir verrät.

Unteroffizier Thorsten H. bei der Arbeit in der Einsatzliegenschaft Prizren im Kosovo
Unteroffizier Thorsten H. bei der Arbeit in der Einsatzliegenschaft Prizren im Kosovo (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Ich verabschiede mich von den beiden und gehe mit Thorsten H. ein paar Schritte. In der Hand hat er seinen Arbeitskoffer, er muss noch eine Sache erledigen, bevor wir uns unterhalten können. Zu Hause, erzählt er mir später, ist er schon seit 2015 Fahrer des Inspekteurs des Heeres. Aktuell fährt er Generalleutnant Jörg Vollmer. „Wir haben ein super Verhältnis“, erzählt er mir stolz.

Thorsten H. (li.) bei seiner Tätigkeit als Fahrer des Inspekteur Heer daheim in Deutschland
Thorsten H. (li.) bei seiner Tätigkeit als Fahrer des Inspekteur Heer daheim in Deutschland (Quelle: Bundeswehr/Thorsten H.)Größere Abbildung anzeigen

„Wie kamen Sie dazu, in den Einsatz zu gehen?“ Ein guter Freund brachte ihn vor ein paar Jahre dazu, es einfach mal zu probieren. Seitdem ist er wie viele seiner Kollegen aus der Wehrverwaltung der Bundeswehr immer wieder in den Einsatz zurückgekehrt.

Eine Einsatzwehrverwaltung arbeitet oft im Hintergrund und manchmal sogar im Untergrund, wie zum Beispiel die Küchentechnik. Sie arbeitet aber vor allem für das Funktionieren eines Einsatzverbandes, damit die Soldaten sich voll und ganz auf ihre Aufgaben im Einsatz konzentrieren können – und das teils mit beeindruckend vielen Einsatztagen.


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Stand vom: 02.02.18 | Autor: Lucas W.


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