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Ich bin iM EINsatz: „ …und stolz, Teil der funktionierenden Rettungskette zu sein.“

Djibouti, 22.04.2015.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Daniel G. vor seinem  Krankenwagen in Djibouti
Daniel G. vor seinem Krankenwagen in Djibouti (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Mein Name ist Daniel G., ich bin Obermaat, 25 Jahre alt und komme aus dem schönen Schleswig-Holstein. In Deutschland leiste ich meinen Dienst als Taucherarztgehilfe im Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr der Marine in Neustadt in Holstein.

Seit August 2008 bin ich Soldat. Begonnen habe ich beim Lufttransportgeschwader 63 in Alt-Duvenstedt. Dort war ich als Einsatzsanitäter und Ausbilder in der Ersthelferausbildung tätig. Nach einer Weile war für mich klar, dass ich mehr Verantwortung übernehmen möchte. Ich entschied mich für einen Wechsel in die Laufbahn der Unteroffiziere und begann die Ausbildung zum Schiffsarztgehilfen in Kiel.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Jeden Morgen werden die medizinischen Geräte gecheckt
Jeden Morgen werden die medizinischen Geräte gecheckt (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Jeden Morgen checke ich alle medizinischen Geräte und unseren militärischen Krankenwagen. Wir müssen als beweglicher Arzttrupp (BAT) ständig in der Lage sein, unseren Soldaten im Stadtgebiet von Djibouti zu Hilfe eilen zu können. Bei Notfällen besetze ich den BAT als Kraftfahrer und arbeite dem Arzt bei der notfallmedizinischen Versorgung zu. Dabei kann ich auf meine Erfahrung als Rettungssanitäter zurückgreifen, die ich im Rettungsdienst außerhalb der Bundeswehr erworben habe.

Außerdem unterstütze ich unseren Arzt in der Behandlung von Patienten. Auf Anweisung des Arztes führe ich Wundversorgungen oder Impfungen durch. Zudem habe ich die Verantwortung für die Bewirtschaftung unseres Sanitätslagers. Dazu gehört auch die Annahme und den Versand von Sanitätsmaterial und der Check von Medikamenten und Verbrauchsartikeln.

Eine zusätzliche Aufgabe ist das Vektoren-Monitoring, das klingt erst einmal ungewöhnlich. Ich kontrolliere die im Stadtgebiet von Djibouti aufgestellten Mückenfallen. Ich entleere sie, tausche die Akkus und frische die Lockstoffe für die Mücken auf. Anschließend konserviere ich die gefangenen Mücken und schicke sie nach Deutschland. Dort werden sie auf mögliche übertragbare Krankheiten untersucht. Sollten bei den konservierten Mücken übertragbare Krankheiten wie Malaria- oder Gelbfieber vorkommen, werden die Vorsichtsmaßnahmen für die deutschen Soldaten in Djibouti angepasst, wie zum Beispiel in Form der Malaria-Chemoprophylaxe.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Regelmäßig leert Obermaat G. die Mückenfallen – die Insekten werden auf übertragbare Krankheiten geprüft
Regelmäßig leert Obermaat G. die Mückenfallen – die Insekten werden auf übertragbare Krankheiten geprüft (Quelle: Bundeswehr/PAO Atalanta)Größere Abbildung anzeigen

Aus sanitätsdienstlicher Sicht sind hier alle Aufgabenfelder vertreten. Von der Materialbewirtschaftung, der Notfallversorgung über die Heilfürsorge bis zur Sanitätsausbildung.
Durch die Arbeit an den Mückenfallen in der Stadt habe ich engen Kontakt zur Bevölkerung. Dabei hab ich schon das eine oder andere Wort auf Somali aufgeschnappt und kann dies in einem „Schnack“, wie man in Norddeutschland sagt, zum Besten geben.

Die Zusammenarbeit mit den anderen Nationen, vor allem mit den französischen Kameraden, die hier auch ein militärisches Krankenhaus betreiben, ist sehr interessant. Durch unseren engen Kontakt kann ich so auch mal über den Tellerrand schauen.
Ein besonderer Moment während meines bisherigen Einsatzes war die Versorgung eines Patienten, der auf hoher See verunglückte. Mit Hilfe der ausgelösten Rettungskette, bei der vier Nationen Hand in Hand arbeiteten, konnte er gerettet werden. Eine britische Fregatte, ein italienischer Rettungshubschrauber, das französische Militärkrankenhaus in Djibouti und wir waren daran beteiligt.

Wir hatten den Auftrag, den Patienten vom militärischen Teil des Flughafens mit unserem BAT abzuholen. Als wir ankamen, landete kurze Zeit später der Hubschrauber, der den Patienten von der Fregatte abgeholt hatte. Wir übernahmen den Patienten und haben ihn auf der Fahrt zum Krankenhaus versorgt. Wir haben seine Vitalfunktionen überwacht, ihm Schmerzmedikamente gegeben und ihn natürlich auch seelisch betreut. Alles hatte einwandfrei geklappt und es erfüllte mich mit Stolz, Teil dieser funktionierenden Rettungskette zu sein.

Das vermisse ich hier am meisten.

Natürlich das deutsche Essen, aber auch einfach mal mit Freunden ins Kino gehen und danach ein Bier zu trinken. Mit Facetime und Skype kann man den Kontakt zu Freunden und Familie schon recht gut aufrechthalten. Es ist immer schön, eine bekannte Stimme zu hören und Neuigkeiten aus der Heimat zu erfahren.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Wenn ich aus Afrika wieder komme, gehe ich nahtlos in den Berufsförderungsdienst über und hole meine Fachhochschulreife an einer Bundeswehrfachschule nach. Ich freue mich auf diese neue Herausforderung. Ich grüße meine Familie, Freunde und alle Soldaten die sich gerade im Einsatz befinden: Kommt heil wieder nach Hause.


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Stand vom: 12.12.17 | Autor: Daniel G.


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