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Zwischen Schulhof und Bergwiese – Gedenken im Einsatz hat viele Gesichter

Prizren, 22.01.2018.

27 Deutsche Soldaten haben im Kosovoeinsatz der Bundeswehr seit 1999 ihr Leben gelassen. Das Gedenken an die verstorbenen Kameraden spielt im Einsatzalltag der Soldaten eine besondere Rolle. Es kann ganz offiziell, aber auch individuell oder aber an bestimmte Orte gebunden sein. Eine kleine Gruppe um Militärpfarrer Klaus K., machte sich auf den Weg um die Gedenkstätten für deutsche Kameraden im Kosovo zu besuchen.

Gedenkstein im Feldlager Prizren

Der Gedenkstein im Feldlager Prizren. Er wird einen neuen Platz im "Wald der Erinnerung" in Potsdam finden
Der Gedenkstein im Feldlager Prizren. Er wird einen neuen Platz im "Wald der Erinnerung" in Potsdam finden (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Über den großen, offiziellen Gedenkstein im Feldlager Prizren ist schon entschieden worden. Der wird abgebaut und im „Wald der Erinnerung“ auf dem Gelände des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam wiedererrichtet. Kopien der Gedenktafel auf dem Stein gehen an alle beteiligten Nationen, da auch der Kameraden anderer Nationen auf dem Gedenkstein im deutschen Feldlager gedacht wird.

Insgesamt drei Gedenkstätten für deutsche Soldaten, die bei Unfällen ihr Leben gelassen haben, gibt es im Süden des Kosovo. Diese wollen wir gemeinsam besuchen, um Dokumentation und Gedenken miteinander zu verbinden. Eine schöne Idee finde ich und außerdem bin ich neugierig, wie die Gedenkstätten wohl aussehen.

Und so treffen wir uns an diesem bewölkten Freitag. In aller Ruhe steigen wir in den weißen Transporter mit der Aufschrift KFOR, mit dem wir in den kommenden Stunden die Gedenkstätten besuchen werden. Der Sprachmittler, Adem A., kennt die Gedenkstätten seit Jahren. Gemeinsam mit seinen Kollegen von der Geländebetreuung der Einsatzwehrverwaltungsstelle Prizren pflegt er diese regelmäßig. Zügig lassen wir die Stadt Prizren hinter uns. Langsam aber stetig schraubt sich die Straße hoch in das Gebirge südöstlich der 200.000 Einwohnerstadt. Die Gespräche im Auto sind gedämpft und so kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen.

Gedenken im Einsatz ist vielfältig. Einmal im Monat treffen wir uns am Gedenkstein im Feldlager. Nicht selten sind bis zu 30 Soldaten versammelt, für eine gemeinsame Andacht und um inne zu halten. Auch in unserer kleinen Feldlagerkirche wird an diejenigen erinnert, die leider nicht lebend aus dem Einsatz zurückgekehrt sind. Ein schlichter Aushang erinnert an einen Schweizer Kameraden, der 2016 zu Tode gekommen ist. Und dann gibt es die Gedenkstätten außerhalb des Feldlagers. Diese sind häufig auf Initiative der Kameraden entstanden, aber dennoch ein offizieller Anlaufpunkt.

Hoch oben in den Bergen

Beim Gebet: Militärpfarrer Klaus K. an der Gedenkstätte bei Prevalaz
Beim Gebet: Militärpfarrer Klaus K. an der Gedenkstätte bei Prevalaz (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Immer höher fahren wir in das Gebirge. Und obwohl Adem A. sich auskennt, fahren wir an der ersten Stelle fast vorbei. Es liegt ein wenig Schnee in den Bergen bei Prevalaz. Ein einsamer Gedenkstein ist unser erstes Ziel. Darauf zwei Tafeln: Auf der einen ein Name und ein Datum, auf der anderen das Wappen seiner Kompanie. Ganz aus der Nähe hörte man das Plätschern einer kleinen Quelle. Eine ruhige, tröstliche Stelle - ein guter Ort, um zu trauern, finde ich. Nach einem gemeinsamen Gebet setzen wir unsere Fahrt fort.

Andacht am Schulgelände

Gedenken neben einer Schule: Andacht für zwei Soldaten der Feldjägertruppe in Koshare
Gedenken neben einer Schule: Andacht für zwei Soldaten der Feldjägertruppe in Koshare (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Der zweite Gedenkort liegt im Flachland. In dem Ort Koshare bei Stimlje stellt sich uns eine ganz andere Situation dar. An ein Schulgrundstück angrenzend ist hier eine große Gedenktafel aufgestellt: Namen, Dienstgrade, Geburt- und Sterbedaten und das Wappen der Feldjäger. Hier geht es lebendig zu. Die Straße ist stark befahren, dahinter der Schulhof. Ich denke: Hier ist es schwerer, in Ruhe zu trauern. Die Schule hilft seit 18 Jahren ehrenamtlich bei der Pflege der Stelle, erzählt uns Adem A. Das ist bemerkenswert und ich finde ein tröstlicher Gedanke.

Vorbei an der belebten Stadt Suhareka versuchen wir unseren dritten Zielpunkt in der Nähe der Ortschaft Musutiste zu erreichen. Adem A. hatte schon vor unserer Abfahrt Zweifel geäußert, den abseits in den Bergen gelegenen Ort zu erreichen. Die beiden Soldaten im Auto sind sich trotzdem einig. „Wir schauen mal, ob das geht“. Soldaten müssen wohl immer erst mit eigenen Augen sehen, ob etwas möglich ist oder nicht.

Ein aussichtsloser Weg

Abseits befestigter Straßen: Gedenkstätte für zwei verunglückte Soldaten im Gebirge bei Mustiste
Abseits befestigter Straßen: Gedenkstätte für zwei verunglückte Soldaten im Gebirge bei Mustiste (Quelle: Bundeswehr/PAO DEU EinsKtgt KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Etwa dreizehn Kilometer vor dem Ziel biegen wir in einen aufgeweichten, schlammigen Feldweg ein - aussichtslos hier immer höher in die Berge fahren zu wollen. Auch darin sind sich die beiden Soldaten sofort einig. So hatten wir nur ein Foto - von Adem A. im Sommer aufgenommen - um uns den Ort vorzustellen, an dem vor mehreren Jahren zwei Soldaten der Feldjägertruppe bei einem Unfall ums Leben gekommen sind. Ein schlichtes Kreuz auf einer Bergwiese. Hier, so stelle ich mir vor, würde ich wohl leicht zu meiner Trauer finden und mich zugleich getröstet wissen.

Auf dem Rückweg nach Prizren sprechen wir über das Gesehene. Aber es macht sich auch nachdenkliche Stille breit. Was aus diesen Gedenkorten wird, ist noch zu entscheiden. Erinnerung zu pflegen, das braucht Sensibilität, Sorgfalt und langen Atem. Ich bin mir sicher: gute Lösungen werden dafür gefunden. Es ist ein schönes, sehr menschliches Bemühen, Gedenkstätten zu errichten, zu pflegen und uns in Ruhe zu überlegen, wie wir Erinnerungen in unsere Zukunft weitertragen.


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Stand vom: 22.01.18 | Autor: Klaus K. und PAO DEU EinsKtgt KFOR


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