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Ich bin iM EINsatz: „Der GeZi- Mann für alle Fälle“

Pristina, 02.04.2014.


Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In dreizehn Einsatzgebieten leisten deutsche Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

SU Phillip O. bei seiner Arbeit im KFOR- Hauptquartier (Quelle: Bundeswehr/Stefan B.)Größere Abbildung anzeigen

Hallo, mein Name ist Philipp O. und ich stamme aus Erkelenz. Seit Oktober 2008 bin ich bei der Bundeswehr. Meine Heimatdienststelle ist die 5.Kompanie des Logistikbataillons 7 in Unna. Dort werde ich in der Umschlaggerätegruppe als stellvertretender Gruppenführer eingesetzt. Als Fahrer und Ausbilder kümmere ich mich dort um Materialumschlag. Seit Beginn meiner Dienstzeit bin ich in Unna stationiert und lebe auch dort.

Da der KFOR-Einsatz mein erster Auslandseinsatz ist, habe ich mir natürlich vor Einsatzbeginn eine Menge Gedanken gemacht. Was da wohl alles auf mich zukommen wird? Auch weil ich im Einsatz eine andere Aufgabe habe als in der Heimat.
Im Juni 2013 hatte ich erfahren, dass ich als Stabsdienstunteroffizier im Geschäftszimmer eingesetzt werde und vorrangig Bürotätigkeiten zu erledigen habe. Daraufhin habe ich gleich einmal ein „Praktikum“ bei uns in der Einheit gemacht. Wie sich zeigte, war das eine gute Idee.
Etwas Bammel hatte ich dann schon, auch ob ich mit meinem Schulenglisch im multinationalen Umfeld klar kommen würde. Aber das geht viel besser als gedacht.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

„Alte Bekannte“ -Der „Spieß“ und Phillip O. kennen sich schon aus Unna (Quelle: Bundeswehr/Stefan B.)Größere Abbildung anzeigen

Ich bin Angehöriger der Kompanieführungsgruppe der Stabs- und Versorgungskompanie DDO (Dienstältester Deutscher Offizier) Deutscher Anteil im KFOR-Hauptquartier in Pristina. Zusammen mit dem Kompaniefeldwebel, also dem „Spieß“, bin ich für alle administrativen Tätigkeiten verantwortlich.

Da trifft sich gut, dass der „Spieß“ auch in Unna mein Teileinheitsführer ist – Da brauchte ich mich schon mal nicht umstellen.

Einen Routinetagesablauf gibt es nicht wirklich. Dazu sind die Aufgaben viel zu vielschichtig. Dennoch gibt es auch Verfahren und Abläufe die sich wiederholen. Eine ständig wiederkehrende Aufgabe ist der Abgleich der Personallisten, da regelmäßig Personalwechsel stattfinden. Das bedeutet, dass ich die genauen IN- und OUT-Daten mit unserer Personalführung abstimmen muss, weil sich daraus viele andere Arbeitsschritte ableiten.
Jeder Soldat bekommt beispielsweise eine kleine Erinnerungsgabe für seinen Dienst im Einsatz. Da wäre es blöd, wenn die Daten falsch wären – Kleinigkeiten, die in ihrer Wirkung bei den Betroffenen aber nicht unterschätzt werden sollten.

Es ist wie oft im Leben: Wenn man gut arbeitet, merkt es keiner – wenn nicht, merkt es jeder. Zudem wird man hier schnell als Fachmann gesehen, weil man ja auf dem Dienstposten sitzt. Da will man sich ja auch nicht blamieren.

Das mach meine Tätigkeit bhier besonders.

„Knietief im Schnee“ – Auf dem Weg zur „Zitadelle“ (Quelle: Bundeswehr/Phillip O.)Größere Abbildung anzeigen

Es fällt mir hier schon auf, dass die Kameradschaft hier noch intensiver gelebt wird ist als in der Heimat. Das liegt schon daran, dass man eben nach „Dienstschluss“ nicht mal eben nach Hause fahren kann, sondern eigentlich rund um die Uhr im Dienst ist. Da lernt man sich viel besser kennen als daheim. Da kann ich auch gut verkraften, dass meine Privatsphäre sehr eingeschränkt ist. Doch mit meinem Mitbewohner im Container verstehe ich mich gut und das ist schon alles okay so.

Eine meiner Aufgaben macht mir besonders viel Spaß: Ich unterstütze beim Planen und Organisieren von Betreuungsmaßnahmen. Denn allzu viele Ablenkungen gibt es hier neben dem Dienst nun wirklich nicht. An einer solchen Maßnahme habe ich selbst teilnehmen können - eine Bergtour auf die „Zitadelle“, eine Berghütte auf rund 1.700 Metern Höhe. Für mich als „Flachlandtiroler“ war es ein besonderes Erlebnis, bis zu den Knien durch den Schnee zu stapfen.

Motivierend für mich ist es zu sehen, dass es uns gelingt, unsere Kameraden mit unserer Arbeit etwas zufriedener machen zu können.

Woran ich mich anfangs nicht so richtig gewöhnen konnte, ist das ständige Dröhnen der Hubschrauber bei Starts und Landungen. Es ist ungewohnt, quasi in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Flugplatz in einem hellhörigen Container zu schlafen. Aber nach ein paar Tagen waren es bloß noch Hintergrundgeräusche. Zum Einsatz gehört ja auch, sich mit den kleinen Widrigkeiten des Alltages zu arrangieren.

So hat das Kosovo zum Beispiel nur ein Kohlekraftwerk, das möglicherweise nicht nach den neuesten Umweltstandards betrieben. Blöd ist, wenn man unmittelbar daneben seinen Arbeitsplatz hat. Aber so lernt man auch unsere heimischen Umweltstandards etwas mehr zu schätzen.

Das vermisse ich hier am meisten.

„Die Kameradschaft wird hier noch intensiver gelebt“ (Quelle: Bundeswehr/Stefan B.)Größere Abbildung anzeigen

Ich vermisse meine Familie und ganz besonders meine Verlobte. Im September wollen wir heiraten und ich bin erst im Juni wieder zu Hause.

Naja, und dann fehlen mir persönlich noch die kleinen Annehmlichkeiten des Alltages. Ich schwimme leidenschaftlich gerne, aber das geht hier leider überhaupt nicht. Schon eine große heiße Badewanne wäre ein echter Traum.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Das Wichtigste ist erst einmal, dass wir alle gesund und munter wieder nach Hause kommen. Alles andere kommt danach.

Zunächst möchte ich noch so viele Eindrücke wie möglich von Land und Leuten gewinnen. Gerade die Kultur im Kosovo möchte ich noch besser kennenlernen.

Wenn ich mich ab 2015 auf mein Berufsleben nach der Bundeswehr vorbereiten kann, starte ich noch mal durch. Mein Ziel ist es, erst den Logistikmeister und im Anschluss den Technischen Betriebswirt zu machen. Auch auf diese Herausforderungen freue ich mich jetzt schon.


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Stand vom: 08.01.18 | Autor: Philipp O.


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