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Der Einsatz im Libanon

Karte vom Einsatzgebiet UNIFIL
Karte vom Einsatzgebiet UNIFIL (Quelle: Bundeswehr)

UNIFIL ist einer der ältesten friedenserhaltenden Einsätze der Vereinten Nationen. Er wurde im März 1978 nach der Operation „Litani“ gegründet, seine Grundlage sind die Resolutionen 425 (1978) und 426 (1978) des UN-Sicherheitsrats. UN-Blauhelmsoldaten überwachen seitdem die Einhaltung des Waffenstillstands an der 121 Kilometer langen „Blue Line“ zwischen Israel und dem Libanon.

Seit 1978 setzen sich Blauhelmsoldaten der UNIFIL-Mission (United Nations Interim Force in Lebanon) für Frieden zwischen Libanon und Israel ein. Anfangs zählten die Überwachung eines angestrebten Waffenstillstands und die Bestätigung des Abzugs israelischer Streitkräfte aus dem Libanon zu ihren Aufgaben. Heute sind die UNIFIL-Blauhelme etwa 10500 Mann stark und kommen aus rund 40 Nationen.

Nach dem Zweiten Libanonkrieg im Jahr 2006 wurde das Mandat ergänzt. Seitdem unterstützt UNIFIL die libanesische Regierung dabei, die Seegrenzen zu sichern und Waffenschmuggel von See zu verhindern. Der Maritime Einsatzverband UNIFIL war der erste Flottenverband unter Führung der Vereinten Nationen - deutsche Schiffe und Boote operieren von Beginn an in diesem Verband. Die Schiffe unterbinden Waffenschmuggel auf dem Seeweg in den Libanon und tragen so zu Stabilität und Sicherheit in der Region bei. Die Libanesische Marine hat wertvolle Ausrüstung von Deutschland erhalten, darunter Wachboote und Küstenradarstationen. Deutsche Marinesoldaten engagieren sich außerdem seit mehreren Jahren in der Ausbildung ihrer libanesischen Kameraden.

Auftrag - Ausbildung, Seeraumüberwachung, Ausrüstung

Zu Beginn des Marineeinsatzes stand noch die reine Seeraumüberwachung im Vordergrund. Heute wird die Libanesische Marine auch dabei unterstützt, die Seegrenzen des Landes einmal selbst sichern zu können. Unzählige libanesische Soldaten haben an Ausbildungsmodulen teilgenommen und konnten ihre Fähigkeiten in der Seeraumüberwachung und der taktischen Arbeit von Seestreitkräften deutlich steigern. Wurden anfänglich noch Soldaten in einzelnen Aspekten unterrichtet, üben mittlerweile libanesische Boardingteams an Bord von Korvetten des UN-Verbands und Wachboote der Libanesischen Marine nehmen an Übungen und Operationen der Maritime Task Force teil.

An der Marineschule in der Nähe von Beirut planen deutsch-libanesische Ausbilderteams Workshops und Module, - etwa in Navigation, Seemannschaft und Taktik - und nutzen dazu unter anderem einen mit deutscher Unterstützung eingerichteten Simulator. Seit 2011 bildet die Deutsche Marine in jedem Jahrgang libanesische Offizieranwärter an der Marineschule Mürwik aus, wo sie sich auf Führungsaufgaben in der Libanesischen Marine vorbereiten. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen würdigt in seinem Fortschrittsbericht (UN S/2017/201, zuletzt März 2017) regelmäßig die internationale Ausbildungsunterstützung als nachhaltigen Beitrag.

In der Seeraumüberwachung sorgen UN-Schiffe und die Küstenradarstationen der Libanesischen Marine dafür, dass kein Schiff unentdeckt bleibt, das libanesische Gewässer ansteuert. Der Schiffsverkehr wird in Korridoren vor den Haupthäfen kanalisiert und überwacht. Seit Beginn der Operation wurden rund 81.000 Schiffe überprüft und mehr als 10.000 zur Inspektion in die Häfen Beirut, Sidon und Tripoli geleitet - diese lückenlose Kontrolle des Seegebiets wirkt für Waffenschmuggler abschreckend. Dem UN-Verband ist es damit gelungen, ein engmaschiges Netz auf See zu etablieren, um Waffenschmuggel von See zu verhindern.

Der Libanon erhielt aus Deutschland eine Kette aus Radarstationen und einer Kontrollzentrale, die bis 2013 entlang der Küste errichtet und deren Bediener von deutschen Marinesoldaten ausgebildet wurden. Damit steht dem Libanon jederzeit ein Lagebild der eigenen Küstengewässer zur Verfügung. Neben zwei Polizeibooten (ehem. „Bremen 2“ und „Bremen 9“) ergänzt ein Sicherungsboot der Bundeswehr (ehem. „Bergen“) die libanesische Flotte. Dazu kamen ein Simulator zur Navigations- und Radarausbildung und eine Ausbildungswerkstatt für Maschinisten. Zuletzt wurden vier Elektronikwerkstätten übergeben, mit denen die Libanesische Marine die Anlagen ihrer Schiffe und der Radarstationen eigenständig funktionsfähig halten kann.

Auftrag der Soldaten an Land und auf See ist es letztlich, einen Rahmen für die politische Lösung offener Fragen zwischen Israel und Libanon zu bieten. Die unter Vermittlung von UNIFIL geführten "Dreiparteiengespräche" sind das einzige Forum, in dem Israel und Libanon direkt miteinander sprechen. Durch diesen Mechanismus konnten die Partien immer wieder Situationen mit Eskalationspotenzial lösen.

Truppensteller

Im Marineverband befinden sich durchschnittlich fünf bis acht Kriegsschiffe, aktuell kommen sie aus Bangladesch, Brasilien, Griechenland, Indonesien, Türkei und Deutschland. Der Verband wird von einem brasilianischen Admiral an Bord seines Flaggschiffs geführt. Deutschland stellt durchschnittlich etwa 150 Soldaten, die Mandatsobergrenze des Deutschen Bundestags liegt bei 300.

Die deutschen Soldaten sind im Ausbildungskommando Libanon, an Bord einer Korvette im Marineverband, im UNIFIL-Hauptquartier in Naqura und in einer Unterstützungsgruppe auf Zypern im Einsatz. Seit Beginn der Operation stellt die Bundeswehr ununterbrochen Schiffe und Personal. Deutsche Flaggoffiziere haben den Marineverband von 2006 bis 2008 und in 2009 als Seebefehlshaber geführt. Zur Premiere im Herbst 2006 stand er unter dem Kommando des heutigen Vizeadmirals Andreas Krause, Inspekteur der Deutschen Marine.

Mandate und Entwicklung

UNIFIL ist einer der ältesten friedenserhaltenden Einsätze der Vereinten Nationen. Er wurde im März 1978 nach der Operation Litani gegründet, seine Grundlage sind die Resolutionen 425 und 426 des UN-Sicherheitsrats. Blauhelmsoldaten überwachen seitdem die Einhaltung des angestrebten Waffenstillstands an der 121 Kilometer langen „Blue Line“ zwischen Israel und Libanon.

Der Einsatz des Flottenverbandes geht auf den 33-Tage Krieg (bzw. Zweiten Libanonkrieg) im Sommer 2006 zurück. Nach der Entführung zweier Soldaten und dem Beschuss israelischen Territoriums marschieren israelische Truppen in den Libanon ein und blockieren die Seewege. Kein Schiff kann den Libanon mehr ansteuern oder verlassen. Der libanesische Premierminister ersucht die Vereinten Nationen um Unterstützung bei der Sicherung der seeseitigen Grenzen. Der Sicherheitsrat legitimiert mit der Resolution 1701 den Einsatz der „Maritime Task Force“ - zum ersten Mal in ihrer Geschichte setzen die Vereinten Nationen Seestreitkräfte ein. Am 15. Oktober übernimmt der deutsche Flottillenadmiral Andreas Krause als Verbandsführer das erste Kontingent.

Die Seeblockade endete mit Ankunft der UN-Schiffe, damit war ein erster wichtiger Schritt zur Deeskalation getan. Handel und Seeverkehr nahmen wieder zu und führten zur Verbesserung der Lebensqualität im Land. Das Mandat des UN-Sicherheitsrats und das Mandat des Deutschen Bundestags wurden seit Beginn der Operation stets verlängert. Das jüngste Mandat des UN-Sicherheitsrats ist gültig bis zum 31. August 2018, das Mandat des Deutschen Bundestages bis zum 30. Juni 2018.

Operationsplan

Der UNIFIL-Verband operiert in einem Einsatzgebiet entlang der libanesischen Küste, das sich über ungefähr 200 mal 80 Kilometer erstreckt und damit etwa so groß ist wie Schleswig-Holstein. Bei der UNIFIL handelt es sich um eine friedenserhaltende Maßnahme – einen sogenannten Blauhelm-Einsatz unter Führung der Vereinten Nationen. Dementsprechend sind die Einsatzregeln robust, aber nicht offensiv gestaltet.

Die UN-Resolutionen 1701 und 1773 ermächtigen die UNIFIL, Feindseligkeiten im Einsatzgebiet zu unterbinden, die Seewege vor dem Libanon zu überwachen und Waffenschmuggel von See zu verhindern. Die Schiffe dürfen andere Fahrzeuge in libanesischen Gewässern abfragen, anhalten, umleiten oder boarden. Die Soldaten dürfen militärische Gewalt zur Abwehr von Angriffen anwenden oder um die Bewegungsfreiheit von UNIFIL-Kräften sicherzustellen. Handelsschiffen kann auf Ersuchen der libanesischen Behörden das Einfahren in die Territorialgewässer des Libanon verboten werden.

Die Marineschiffe patrouillieren im Einsatzgebiet und arbeiten mit den weitreichenden Radarstationen der Libanesischen Marine zusammen. Werden verdächtige Schiffe ausgemacht, werden sie an die libanesischen Behörden übergeben, die sie in einem Hafen eingehend überprüfen. Den Soldaten an Bord obliegen keine Rechte zur Strafverfolgung.


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Stand vom: 09.02.18


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