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Die 13. Einsatzgruppe P-3C verabschiedet sich

Djibouti, 31.12.2013.

Oberleutnant zur See Tom R. war seit Oktober als Technischer Offizier für den Seefernaufklärer P-3C Orion bei Atalanta eingesetzt. Vor kurzem endete sein Einsatz. Hier auf einsatz.bundeswehr.de berichtet er zum letzten Mal aus dem Einsatz der Marineflieger am Horn von Afrika.

Das 13. Einsatzkontingent vor einer P-3C Orion (Quelle: Bundeswehr/Tom R.)Größere Abbildung anzeigen

Die 13. Einsatzgruppe P-3C verabschiedet sich

Nach drei Monaten im Einsatzgebiet war es vor kurzem soweit. Das Vorkommando der 14. Einsatzgruppe war eingetroffen und die Übergaben sind gelaufen.

Um das Material inklusive des Luftfahrzeuges in einem ordentlichen Zustand zu übergeben, haben wir nochmal ein Großreinschiff und ein Luftfahrzeugwaschen angesetzt. Ersteres ist allgemein bekannt, alle Mann einen Besen und los geht’s.

Das Waschen eines Luftfahrzeuges hingegen ist in Djibouti ein kleines Abenteuer für sich. Zuerst musste der Waschplatz reserviert werden. Also ab zum französischen Tower, der für alle Bewegungen am Boden auf dem militärischen Teil des Flugplatzes zuständig ist. Es folgte ein kurzer Eintrag in die Liste und schon konnte der Schlüssel empfangen werden. Das war ja noch einfach.

Nun mussten wir unseren Flieger nur noch zum Waschplatz schaffen. Zum Waschplatz „taxen“, also mit Hilfe der Triebwerke fahren, ging nicht. Der Waschplatz ist von einer kleinen Mauer umgeben, die gerade so hoch ist, dass die inneren Propeller bei jeder Umdrehung mit dieser kollidieren würden. Wir mussten also schleppen lassen.

So waren wir auf die Hilfe eines französischen Schleppfahrzeugs angewiesen. Also bat ich mit meinen eher bescheidenen Französischkenntnissen, die ich vorher mit Fachvokabular aus dem Internet noch ein wenig aufpolierte, den Schlepperfahrer um Hilfe. Nach der Wäsche wurde noch eine letzte 28-Tage-Inspektion durchgeführt. So konnten wir unseren Nachfolgern ein umfassend gepflegtes Flugzeug übergeben.

Mit diesem letzten Eintrag melde ich mich mit dem restlichen 13. Einsatzkontingent ab und möchte mich gleichzeitig bei allen Lesern für das Interesse an unserer Arbeit in Djibouti bedanken. Wir hatten einen erfolgreichen Einsatz, zum Glück ohne größere Zwischenfälle. Wir haben viel gesehen und erlebt. Jetzt freuen wir uns darauf, endlich zu unseren Familien nach Hause zurückzukehren. Dem nächsten Kontingent wünschen wir alles Gute und viel Erfolg.

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Umfangreiche Arbeiten am EDC waren nötig

Umfangreiche Arbeiten am EDC waren nötig (Quelle: Bundeswehr/Tom R.)Größere Abbildung anzeigen

Ein Ölleck am Triebwerk

Die Besatzung wollte schon zum nächsten Einsatzflug starten, als in letzter Sekunde beim Blick aus dem Fenster am Triebwerk Nr. 3 langlaufendes Öl festgestellt wurde. Also wieder alle Triebwerke abstellen und „Trefferaufnahme“ – so nennen wir die erste Begutachtung.

Sie ergab, dass der Ölvorrat des EDC (Engine Driven Compressor), einem Gerät, das für die Klimaanlage des Luftfahrzeuges zuständig ist, übervoll war. Also wurde zunächst ein Liter vom Öl abgezapft und anschließend wurden die Triebwerke erneut angelassen. Es half jedoch nichts, erneut lief Öl aus, erneut war der Ölvorrat des EDC übervoll. Es musste also an einer Dichtung liegen.

Um diese Dichtung zu wechseln musste der EDC komplett ausgebaut werden. Nach dem Ausbau hat man gleichzeitig den Grund für den eher ungewöhnlichen Geruch im Luftfahrzeug entdeckt: Öl und Ruß in den Luftleitungen des EDC. Also wechselten wir neben der Dichtung auch noch den Kompressor. Dazu müssen allerlei Leitungen vom alten Gerät ab- und dann an den neuen EDC angebaut werden. Dann muss der neue EDC in das Triebwerk eingebaut werden. Abschließend waren wieder Bodenläufe zu Prüfungszwecken erforderlich.

Da diese erfolgreich verliefen, konnte das Luftfahrzeug nach 18 Stunden Arbeit wieder für den Flugbetrieb freigegeben werden.

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Propellerwechsel mit französischer Unterstützung (Quelle: Bundeswehr/OLtzS Tom R. )Größere Abbildung anzeigen


Vor wenigen Tagen gab es mal wieder eine größere Störung am Triebwerk. Dieses Mal allerdings keine Sache, die wir im Vorbeigehen lösen konnten. Nach einer ersten Diagnose wurde eine fehlerhafte Dichtung identifiziert. Die schlechte Nachricht: Dazu musste der Propeller runter. Was in Nordholz aufgrund der Ausstattung mit einem Deckenkran kein Problem ist, kann hier in Djibouti zu einer echten Herausforderung werden.

Erste Anlaufstelle in solchen Fällen sind die Soldaten der französischen Armee de l’Air. Sie stellen uns hierzu normalerweise einen Kran zur Verfügung. Heute haben wir ebenfalls einen bekommen. Nachdem er sich vor dem defekten Triebwerk positioniert hatte, regte sich plötzlich nichts mehr. Diagnose: Batterieschaden. Damit fiel er für mindestens drei Tage aus.
Nun war guter Rat teuer. Die technische Staffel der französischen Kameraden besitzt keinen weiteren Kran. Zum Glück gibt es in unserer Deutsche Verbindungs- und Unterstützungsgruppe (DVUG) einen Sprachmittler, der über exzellente Französischkenntnisse verfügt.

Mit ihm fuhr ich dann in die Kaserne des 5. Französischen Regiments. Die Soldaten dort besitzen einen Panzerzug mit entsprechendem technischem Zug. Hier wurden der Sprachmittler und ich dann fündig. Mit einer Selbstverständlichkeit, die ich so nicht erwartet hatte, boten uns die französischen Soldaten einen ihrer Kräne und zwei Fahrern an.
Wieder zurück auf dem Flugplatz habe ich die beiden Soldaten mit ihrem Kran etwas später in Empfang genommen. Der Kran hatte es in sich: 20 Tonnen Hubkraft. Nachdem er seine Arbeitsposition erreicht hatte, ging es auch direkt los. Der Propeller mit seinen rund 750kg Gewicht hing am Haken und die Dichtung konnte ausgetauscht werden. Alles geschah natürlich unter dem wachsamen Blick unseres Triebwerkmeisters und des französischen Kranbedieners.

Nachdem der Propeller wieder eingebaut war, haben wir uns mit einem kleinen Geschenk bei unseren französischen Kameraden für die spontane Unterstützung bedankt. Nach immerhin acht Stunden, fuhren sie dann wieder zurück. Hoffentlich konnten sie dann gleich nach der Ankunft in ihre Kaserne die von uns überreichten kühlen Getränke genießen.

Auch an dieser Stelle nochmal ein herzliches „Merci“ an unsere französischen Kameraden, die uns immer wieder und auch bei den widrigsten Umständen so toll unterstützen.

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Der „Jester“ in der Nacht von Djibouti (Quelle: Bundeswehr/Tom R. )Größere Abbildung anzeigen

Ein typischer Tagesablauf der Techniker

Zurzeit sind unsere Tage von Routine geprägt. Zeit, mal unseren typischen Tages-ablauf zu schildern. Wobei „Nachtablauf“ manchmal passender wäre.

Für die Luftfahrzeugtechniker und den Technischen Offizier (mich) beginnt ein Flugtag gut vier Stunden vor dem „Take-Off“. Meist also mitten in der Nacht. Nach dem Aufstehen treffen sich die Soldaten der Technik zur Abfahrt auf den Flughafen.

Circa drei Stunden vor dem Start beginnen wir mit dem „Vorflug“. Das bedeutet, dass das Luftfahrzeug heruntergekühlt und Strom an das Flugzeug angelegt wird. Jede Fachgruppen untersuchen ihre Anlagen und Systeme noch einmal ganz genau. Schließlich übernimmt die fliegende Besatzung das Luftfahrzeug. In der Zeit zwischen Übernahme durch die Besatzung und dem Start naschen wir in diesen Tagen hauptsächlich und sehr gern Weihnachtsgebäck aus den „Care-Paketen“ unserer Angehörigen.

Kurz vor dem Take-Off wird der „Marshaller“ (ein Soldat, der außerhalb des Luftfahrzeuges den Triebwerksstart überwacht) noch kurz gebraucht. Dann heißt es warten, bis die Maschine problemlos zum Einsatzflug startet. Anschließend fahren wir wieder zurück in unsere Unterkunft und nehmen erst mal ein deftiges Frühstück ein.

Nachmittags, etwa eine Stunde vor der geplanten Landung, verlegt die Technik dann wieder zum Flugplatz. Die Maschine wird zunächst in ihre Parkposition eingewiesen. Es folgt das „Debriefing“, also die Befragung der Besatzung nach Auffälligkeiten am Flieger, sowie der „Nachflug“. Diese Inspektion beinhaltet neben dem Überprüfen der Ölstände auch eine allgemeine Kontrolle aller wichtigen Teile der P-3C.

Wird nichts festgestellt, treffen sich die Techniker zu einer kurzen Nachbesprechung im Container und fahren nach getaner Arbeit wieder zurück in die Unterkunft. Falls doch einmal etwas auffällig wird, heißt es meist eine Nachtschicht einzulegen. Schließlich gilt es, den Flieger schnellstmöglich wieder für den nächsten Einsatzflug „klar“ zu bekommen. Und sei es morgens um 03:00 Uhr.

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Jubiläum: 3.000 Stunden in der Luft (Quelle: Bundeswehr/Tom R. )Größere Abbildung anzeigen

3.000 Flugstunden und ein Schalter

Am 23. November gab es, nach dem Jubiläum eines Besatzungsmitglieds am Beginn des Monats, erneut ein freudiges Ereignis: Mit dem heutigen Flug erreichten wir die Marke von insgesamt 3.000 Flugstunden bei der Operation Atalanta.

Und wie zum Beweis, dass die Technik dabei eine gewichtige Rolle spielt, trat wenige Tage später ein Fehler am „Jester“ auf.

Es begann damit, dass die P-3C mit vier laufenden Triebwerken auf die Parkposition rollte. Normal wäre nur eines. Die Elektrik des Flugzeugs „merkte“ nicht, dass die Maschine bereits gelandet war. Somit konnten verschiedene Geräte am Boden zur Versorgung des Flugzeugs nicht in Betrieb genommen werden. Der „Schuldige“ - ein Schalter im Hauptfahrwerk - konnte durch das Personal der Fachgruppe „Electric/Weapon“ schnell identifiziert werden.

Dann kam jedoch die schlechte Nachricht: Der Schalter ist nicht im mitgelieferten Ersatzteilpaket enthalten. Also haben wir die Partnernationen, die in Djibouti ebenfalls mit der P-3C fliegen, gefragt und glücklicherweise hatte das Kontingent der US-Marine noch einen Schalter übrig.

Nachdem er dann vom zuständigen Prüfer für den Einbau freigegeben wurde, konnte der Einbau durchgeführt werden. Die folgenden Einstellarbeiten raubten unseren Technikern jedoch beinahe den letzten Nerv. Bei einem extrem kleinen Spielraum muss der Schalter schalten, jedoch klappte dies in eine der beiden Richtungen immer wieder nicht. Gegen 01:00 Uhr in der Nacht machte der Schalter endlich was er sollte. Nach einem kurzen Prüflauf am Boden gegen 02:00 Uhr stand dem nächsten Einsatzflug nichts mehr im Wege.

Wieder mal haben wir unseren Job gemacht. In ein paar Stunden kann es wieder los gehen.

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Der Jubilar bei der Rückkehr, ich ganz rechts (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

"Flugstundenjubiläum"

Flugstundenjubiläen sind in der Fliegerei, egal ob zivil oder militärisch, immer ein Grund zum Feiern. So natürlich auch bei uns Marinefliegern. Am 09. November hatte ein Besatzungsmitglied die Marke von 1.000 Flugstunden erreicht. Das musste natürlich entsprechend gewürdigt werden.

Dazu verlässt die komplette Besatzung das Luftfahrzeug und tritt gemeinsam mit den Technikern im Spalier vorm Flieger an. Anschließend kommt der Jubilar als Letzter aus dem Flugzeug und ihm wird eine Urkunde und ein kleines Präsent überreicht.

Zum krönenden Abschluss ging es dann noch zu einer kleinen Spritztour auf der Ladefläche eines Pickups quer über die Parkfläche. Schließlich soll der feierliche Moment ja auch etwas in Erinnerung bleiben.

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Seit Mitte Oktober bin ich nun bereits in Djibouti. Gleich am Beginn dieses Einsatztagebuchs will ich auf die vergangenen Wochen hier zurückblicken.

Bei typisch norddeutschem Wetter (grau in grau, leichter Wind) haben wir uns am 15. Oktober als Angehörige des Vorkommandos P-3C Orion aus Nordholz verabschiedet. Über Bremen ging es mit einem Airbus der Luftwaffe zum Djibouti International Airport. Während des Fluges wurden wir hervorragend von der Besatzung versorgt. Ein herzliches „Danke“ nochmals an dieser Stelle an die Besatzung.

Unser „Zuhause“ (Quelle: Bundeswehr/Tom R.)Größere Abbildung anzeigen

„Reinschiff“ in den Containern

Nach den ersten Tagen in Djibouti waren die vorbereitenden Maßnahmen abgeschlossen. Mit einem gründlichen „Reinschiff“ - wie das Saubermachen bei uns nun mal heißt-, um den Staub der afrikanischen Wüste aus den Containern zu entfernen, nahmen wir nach und nach die Informationstechnik in Betrieb.
Mehrere tausend Teile, von einer Papierdichtung bis hin zu einem kompletten Radar, wurden von unseren Logistikern ausgepackt und verstaut. Für den Fall der Fälle wären wir damit auf fast alles vorbereitet.

„Jester“ ist zurück in Djibouti (Quelle: Bundeswehr/Tom R.)Größere Abbildung anzeigen

„Jester“ is back in Djibouti

Am 28. Oktober traf dann das Hauptkontingent, ebenfalls per Luftwaffen-Airbus, ein. Doch das Wichtigste fehlte ja noch: Unser Flieger „Jester“, wie das Rufzeichen der P-3C Orion lautet. Die Maschine landete am 30. Oktober. Nachdem sie die vorläufige Parkposition eingenommen hatte, begannen die Techniker umgehend mit der Durchführung der Nachflug-Checks. Die mitgeflogenen Besatzungsangehörigen der Crew wurden herzlich begrüßt und in Empfang genommen.

Leider brachte das Luftfahrzeug schon einen kleineren Defekt mit, der jedoch von den Meistern der Fachgruppe Avionik noch am gleichen Abend eingegrenzt werden konnte. Die eigentliche Behebung fand erfolgreich am nächsten Tag statt. Somit stand der Aufnahme des Einsatzflugbetriebs nun nichts mehr im Wege.

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Der erste Einsatzflug

Nach der Rückkehr vom ersten Einsatzflug (Quelle: Bundeswehr/Tom R. )Größere Abbildung anzeigen

Am 02. November war es dann endlich soweit. Der erste Einsatzflug stand heute auf dem Programm. Die Technik fuhr schon weit vor Sonnenaufgang los, um die Maschine vorzubereiten. Die fliegende Besatzung folgte kurz darauf.

Ein Teil der Besatzung übernahm das Luftfahrzeug und führt seine eigenen Inspektionen durch. Der andere Teil ließ sich vom „Mission Support Center“ (MSC) die letzten Informationen für den anstehenden Flug geben.

Nach der Landung erfolgten die üblichen Nachfluginspektionen. Glücklicherweise lief diesmal alles glatt. Und falls doch mal was sein sollte, sind wir genau dafür ja hier.

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Stand vom: 04.02.14 | Autor: OLtzS Tom R.


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