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Einsatztagebuch Westafrika Teil 1: Die erste Woche bei der Hilfe gegen Ebola

Monrovia/ Liberia, 19.12.2014.

Hauptfeldwebel Dennis K. ist 41 Jahre alt und versieht derzeit seinen Dienst bei der Humanitären Hilfe für Westafrika in Monrovia. Dort begleitet er als Pressefeldwebel Medienvertreter bei ihrer Arbeit und berichtet hier in seinem Online-Einsatztagebuch von seinen Erlebnissen und Eindrücken bei der Bekämpfung des Ebola-Virus im westafrikanischen Liberia.

Freitag, 19. Dezember 2014

Abflug aus Deutschland. Von Frankfurt geht es via Brüssel nach Monrovia. Bei der Gepäckaufgabe werde ich erst einmal zur Sperrgutannahme geschickt, obwohl meine Tropenkisten doch allen Kriterien für normales Gepäck entsprechen. Ein Schalenkoffer hat zu große Dimensionen. Anschließend darf ich von da aus wieder an einen anderen Schalter, um für den Kamera-/Laptopkoffer Übergepäck anzumelden.

In Brüssel treffen wir auf weitere Angehörige unseres Kontingentes, bereits jetzt beginnt die Zusammenarbeit der Organisationen. Neben Kameraden der Bundeswehr fliegen mit uns auch noch freiwillige Helfer des Deutschen Roten Kreuzes.

Das Boarding verspätet sich eine gute halbe Stunde, weil zwei Techniker an der Flügelspitze der zivilen Maschine mit Tape hantieren. Nach einem unspektakulären Flug landen wir in Dakar zwischen. Eigentlich soll dort nur die Crew getauscht, aufgetankt und weitergeflogen werden. Aber der Flügel braucht neues Tape ... Um 23:00 deutscher Zeit, Liberia ist eine Stunde hinterher, landen wir in Monrovia.
Beim Aussteigen habe ich noch gehofft, dass der Schwall stickiger heißer Luft von den Triebwerken kommt - dem ist aber nicht so. „Welcome to Africa“.

Willkommen in Afrika

Willkommen in Afrika (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Am Flughafengebäude ist erst mal Händewaschen angesagt, Chlorgeruch begleitet einen hier den ganzen Tag. Ausgecheckt und ziemlich erschöpft werden wir von einigen Kameraden in Empfang genommen. "No touch"-Policy von Anfang an. Man berührt sich, wenn überhaupt, nur am Ellenbogen, der Ersatz für den sonst obligatorischen Handschlag – Gewöhnungssache, aber das wird schnell gehen. Das Hotel, in dem wir untergebracht sind, habe ich mir schlimmer vorgestellt, es ist okay.

Einer der „Zimmergenossen“

Einer der „Zimmergenossen“ (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Jedes Zimmer klimatisiert, zwei, drei Geckos, die durchs Zimmer huschen, aber ansonsten echt gut. Ein sehr langer erster Tag geht zu Ende.

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Samstag, 20. Dezember 2014

Ankunft in der noch nicht ganz fertigen ETU

Ankunft in der noch nicht ganz fertigen ETU (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Der erste richtige Tag im Einsatzland. Allerdings beginnt er wie jeder andere erste Tag in einer neuen Dienststelle – die Ankunft muss administrativ erledigt werden. Schnell wird klar: Rotes Kreuz und Bundeswehr verstehen sich als ein Team, mit nur einem Ziel: so schnell wie möglich die "Ebola Treatment Unit" (ETU) fertigzustellen. Dazu ziehen hier alle an einem Strang, man kommt schnell mit jedem ins Gespräch.

In der ETU wurden Leitungen für Wasser und Chlorlösung verlegt

In der ETU wurden Leitungen für Wasser und Chlorlösung verlegt (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Am Nachmittag bekommen wir von einem Mitarbeiter des DRK die noch nicht ganz fertige ETU gezeigt. Es ist bedrückend, in einem Zelt zu stehen, dass einmal für totkranke Ebolapatienten das womöglich letzte Dach sein soll, unter dem sie sterben könnten. Überall riecht es nach Chlor, überall stehen Eimer mit Chlorlösung, Wannen für die Stiefel und das DRK hat sogar Leitungen im Lager verlegt, aus deren Hähnen Chlorlösung kommt. Hier ist ein gigantischer, logistischer Aufwand betrieben worden, der kurz vor der Fertigstellung ist. Darauf sind hier alle zu Recht sehr stolz.

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Sonntag, 21. Dezember 2014

Deutsche Soldaten helfen in Monrovia

Deutsche Soldaten helfen in Monrovia (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Heute ist dann noch mal Begehung der ETU, dieses Mal mit dem „Standardwaffensystem“ des Pressefeldwebels, der Kamera. Gut 350 Bilder rauschen am heutigen Tage durch, am Ende der Woche werden es 2.800 sein.

Nach dem Mittagessen läuft eine Spinne, so groß wie meine Hand, über die Hauswand. Man gewöhnt sich an alles. Auch daran, dass hier ständig irgendwelche Agamen über die Terrasse laufen. Auch das ist eben Afrika.

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Montag, 22. Dezember 2014

Die Hitze und drückende Schwüle sind echt der Hammer. Jedes Mal, wenn man aus einem klimatisierten Raum herauskommt, ist das wie ein Schlag ins Gesicht, über allem strahlt die afrikanische Sonne.

Während der Zertifizierung

Während der Zertifizierung (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Heute ist ein großer, wichtiger Tag für uns alle. Gesundheitsministerium, Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Vereinten Nationen (VN) sind da, um "unsere" ETU zu begehen und zu zertifizieren. Dafür haben auch die lokalen Arbeitskräfte bis in die späte Nacht hinein geschuftet. Unsere Gäste lassen sich alles sehr genau zeigen und erklären, stellen eine Menge Fragen. Es kommt einem manchmal wie ein Test des Personals vor.

Gilt als wahrscheinlichster Überträger des Ebola-Virus: Der Flughund

Gilt als wahrscheinlichster Überträger des Ebola-Virus: Der Flughund (Quelle: Flickr.com/Djigiarov)Größere Abbildung anzeigen

Abends sehe ich Flughunde, mögliche Überträger des Ebola-Virus. Majestätisch und schön fliegen sie lautlos über das Hotel. Gut einen Meter Spannweite dürften die Größten von ihnen haben. Faszinierend.
Die Stimmung heute Abend ist gut, denn unsere ETU ist zertifiziert und als die technisch beste ETU in ganz Liberia bezeichnet worden.

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Dienstag, 23. Dezember 2014

Während des Trainings in der ETU

Während des Trainings in der ETU (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Heute starten wir mit unserem Teamtraining. Alle sind da wo sie sein müssen, jeder hat seine spezielle Aufgabe: die Ärzte, die Schwestern (Nurses), örtliches Pflegepersonal, Sprayer (Desinfektionsteams) und alle üben, üben, üben. Immer wieder werden die Anzüge angelegt („Doning“) und dann unter den Augen der Sprayer ausgezogen („Doffing“). Dabei wird literweise Chlorlösung zum Absprühen und Händewaschen verbraucht.

Viele lokale Helfer müssen ausgebildet werden

Viele lokale Helfer müssen ausgebildet werden (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Das, was hier in Sachen Wasser auf die Beine gestellt wurde, ist mehr als beeindruckend. Neben einem 70 Kubikmeter-Tank stehen 32 Tanks a 5.000 Liter, die neben Chlorlösung auch noch reinstes Trinkwasser bevorraten. Insgesamt 230.000 Liter Flüssigkeit, immer und überall verfügbar.

Training, Training, Training

Training, Training, Training (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Nach dem Training findet am Nachmittag die Eröffnung der ETU statt. Der Gesundheitsminister Liberias, Vertreter der UN, der deutsche Botschafter, Geistliche und weitere Behördenvertreter sind anwesend. Es wird für uns alle triumphal, überall Bewunderung und anerkennendes Nicken, der Minister trinkt aus unserem Hahn das aufbereitete Wasser und weiß kaum, was er sagen soll. So etwas ist offenbar nicht normal, selbst in den anderen ETU`s.

Während des Trainings in der ETU

Während des Trainings in der ETU (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

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Mittwoch, 24. Dezember 2014

Die Medaille „Weihnachten 2014 im Einsatz“

Die Medaille „Weihnachten 2014 im Einsatz“ (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Weihnachten. Irgendwie hatte ich ein bisschen Bammel vor diesem Tag. Aber es ist okay. Nach den Strapazen von gestern, spannen wir heute etwas aus. Ich nutze die Zeit, um mit meiner Familie zu Hause zu sprechen.
Abends sitzen wir draußen und genießen ein fürstliches Barbecue und eine unvermeidliche Darbietung von Weihnachtsmann und Christkind, die mit einem Pickup plötzlich auf den Hof kommen. Jeder bekommt Geschenke, unter anderem bekommen wir eine Medaille "Weihnachten 2014 im Einsatz".

Unser Spieß verliest Weihnachtswünsche von zum Teil völlig unbekannten Menschen, die einfach an uns geschrieben haben, die an "ihre" Soldaten einfach einen Gruß und gute Wünsche loswerden wollten. Sehr schön!

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Donnerstag, 25. Dezember 2014

Erster Feiertag und auch Feiertag in Liberia. Ausschlafen und mal ganz langsam den Tag angehen lassen. Das muss auch mal sein, noch können wir es uns das leisten. Sobald der erste Patient bei uns in der ETU liegt, gehen wir in den Schichtbetrieb. Deshalb beschäftigt sich noch jeder mit persönlichen Dingen, tankt Kraft. Viele haben jetzt zwei Wochen am Stück durchgeackert, zum Teil bis in die Nacht. Aber wir haben es geschafft. Wir sind fertig und im „Standby“.

Weihnachten in Afrika

Weihnachten in Afrika (Quelle: Bundeswehr/Dennis K.)Größere Abbildung anzeigen

Am Nachmittag fahren wir das erste Mal durch Monrovia. Eine Stadt mit mehr Einwohnern als Köln, die meisten davon bitterarm. Viele leben hier ohne Strom oder fließend Wasser. Armut und Dreck wohin man schaut, Chaos auf den Straßen, ein Umfeld, das man jetzt erst als ideale Basis für einen von Mensch zu Mensch übertragbaren Virus versteht.

Und doch gibt es hier mittlerweile wieder so etwas wie normales Leben. Die Leute treffen sich auf der Straße, sitzen zu 8 oder 10 Personen in einem Sammeltaxi, herzen sich, sitzen in Straßenbars. Mir wird mulmig mit dem Wissen um die Übertragung bei der Vorstellung. Ich persönlich glaube nicht, dass Monrovia es schon hinter sich hat. Vor ein paar Tagen fanden die Senatswahlen statt - viel Bewegung, die Weihnachtstage, viele Familien die zusammenkommen: nein, das ist nicht gut. Viele von uns denken genauso.
Die „Top Ten“ der Todesursachen wird von Krankheiten beherrscht, allen voran die Malaria. Aber auch Cholera, Typhus usw. Verkehrsunfälle rangieren auf Platz 16. Das muss man sich mal vorstellen.

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Freitag, 26. Dezember 2014

Schwerpunkt war heute die Arbeit im Büro. Im Prinzip habe ich den ganzen Tag damit verbracht, Fotos zu sichten, Auswahlen zu treffen und mit dem Presseoffizier eine Präsentation für die Ausbildung in Hammelburg bzw. Würzburg zu machen. Dazu fragt man sich einmal natürlich durch alle Fachbereiche, unterhält sich mit den Technikern, spricht mit den Medizinern. Fakten, Fakten, Fakten. Theoretisch arbeiten wir hier von 8 - 19:00 Uhr. Vor 21.00 Uhr bin ich jedoch meistens nicht aus dem Büro heraus – es sei denn, ich bin unterwegs, um Fotos zu machen. Es gibt immer etwas zu tun. Und wenn man selbst für seinen Bereich nichts hat, dann hilft man dem anderen. Ganz einfach und völlig selbstverständlich.

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Stand vom: 29.01.15 | Autor: Dennis K.


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