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Einsatztagebuch Westafrika Teil 2: Es gilt - Ein Übungspatient meldet sich

Monrovia/ Liberia, 12.01.2015.

Hauptfeldwebel Dennis K. ist 41 Jahre alt und versieht derzeit seinen Dienst bei der Humanitären Hilfe für Westafrika in Monrovia. Dort begleitet er als Pressefeldwebel Medienvertreter bei ihrer Arbeit und berichtet hier in seinem Online-Einsatztagebuch von seinen Erlebnissen und Eindrücken bei der Bekämpfung des Ebola-Virus im westafrikanischen Liberia.

Samstag, 27. Dezember 2014

Der Tag beginnt mit einer Übung in unserem Hotel. Unser Arzt hat sich als Übungspatient zur Verfügung gestellt und meldet sich als möglicher Ebola-Verdachtsfall per Telefon bei unserem Einsatzteam. Was danach dann im Hotel ablief war sehr beeindruckend und höchst professionell.

Markierungen für die Desinfektion und die Laufwege der Mediziner werden abgeklebt

Markierungen für die Desinfektion und die Laufwege der Mediziner werden abgeklebt (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Zunächst werden die geplanten Laufwege des Teams und des Patienten abgesperrt, Markierungen für die Desinfektion und die Laufwege der Mediziner mit Klebeband auf dem Boden befestigt, Chlorlösung aufgestellt. Die Sprayer rüsten sich mit ihren Spritzen und Behältern auf dem Rücken aus und das Transportfahrzeug wird herangefahren.

Dann ziehen sich zwei Mediziner ihre Schutzanzüge an und begeben sich zum „Übungspatienten". Nach Betreten seines Zimmers wird der Patient erst einmal ausführlich befragt. Hatte er direkten Kontakt mit Ebola-Patienten? Wie er sich fühle, was für Symptome sind erkennbar? Anschließend wird ihm Blut abgenommen. Es folgt dann die Vorbereitung für seine Behandlung am Desinfektionspunkt.

Nachdem der Patient im Fahrzeug sitzt, beginnt das Fachpersonal mit dem Ausziehen der Anzüge

Nachdem der Patient im Fahrzeug sitzt, beginnt das Fachpersonal mit dem Ausziehen der Anzüge (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem der Patient im Fahrzeug sitzt, beginnt das Fachpersonal mit dem Ausziehen der Anzüge (Doffing = Dress off-ing). Der unweigerliche Chlorgeruch macht sich breit.

Die internationalen Helfer, bei denen eine mögliche („suspected“) oder sogar bestätigte („confirmed“) Ebola-Infektion vorliegt, werden in einer separaten Station aufgenommen und behandelt. Ein Transport ins Heimatland erfolgt anschließend, abhängig vom Zustand des Patienten. Sollte er zu instabil für einen Transport sein, bleibt er im Land. Zu gefährlich wäre die Möglichkeit, dass er zum Beispiel Erbrochenes in der Isoliertrage einatmet und daran vielleicht erstickt. Die Behandlungsmöglichkeiten während des Fluges sind vergleichbar eher eingeschränkt, auch wenn dazu verschiedene Möglichkeiten existieren.

Die Übung verläuft hervorragend. Hier zahlt sich das wochenlange Training und Üben der Abläufe aus. Anschließend steht für mich eine Fahrt nach Monrovia an, um Fotos für eine Reportage zu gewinnen. Heute erlebe ich Monrovia, erlebe ich Afrika, pur.

Sobald man als Westeuropäer aus dem Auto steigt, wird man sofort umringt

Sobald man als Westeuropäer aus dem Auto steigt, wird man sofort umringt (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Wir bewegen uns abseits der Hauptstraßen, nachdem wir an der „Ebola-Wall“ die ersten Fotos gemacht haben. Auf dieser knallroten, knapp 50 Meter langen Wand wird sehr einfach aber wirkungsvoll auf die Symptome von Ebola hingewiesen. Fast jedem von uns dürfte der Spruch „Ebola is real“ aus dem Fernsehen bekannt sein. Sobald man als Westeuropäer, dazu noch in Uniform, hier aus dem Auto steigt, wird man praktisch sofort von Einheimischen umringt.

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Montag, 29. Dezember 2014

Frau Landgren, die höchste Vertreterin der UNMIL-Mission, sprach Dank und Anerkennung aus

Frau Landgren, die höchste Vertreterin der UNMIL-Mission, sprach Dank und Anerkennung aus (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Heute kam die höchste Vertreterin der UNMIL -Mission, Frau Landgren zu uns. Sie sprach uns Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit aus. Zudem wurden Kameraden geehrt, die sich um die Ebola-Mission in der Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen verdient gemacht haben. Es ist immer wieder schön, wenn man eine Würdigung oder Dank für seine Arbeit erhält.

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Mittwoch, 31. Dezember 2014

Silvester - auch heute arbeite ich im Büro die Fotos auf. Viele tolle Aufnahmen sind dabei, unter anderem aus der Provinz Bong, wo einige von uns im Rahmen der Ausbildung Personal geschult und Ebola-Patienten behandelt, aber auch verloren haben. Die Bilder des neu angelegten Friedhofs mitten im Dschungel sind bedrückend. Auffällig: als Geburtstag schreiben viele nur „Sunrise“ und das Geburtsjahr, manchmal noch den Monat, die allerwenigsten den Tag, auf die Schilder. „Sunset“ ist der Todestag.

Ich kann erahnen, was hier für Pionierarbeit geleistet wurde. Unter widrigsten Bedingungen, mitten im Nichts. Einmal mehr nötigt mir das, was die Ärzte, Schwestern und Helfer in ihren Schutzanzügen bei über 30°C leisten, meinen größten Respekt ab. Kaum fassbare Strapazen und ständige Angst, einen Fehler zu machen. Und doch sitzen sie abends mit uns zusammen, reden und lachen.

Unsere „Silvesterparty“ ist schön. Wir sitzen auf der Terrasse am Pool, bekommen traditionelle Tänze und Musik dargeboten. Viele Liberianer glauben, dass Ebola einen großen Teil ihrer Kultur zerstört hat. Viele Sitten und Gebräuche werden nach der Seuche womöglich für immer verschwinden, insbesondere der Totenkult, der rituelle Waschungen, Herzen und Küssen des Toten beinhaltet.

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Donnerstag, 01. Januar 2015

Da ist das Neue Jahr. Eigentlich haben wir frei, aber viele gehen trotzdem ins Büro. Ich nehme mir vor, maximal zwei Stunden zu arbeiten. Es wird wieder etwas länger. Am Nachmittag steht ein Besuch im John F. Kennedy - Krankenhaus an. Dort haben wir medizinisch und infrastrukturell geholfen und tun dies auch weiterhin.
So, man glaubt es kaum, aber es sind schon tatsächlich zwei Wochen rum.

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Stand vom: 29.01.15 | Autor: Dennis K.


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