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Einsatztagebuch KFOR: „Was für ein schöner Tag - es geht nach Hause“

Prizren, 22.05.2014.

Seit Mitte Januar ist Oberstleutnant Frank B. als Abteilungsleiter S6 (Informations- und Kommunikationstechnik) im 37. Deutschen Einsatzkontingent KFOR in Prizren eingesetzt. Von seinen Erlebnissen, Erfahrungen und Begegnungen im Kosovo berichtet er regelmäßig in seinem Einsatztagebuch.

Blick auf Prizren, die Sinan-Pascha-Mosche und den Fluss Bistrica

Blick auf Prizren, die Sinan-Pascha-Mosche und den Fluss Bistrica (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Wenn ich diesen fünften und letzten Teil meines Tagebuches schreibe, sind es nur noch zwei Tage, bis ich endlich wieder zu Hause bin. Ich freue mich schon riesig, denn viereinhalb Monate fernab von Familie und Heimat sind schon eine lange Zeit.

Mir kam es dabei so vor, als ob man nach drei Monaten doch langsam in einer anderen Welt lebt – auch wenn man das eigentlich nicht will. Das ist vielleicht aber auch gut so, weil es ansonsten schwierig sein wird, alle Aufgaben für die Dauer des Einsatzes zu bestehen. Und diese werden nach drei Monaten nicht leichter.
Man hat sich nach einer Beobachtungsphase sehr viel vorgenommen und will seine Ziele durchsetzen. Dann sieht man, wie die Zeit verfliegt und muss sehr genau und fleißig weiterarbeiten. Zwischenmenschlich wird es auch nicht leichter - anfangs vermutete Charaktere bestätigen sich leider manchmal im Negativen und ein Ausweichen ist im Einsatz kaum möglich.

Kleine Erkundung in Prizren

Abgesehen von der Lage im Norden des Kosovo, ist die Situation im Süden und in der Mitte ruhig und stabil. In Prizren, also bei uns im Süden, ist es uns daher möglich, Teile der Stadt zu besichtigen. Diese Gelegenheit habe ich gerne wahrgenommen, um mir ein Bild von der Stadt und ihren Einwohnern machen zu können.

Geführt wurden wir durch eine unserer Sprachmittlerinnen aus dem Feldlager. Um in die Stadt zu gelangen, ist zunächst ein kleiner Fußmarsch von einem guten Kilometer notwendig. Erste Station war die Sinan-Pascha-Mosche, die 1615 erbaut wurde. Von dort aus ging es bergauf durch ein ehemals von Serben bewohntes Stadtviertel auf die alte Festungsanlage.

Auf dem Weg zur alten Festungsanlage „Kale“ von Prizren

Auf dem Weg zur alten Festungsanlage „Kale“ von Prizren (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Zum Teil ist dieses Viertel noch unbewohnt, da die Eigentumsverhältnisse unklar sind oder die Grundstücke nicht verkauft werden. Die Ruinen erinnern – zusammen mit zahlreichen Gräbern, Friedhöfen und Gedenkstätten im ganzen Kosovo – an die grausamen Zeiten vor fast 15 Jahren.
Wenn man jetzt Land und Leute sieht, denkt man nicht unbedingt an diese Zeit. Die Gedanken sind eher, wie schlecht es den Menschen hier geht und was wir zu Hause doch für prima Lebensbedingungen haben - und trotzdem jammern.

Ich erinnere mich an die Ausbildung für diesen Einsatz, in der ein ziviler Referent sinngemäß mahnte: „Denken Sie im Kosovo immer daran: die gesamte Bevölkerung ist aufgrund der stattgefundenen Gräueltaten traumatisiert. Es gibt keine Familie, die davon nicht betroffen ist, egal welcher Abstammung.“ Die Wunden werden sehr viel Zeit und Generationen brauchen, bis sie verheilen.

Die Einwohner von Prizren genießen die Aussicht

Die Einwohner von Prizren genießen die Aussicht (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Bei sehr schönem Wetter am Tag der Stadtbesichtigung habe ich viele Einwohner von Prizren auf der alten Festungsanlage „Kale“ angetroffen. Viele junge Menschen und junge Familien haben die Sonne und die Aussicht genossen. Ein kleiner Junge, etwa sechs Jahre alt, lief aus seiner Familie auf uns Soldaten zu und fragte, ob er sich mit uns fotografieren lassen dürfte. Seinen Wunsch haben wir ihm gerne erfüllt - er hat sich so gefreut.
Es passt zu unserem Bild, dass wir die Bevölkerung hier im Süden immer als sehr freundlich empfunden haben.

Besuch unserer Verteidigungsministerin

Nachdem der Besuch unserer Verteidigungsministerin Ende April leider verschoben werden musste, wurde er kurz vor der Kontingentwechselphase nachgeholt. So besuchte uns die Ministerin am 14. und 15. Mai 2014. Für meine S6-Abteilung gab es rund um den Besuch einiges zu tun. So waren neben der Ministerin noch zwei Bundestagsabgeordnete und eine ganze Heerschar von Journalisten mitgereist. Diese erstellten viel Foto- und Videomaterial und schrieben für die Berichterstattung – viele Daten also, die zügig nach Deutschland in die Redaktionen zu transportieren waren.

In der S6-Abteilung haben wir daher mehrere WLANs zur Verfügung gestellt und hatten am Ende hochzufriedene Journalisten. Für alle Beteiligten war es sehr interessant, den Journalisten etwas über die Schulter schauen zu können und dann auch noch zu verfolgen, wie schnell die gerade übermittelten Daten durch die Redaktionen in Deutschland innerhalb weniger Stunden online gestellt wurden.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf ihrem Weg zum Pressestatement

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf ihrem Weg zum Pressestatement (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Der Kontingentabend mit unserer Verteidigungsministerin war noch erlebnisreicher. Er begann mit einer kurzen, freien Rede, die die gewonnenen Eindrücke im Kosovo voll bestätigten. Ein ehrliches Dankeschön für die hier geleisteten Dienste von unserer Ministerin zu erhalten, war sehr schön.

Beeindruckend war, wie unsere Ministerin auf uns Soldatinnen und Soldaten – im wahrsten Sinne des Wortes – zugegangen ist. Sie ist von Gruppe zu Gruppe gegangen und hat sich mit ihren Soldaten unterhalten, Autogramme gegeben und hat sich gerne mit ihnen fotografieren lassen.
Ich selber hatte die Gelegenheit, mich mit dem Bundestagsabgeordneten Wolfgang Hellmich zu unterhalten. Wir haben fast eine Dreiviertelstunde gesprochen und diskutiert. Die Themen gingen von Datensicherheit, Sicherheitspolitik, dem IT-Projekt HERKULES bis hin zur Umarmung zwischen Altkanzler Gerhard Schröder und Wladimir Putin. Das war für mich ein tolles Erlebnis – vielen Dank, Herr Bundestagsabgeordneter.

PS: Ein Foto dazu gibt es nicht; wir waren zu beschäftigt und auch nicht die Stars des Abends.

Nun heißt es Abschied nehmen

Liebe Leserinnen und Leser, das war’s. Ich hoffe, es war für Sie einigermaßen interessant. Mir hat das Berichten großen Spaß gemacht. Sollte mal wieder ein Einsatz anstehen, würde ich es gern wieder tun.

Die S6-Abteilung des Deutschen Einsatzkontingentes KFOR am 17.Mai

Die S6-Abteilung des Deutschen Einsatzkontingentes KFOR am 17.Mai (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Zum Schluss ein großes Dankeschön an alle Führungsunterstützer im Deutschen Einsatzkontingent KFOR. Es hat mir sehr viel Freude bereitet, mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Den Nachfolgern des 38. Kontingentes wünsche ich viel Erfolg und alles Gute.

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06. Mai 2014

Zeitweise düstere Stimmung wegen der Telefonanlage

Zeitweise düstere Stimmung wegen der Telefonanlage (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Eine nicht gerade unkomplizierte Woche ist vorüber. Unsere deutsche Einsatzkompanie KFOR ist in einem französischen Camp untergebracht. Im Februar hatten uns die französischen Soldaten mitgeteilt, dass sie ihre Truppenteile aus dem Camp abziehen und die verbleibenden Nationen den Betrieb des Camps übernehmen müssten. Da wir bisher unsere in diesem Camp benötigten Telefone an der französischen Telefonanlage angeschlossen hatten, brauchten wir nun eine eigene. Die kam auch aus Deutschland und wir stellten sie in einem Raum unserer Einsatzkompanie auf. Damit mussten wir jetzt eigentlich nur noch die Telefonzuleitungen von der französischen Anlage zur eigenen umlegen. Nichts Weltbewegendes, allerdings war der Weg zum Ziel sehr aufwendig.

Oberfeldwebel B. bei der Prüfung der Telefonanschlüsse

Oberfeldwebel B. bei der Prüfung der Telefonanschlüsse (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Die Absprachen mit den französischen Kameraden dauerten länger als erwartet und das Procedere unterschied sich total von unserem. Als das geschafft war, musste unsere Telefonanlage an das Telefonnetz des Feldlagers Prizren angeschlossen werden. Das ist technisch nicht ganz einfach. Unsere Telefonanlagen verwenden ein Übertragungsprotokoll, das völlig anders als das heutige Internetprotokoll ist. Hierzu stand uns fachkundig unser Betriebszentrum in Rheinbach zur Verfügung.

Nachdem Oberfeldwebel B. dann auch noch ein Verbindungskabel in der Telefonanlage, das sich offenbar beim Transport etwas gelöst hatte, richtig eingesteckt hatte, konnte die Einsatzkompanie mit etwas Verspätung wieder über das Festnetz telefonieren. An dieser Stelle ein großes Lob an den Fernmeldezug der Stabs-/ Versorgungskompanie unseres Einsatzkontingentes, der trotz mancher Rückschläge immer motiviert weiter arbeitete.

Gute Laune herrscht in der IT-Zentrale

Gute Laune herrscht in der IT-Zentrale (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Ohne Verbindung war die Kompanie zwischenzeitlich jedoch nicht, schließlich gibt es noch Handys, und diese teilweise sogar mit Verschlüsselung. Für den absoluten Notfall gibt es noch Funk und Satellitentelefone.

Nach so einer Woche freue ich mich dann, an unserer IT-Zentrale vorbeizugehen. Da springt die gute Laune von Oberfeldwebel B. regelrecht über.

IT-Zentrale ist Knotenpunkt

In der IT-Zentrale findet der Datenaustausch zwischen verschiedenen Netzwerken statt, die aus Sicherheitsgründen technisch nicht gekoppelt werden dürfen. In der Praxis heißt das, in einem System ausdrucken und im anderen einscannen. Das kostet viel Zeit, ist aber unvermeidbar.
Die eine oder andere Diskussion mit den Nutzern hat man natürlich. Die zweite große Baustelle ist ein Schleusen-PC. Es gibt viele Dateien, die von USB-Stick, CD/DVD oder Speicherkarte in unser Netzwerk eingespielt werden sollen. Diese prüft Oberfeldwebel B. zunächst auf einem separaten PC auf Virenbefall oder ähnliches, bevor er die Dateien einspielt.

Allein ist er dabei natürlich nicht, er wird durch zwei Soldaten unterstützt. Die IT-Zentrale öffnet täglich als erste und schließt als letzte. Gleichzeitig ist sie auch die Poststelle des Stabes.

Stabsgefreiter S. und Oberstabsgefreiter H. beim Verteilen von Tageszeitungen

Stabsgefreiter S. und Oberstabsgefreiter H. beim Verteilen von Tageszeitungen (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Es fällt hier richtig viel Post an, da auch die Feldpost an die einzelnen Empfänger im Stab verteilt wird. Neben Briefen sind das vor allem auch viele Päckchen und Pakete aus der Heimat. Bevor diese abgeholt werden, wird bei Stabsgefreiten S. und Oberstabsgefreiten H. öfter mal nachgefragt, ob denn etwas angekommen sei. Der Feldpostweg von Deutschland nach Prizren dauert per Lkw ungefähr sechs bis acht Tage.

Auch mit Tageszeitungen sind wir hier gut versorgt. Diese kommen per Lufttransport von Deutschland nach Pristina und werden dort von uns abgeholt. Da aber nicht jeden Tag ein Flieger ankommt, schwanken die Ausgaben von aktuell bis hin zu zwei oder drei Tage alt. Aufgrund der Online-News, die man per Smartphone empfangen kann, ist das in diesem Einsatz jedoch kein Problem.

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24. März 2014

Vor zwei Tagen wurden wir angehalten, besonders sparsam mit dem Wasser umzugehen. Eine Förderpumpe für Brunnenwasser sei nicht in Ordnung und würde weniger Wasser in die Zisterne unseres Feldlagers in Prizren pumpen.

Sogar Einweg-Tabletts gibt es (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Beim Frühstück am nächsten Morgen dann die nächste Überraschung: Einweggeschirr, um Wasser für den Abwasch zu sparen. Und die Ankündigung, dass ab Mittag die Verpflegung auf Einmannpackungen, auch bekannt als „EPa“, umgestellt wird.


Zugegeben - Das letzte Mal habe ich vor 15 Jahren EPa gegessen. Hat aber alles - ausgenommen der Raviolis mit viel zu viel Champignonsoße - gut geschmeckt. Die Sorten haben sich in all den Jahren wohl nicht großartig verändert. Mich wundert allerdings, warum es noch „EinMANNpackung“ und nicht richtigerweise „EinPERSONENpackung“ heißt.

Abendrot in Prizren (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Mal sehen, ob wir bis zur Fortsetzung des Tagebuchs wieder Wasser haben (Anm. d.R.: am 25.03. wurde das Problem behoben). Bis dahin hat unser ganzes Feldlager leider nur sechs Toilettencontainer, die bei Bedarf mit 10-Liter-Eimern Löschwasser benutzt werden dürfen. Der Grund: Unsere Transportgruppe hat uns natürlich mit Frischwasser aus anderen Feldlagern versorgt.
Nachdem es in die Vorratsbehälter des Feldlagers umgefüllt war, leerten sich diese aber nachts, obwohl der Verbrauch nur gering sein dürfte. Wieso das so ist und woher der „Schwund“ kommt, muss jetzt geklärt werden. Mutter Natur hat uns am Abend dann aber mit einem besonders schönen Sonnenuntergang entschädigt.

Nun aber mal wieder zum „Hobby“ der S6-Abteilung - zur Informationstechnik.

Viele Paletten mit modernster Technik (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Ein verspätetes Weihnachtsgeschenk

Im März erreichte uns eine lang ersehnte Lieferung. Wir müssen unseren Server etwas erweitern und haben nun das bestellte Rack samt Inhalt erhalten. Dann kamen auch noch 30 Laptops zum Austausch sowie 20 PCs mit Monitoren und fünf neue Netzwerkdrucker. Was noch dabei war, verrate ich nicht.
Ein ganz großes Dankeschön an die S6-Kameraden des 36. Kontingentes. Sie hatten das IT-Material noch im Dezember letzten Jahres bestellt. Quasi ein verspätetes Weihnachtsgeschenk. Meine drei Oberfeldwebel haben jedenfalls nicht schlecht gestaunt. Vor allem als ich Ihnen sagte, dass das alles noch heute verschlossen werden muss. Das ist aber das Tolle im Einsatz. Da packt einfach die ganze Abteilung mit an und alles ist in einer Stunde erledigt.

Nach dem Verschließen ist am nächsten Tag die Vollzähligkeitsüberprüfung angesagt. Das ist der Auftritt unseres Asset-Managers. So heißt er auf Neu-Deutsch.

Asset- und Configuration-Manager gut gelaunt (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Die Bundeswehr hat zur Service-Verbesserung ein IT-Service Management eingeführt. Oberfeldwebel K. erfasst nun die neuen Komponenten in einem Software-Tool. Das ist enorm viel Arbeit. Um einen Datensatz zu erfassen muss er sich durch sehr viele Menüs und Felder klicken. Mit zehn Minuten pro Datensatz kann man rechnen. Daher werde ich gleich morgen bei unserem Führungsunterstützungskommando in Bonn nachfragen, ob man für Einsatzgeräte nicht besser eine Vorerfassung in Deutschland vornimmt. Wenn dann alles erfasst ist, kommt der Auftritt von Oberfeldwebel K., der Laptops und PCs konfiguriert und deswegen als Configuration-Manager bezeichnet wird. Von einem Muster-PC erstellt er sich ein Image der Festplatte und spielt es auf die neuen PCs auf. Danach noch Feintuning und ab zum „Kunden“ mit dem Gerät.

Hat auch Spaß bei der Arbeit – unser Mobilfunk-Manager (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Der Dritte im Bunde ist Oberfeldwebel W., unser Mobilfunk-Manager. Wir haben 400 Handys eines örtlichen Providers, die alle vier Monate aus- und zurückgegeben werden müssen. Die monatlichen Rechnungen müssen kontrolliert und der Einsatzwehrverwaltung zur Bezahlung übergeben werden. Zusätzlich prüft er die monatliche Telefonrechnung für das Festnetz und die angemieteten Internet-Leitungen unserer Feldlager mit deutschen Anteilen. Da fällt einiges an Arbeit an.

Zusätzlich unterstützt er zeitweise noch die schon genannten Asset- und Configuration-Manager. Manchmal kommt übrigens die Frage auf, warum die Handy-Anzahl so hoch ist. Nun, Personal ist auch im Einsatz knapp. Die kurzfristige Erreichbarkeit ist daher enorm wichtig, egal ob bei Mannschaften, Unteroffizieren oder Offizieren.

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14. März 2014

Nun wird es Zeit für Teil zwei meines Einsatztagebuches. Und, wer hätte das gedacht, mit der Technik geht es los. Aber keine Sorge - ich bemühe mich verständlich zu bleiben.

Wir haben in der Informationstechnik viele Daten zwischen Deutschland und Prizren zu transportieren. So selbstverständlich wie das mit der Datenübertragung zu Hause von einer Stadt in die andere geschieht, ist es im Einsatz natürlich nicht.

Ein beachtliches Gerät in Prizren ist dabei unsere große Satellitenempfangsanlage, die wir als Bodenstation bezeichnen. Die Schüssel hat einen Durchmesser von etwa 4,50 Metern und macht uns unabhängiger von anderen Übertragungswegen. Verglichen mit üblichen Internetanschlüssen größerer Städte ist die Übertragungsrate geringer.

Die Bodenstation im Feldlager Prizren (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Hier haben wir daher auch zusätzliche Anschlüsse angemietet. Solche Anschlüsse gibt es aber, je nach Einsatzgebiet, entweder gar nicht oder zumindest nicht in der Anfangsphase eines Einsatzes. Und wenn es sie gibt, funktionieren sie auch nicht immer. Nach meiner Einschätzung fällt die Internetverbindung in Prizren alle 14 Tage mindestens für 30 Minuten aus. Alle zwei bis drei Tage gibt es dann noch einen Stromausfall, der meist ein bis drei Minuten andauert. Es ist daher immer sehr beruhigend, Satellitenverbindungen als Backup-Lösung zu zivilen Internet-Anschlüssen oder anderen Übertragungswegen zu haben.

Wir haben nur diese eine große Bodenstation in Prizren. Wenn Wartungs- oder Reparaturarbeiten notwendig sind, müssen diese in eine Zeit gelegt werden, in der die Übertragungsstrecken kaum oder gar nicht genutzt werden. Diesen Fall hatten wir am letzten Sonntag. Während sich das Lager noch überwiegend im Tiefschlaf befand, musste ein defekter Lüfter ausgewechselt werden. Hauptfeldwebel Z., Oberfeldwebel M. und Hauptgefreiter H. machten sich ab sechs Uhr früh ans Werk. Um acht Uhr war dann alles erfolgreich beendet. Großes Kompliment an die Spezialisten.

Dafür, dass die Schüssel schon ihre 20 Jahre auf dem Buckel hat, funktioniert sie recht stabil. Trotzdem müssen wir uns immer rechtzeitig um die Ersatzteile aus Deutschland kümmern. Das wird natürlich von Jahr zu Jahr schwieriger. Aus alten Anlagen gewinnt man neue Ersatzteile – quasi „kannibalisieren“ – bis dann irgendwann tatsächlich das Nutzungsende erreicht wird und neues Gerät benötigt wird.

Betreuungskommunikation

Genauso wichtig wie die dienstliche Kommunikation im Einsatz ist natürlich die private Kommunikation. Denn ohne Kontakt zur Familie und zum Freundes- und Bekanntenkreis wird die lange Abwesenheit schließlich nicht einfacher. Da ist es schon sehr fortschrittlich, dass wir uns in den Unterkünften einen Internetanschluss für 15-20 Euro pro Monat anmieten können. Tägliches Skypen am Abend ist eigentlich schon Routine.

Kontakt in die Heimat halten (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Für das Handy gibt es im Rahmen der Betreuungskommunikation 30 Freiminuten pro Woche für Gespräche nach Deutschland. Wer auf dem Mobiltelefon zusätzlich mobil surfen will, kann sich beispielsweise für etwa fünf Euro ein Daten-Volumen von einem Gigabyte für sein Smartphone bei einem Anbieter einkaufen. Man muss sich aber im Klaren sein, dass vermutlich der gesamte Internet-und Mobilfunkverkehr abgehört wird und man möglicherweise auch mit Viren, Trojaner, usw., angegriffen werden kann. Mein Tipp: Ein altes Handy mitnehmen, auf dem nur die wichtigsten Telefonnummern gespeichert sind.

Zusätzlich zum, mit vielen persönlichen Daten gefüllten, Smartphone sollte man noch ein einfaches Gerät mitnehmen, das nur zum Surfen verwendet wird und auf dem nur so wenig wie möglich Persönliches gespeichert wird. E-Mails oder Dateianhänge sollten immer - egal ob interessant für andere oder nicht - verschlüsselt werden und wenn möglich mit einer App fürs Messaging die verschlüsselt, übertragen werden. Wahrscheinlich werden Profis auch dann noch vieles entschlüsseln können, aber das kostet diese dann auch sehr viel Zeit und Computer-Ressourcen.

Notfallkommunikation und Umweltschutz

Und was ist, wenn die Technik mal absolut versagt? Dann bleibt nur der Umstieg auf alte Indianermethoden – Rauchzeichen.

Rauchzeichen im Kosovo (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Feuerstellen gibt es hier mehr als genug. Etwa alle zwei bis fünf Kilometer wird eigentlich immer Müll verbrannt. Klingt zunächst witzig, ist es aber überhaupt nicht. Jedem Soldaten wird hier sehr schnell bewusst, was es bedeutet, eine vergleichbar saubere Umwelt wie in Deutschland zu haben. Müll wird im Kosovo meist an Ort und Stelle verbrannt oder oft an einem Abhang oder einfach neben einer Straße entsorgt. In der letzten Stabsbesprechung hat unser Logistikstabsoffizier von der Inspektion einer ehemaligen Chemikalienfabrik berichtet. Schockierend – da stehen Industrieabfälle seit fast 14 Jahren herum und verunreinigen nach und nach Boden und Grundwasser. Da ist die Müllverbrennung wahrscheinlich wohl doch das geringere Übel.

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04. März 2014

Oberstleutnant B. im Stab in Prizren (Quelle: Bundeswehr/PAO KFOR)Größere Abbildung anzeigen

Als unser Pressestabsoffizier hier in Prizren fragte, wer denn bereit wäre, regelmäßig in einem Einsatztagebuch zu berichten, war die Resonanz zunächst eher gering. Ist KFOR denn überhaupt interessant genug, um etwas berichten zu können? Habe ich dafür überhaupt Zeit? Wen interessiert denn schon, was ein Abteilungsleiter zur Führungsunterstützung und Informationstechnik so berichtet? Schließlich kann ich keine Wüstenbilder, aufregende Tier- oder gar Abenteuerbilder liefern.

Diese Fragen habe ich dann schnell überwunden. Es muss interessant sein, sonst wären wir ja nicht hier. Bei der Verabschiedung sagte man mir, „viel Spaß in ‚Bad Prizren‘ “ - also muss man auch Zeit haben. Und ob das interessant ist, was ich schreibe, überlasse ich getrost dem Leser. Nun haben wir bereits Anfang März, ich bin schon seit einigen Wochen hier - höchste Zeit also, anzufangen.

Zugegeben - es ist mein erster Einsatz. Bisher habe ich immer auf Positionen gearbeitet, in denen ich nicht abkömmlich war. Musste ich vorher meinen Dienst in Deutschland überwiegend mit einsatzbedingten Vakanzen verrichten, ist es nun also mal umgekehrt. Und ich bin die Vakanz im Inland.

Nun bin ich hier als Abteilungsleiter und stelle mit meinen 20 Soldaten und einem Fernmeldezug von weiteren 13 Soldaten die Kommunikationsfähigkeit für das Deutsche Einsatzkontingent in Prizren sicher. Keine Sorge, ich habe mich nicht verschrieben und die Soldateninnen vergessen. Wir haben hier wirklich keine Soldatin unter den Führungsunterstützern. Jedenfalls noch nicht. Das Kontingent mit seinen rund 700 Soldaten besteht zu etwa 10 Prozent aus Kameradinnen. Sie sind überwiegend in der Sanitätseinsatzkompanie und der Einsatzwehrverwaltung tätig.

Bevor ich bis zum Mai regelmäßig aus der Führungsunterstützung, der Informationstechnik, dem Lagerleben und dem Leben außerhalb des Feldlagers berichte, möchte ich einen kurzen Rückblick wagen.

Wenig Zeit für die Vorbereitung

Zum Einsatz hatte ich mich im Oktober 2013 gemeldet. Als Einsatzzeitraum hatte ich das Kontingent ab Mai / Juni 2014 angegeben. Zwei Tage später erhielt ich die Information, dass ich bereits ab Januar eingeplant werde, die Abteilungsleiterstelle sei noch nicht besetzt. Damit musste ich meine vorbereitende Ausbildung sehr kurzfristig planen. Das war gar nicht so einfach. Geht man mit seinem Truppenteil in den Einsatz, gibt es eine zentrale Steuerung, die die ganzen Ausbildungen organisiert. Ist man aber, so wie ich jetzt, Einzelkämpfer, gerät man zunächst in ein, zumindest gefühltes Gewirr von Nichtzuständigkeiten. Irgendwann ist dann klar, welche Ausbildungen notwendig sind und wann, beziehungsweise wo sie stattfinden.

Start in den Einsatz von Köln-Wahn aus (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Am 12. Januar war es dann soweit. Von meinen drei Kindern verabschiedete ich mich am Vorabend und von meiner Frau um 04:15 Uhr. Ein ganz komisches Gefühl - „Tschüss“ und weg für vier Monate. Während des Fluges von Köln-Wahn nach Pristina gab es zweimal Getränke an Bord – Luxus pur. Eine echte Steigerung gegenüber einem Flug mit einer C-160 Transall.

Umfangreiche Aufnahmeprozedur

Nach der Landung in Pristina ging es per Bus nach Prizren. Hier begann das sogenannte „IN-Processing“: Waffe, Schutzweste und Zubehör empfangen, dann zur Personalabteilung, um meine Angaben handschriftlich auf zahlreiche Formulare zu übertragen. So vergisst man wenigstens seinen Namen nicht. Auf die Kopien der etwa 50 Belehrungsniederschriften habe ich verzichtet, einfach um Gewichtsprobleme beim Gepäck auf dem Rückflug in vier Monaten zu vermeiden.

Danach begann die eigentlich schwierigste Zeit, die Übernahme der Aufgaben. Eigentlich ist das kein Problem. Wenn jedoch parallel das gesamte Personal in einem Zeitraum von drei Wochen ausgetauscht wird, ist das schon extrem fordernd. Andere Kameraden haben mir das bestätigt.

Abendstimmung über dem Feldlager von Prizren (Quelle: Bundeswehr/Frank B.)Größere Abbildung anzeigen

Nach einer Woche Übergabe hat sich dann mein Vorgänger verabschiedet und der Einsatz konnte nun „richtig“ beginnen. Die ersten vier Wochen waren von einer umfangreichen Bestandsaufnahme geprägt. Danach konnte ich mir ein eigenes Urteil bilden. Von den Ergebnissen werde ich später berichten.

Egal, wie ein Tag beginnt oder endet - Eines ist ganz toll: Das Wetter und das Panorama sind hier recht abwechselnd. Und so schließe ich den ersten Teil des Einsatztagebuchs mit einer wunderschönen Abendaufnahme aus Prizren von Ende Februar.

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Stand vom: 22.05.14 | Autor: Frank B.


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