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Ich bin iM EINsatz: „Die Kante von Gao“

Gao, 27.04.2017.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Hauptbootsmann Andreas M. vor seinem Einsatzfahrzeug
Hauptbootsmann Andreas M. vor seinem Einsatzfahrzeug (Quelle: Bundeswehr/Marc Tessensohn)Größere Abbildung anzeigen

Moin Moin, ich bin Hauptbootsmann Andreas M., oder wie mich meine Kameraden wohl eher kennen, „Kante“. Ich bin 42 Jahre alt und komme aus Norddeutschland. Ich war von 92 bis 98 zuerst als Ausbilder auf Sylt und später dann als Techniker für den Hubschrauber „Sea King“ und das Mehrzweckkampfflugzeug "Tornado" eingesetzt. Kurz vor der Jahrtausendwende habe ich mit der Ausbildung zum Rettungsassistenten begonnen und fahre Rettungseinsätze für den Arbeiter-Samariter-Bund. Nach einem Auslandseinsatz als Rettungsassistent bei ISAF in Afghanistan im Jahr 2014 bin ich nun zum zweiten Mal als Reservist für die Bundeswehr im Einsatz.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Als Kommandant steht Andreas im stetigen Kontakt mit der Führung
Als Kommandant steht Andreas im stetigen Kontakt mit der Führung (Quelle: Bundeswehr/Andreas M.)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin in Gao als Kommandant eines beweglichen Arzttrupps eingesetzt. Einen BAT kann man sich wie einen gepanzerten Rettungswagen vorstellen. Bei unseren Einsätzen koordiniere ich die Zuordnung der Verletzten bis hin zu den An- und Abfahrtswegen. Neben mir sitzen auf unserem Transportpanzer noch ein Arzt und ein Soldat, mit denen ich auch schon vor dem Einsatz knapp zwei Monate intensiv verschiedenste Szenarien geübt habe.

Kurze Lagebesprechung unter den Kameraden
Kurze Lagebesprechung unter den Kameraden (Quelle: Bundeswehr/PAO MINUSMA)Größere Abbildung anzeigen

Unser Auftrag gliedert sich grob in zwei Aufgabenfelder. Wir begleiten unsere schnelle Eingreiftruppe, die derzeit von den Kameraden aus Bad Reichenhall gestellt wird, bei ihren Patrouillen.

Die Versorgung Verletzter verläuft in einer trainierten Routine
Die Versorgung Verletzter verläuft in einer trainierten Routine (Quelle: Bundeswehr/Marc Tessensohn)Größere Abbildung anzeigen

Zum anderen stellen wir aber auch eine Bereitschaft, um bei Unfällen rund um das Camp schnellstmöglich eine Versorgung der Kameraden gewährleisten zu können.

Im Rahmen der Rettungskette muss mit den anderen Einheiten kommuniziert werden
Im Rahmen der Rettungskette muss mit den anderen Einheiten kommuniziert werden (Quelle: Bundeswehr/Marc Tessensohn)Größere Abbildung anzeigen

Ab dem Zeitpunkt der Alarmierung müssen wir innerhalb von 30 Minuten mit der schnellen Eingreiftruppe ausrücken. Für den Standort-BAT gelten sogar 15 Minuten. Das bedeutet, dass wir uns, unsere Fahrzeuge und das Material ständig in Bereitschaft halten müssen.

Die Sanitätsstaffel im Camp Castor
Die Sanitätsstaffel im Camp Castor (Quelle: Bundeswehr/PAO MINUSMA)Größere Abbildung anzeigen

Neben dieser Aufgabe bin ich in der „Role 1“ auch als Vertrauensperson aller Unteroffiziere gewählt worden. Dabei habe ich jederzeit ein offenes Ohr für meine Kameraden und setze ihre Interessen durch.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Andreas M. ist von der Natur Malis beeindruckt
Andreas M. ist von der Natur Malis beeindruckt (Quelle: Bundeswehr/Marc Tessensohn)Größere Abbildung anzeigen

Für mich persönlich ist dieser Einsatz etwas Besonderes, weil wir hier fast jeden Tag Neuland betreten. Wir arbeiten zum Beispiel täglich mit den niederländischen Kameraden aus deren „Role 1“ zusammen und können uns dabei sehr intensiv mit ihnen austauschen. Es gab auch schon ein Länderspiel im Volleyball zwischen Soldaten beider Länder. Außerdem gibt einem das Land Mali so viele schöne kulturelle und landschaftliche Eindrücke.

Rettungsübung mit Luftverlegung: Damit es im Notfall schnell geht und die Abläufe sitzen
Rettungsübung mit Luftverlegung: Damit es im Notfall schnell geht und die Abläufe sitzen (Quelle: Bundeswehr/PAO MINUSMA)Größere Abbildung anzeigen

Es gibt natürlich auch nicht so schöne Momente. Einer war, als der niederländische Hubschrauber Verletzte eines Anschlages gerettet hat und wir diese zusammen in das naheliegende Krankenhaus in Gao gebracht haben. Aber egal wie anstrengend und hart so ein Tag auch ist – wir im Trupp geben immer „120 Prozent“.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meine Frau und meine kleine Tochter. Wenn ich meine Familie hier hätte, würde ich wohl auch 365 Tage durchgehend hier bleiben. Abgesehen davon vermisse ich den heimischen Garten, die Wiesen und einfach mal einen grünen Rasen. Und als alter Marinesoldat fehlt mir hier eindeutig das Wasser zum Baden.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich wünsche mir, dass alle Kameraden heil und unbeschadet nach Hause kommen. Für die Zeit nach meinem Einsatz plane ich mit meiner Familie in Richtung Sonne und Strand zu fliegen. Ziel für die Zukunft ist es, dass ich wieder als aktiver Soldat bei der Bundeswehr eingestellt werde.
Ich grüße ganz besonders meine Familie aus dem fernen Gao.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Andreas M.


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