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Interview zu Beobachtermissionen: „Im Dienst für die Weltgemeinschaft“

Potsdam, 16.02.2015.

Brigadegeneral Thorsten Poschwatta führt als Stellvertretender Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr alle deutschen Soldaten, die an Beobachtermissionen der Vereinten Nationen mitwirken. Vor kurzem reiste er erstmals zu den vier Militärbeobachtern bei MINURSO, der UN-Mission in der Westsahara. Im Gespräch berichtet er von seinen Eindrücken sowie seinen ersten rund 100 Tagen in Schwielowsee.

Herr General, Sie sind jetzt seit etwas mehr als die berühmten 100 Tage Stellvertretender Befehlshaber des Einsatzführungskommandos. Welche Eindrücke konnten Sie in dieser Zeit von den Leistungen der Soldaten in den Einsätzen und bei der Arbeit in Schwielowsee gewinnen?

Diese ersten 100 Tage sind sehr schnell vergangen. Das liegt wohl einerseits daran, dass ich auch bereits in meinen vorherigen Tätigkeiten im Bundesverteidigungsministerium und im Kommando Luftwaffe mit dem Thema Einsätze betraut war und auch selbst mehrfach im Einsatz war. Da gab es also bereits mehrfache Berührungspunkte mit dem Einsatzführungskommando.

Die absolute Professionalität und Ruhe, mit der hier für die Kontingente im Einsatz gearbeitet wird, aus der jetzigen Position erleben zu dürfen, beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Hier wird auf allen Ebenen gemeinsam angepackt, damit die Frauen und Männer in den Einsätzen ihre herausfordernden und nicht immer leichten Aufgaben erfolgreich erledigen können.

Der Stellvertretende Befehlshaber, Brigadegeneral Poschwatta, im Interview

Der Stellvertretende Befehlshaber, Brigadegeneral Poschwatta, im Interview (Quelle: Bundeswehr/Steffen Kascheike)Größere Abbildung anzeigen

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Ihnen obliegt in Ihrer Funktion auch die direkte Führung der weltweiten Beobachtereinsätze. Können Sie uns kurz skizzieren, wie viele deutsche Soldaten derzeit für die Vereinten Nationen bei derartigen Missionen im Einsatz sind? Wo tun sie dies derzeit und wie ist dieser Beitrag, gerade angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage, einzuordnen?

Die Bundeswehr beteiligt sich, neben dem maritimen Einsatz vor der Küste des Libanon, zurzeit an fünf weiteren Einsätzen der Vereinten Nationen. Dabei sind zurzeit etwa 40 Militärbeobachter und Spezialisten in Afghanistan, im Sudan und im Südsudan sowie in Mali und in der Westsahara eingesetzt. Sie sind dabei in der Regel unbewaffnet und ihr Dienst wird auf allen Ebenen, bis hinauf zur UN-Führung, sehr geschätzt.

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Vor kurzem haben Sie die deutschen Soldaten bei MINURSO, der UN-Mission in der Westsahara, besucht. Eine mit vier deutschen Soldaten vergleichbar kleine Mission, die in der deutschen Öffentlichkeit kaum bekannt ist. Können Sie uns bitte kurz die Rahmenbedingungen schildern, unter denen die deutschen Soldaten dort ihren Dienst leisten? Worum geht es genau bei MINURSO?

Die bereits seit 1991 existierende Mission hat primär den Auftrag, den Waffenstillstand zwischen Marokko und der „Frente Polisario“ (deutsch: „Volksfront zur Befreiung von Saguia el Hamra und Río de Oro“) zu überwachen und die Durchführung eines Referendums über die Zukunft des Gebietes zu unterstützen. Auch zur Räumung der umfangreichen Minenfelder und Kampfmittel soll beigetragen werden.

UN-Beobachter auf Patrouille entlang der Waffenstillstandslinie

UN-Beobachter auf Patrouille entlang der Waffenstillstandslinie (Quelle: Bundeswehr/Beyer)Größere Abbildung anzeigen

Die deutschen Soldaten sind dabei auf beiden Seiten der Waffenstillstandslinie, dem mehr als 2.500 Kilometer langen Sandwall namens „Berm“, eingesetzt. Der Waffenstillstand wird dabei durch tägliche Patrouillen beiderseits dieser Trennlinie überwacht. Dabei legen die Beobachter teilweise über 10.000 Kilometer pro Monat auf unbefestigten Wüstenpisten zurück. Ihre jeweilige Basis, die sogenannte „Teamsite“, liegt oft abgelegen inmitten von Sand- und Geröllwüste. Und das alles bei spartanischen Lebensverhältnissen und teils mehr als 50 Grad Celsius im Schatten. Hier wird vor allem den Menschen, aber auch dem Material schon eine ganze Menge abverlangt.

10.000 Kilometer im Monat, quer durch die Wüste

10.000 Kilometer im Monat, quer durch die Wüste (Quelle: Bundeswehr/Beyer)Größere Abbildung anzeigen

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Die Mission existiert seit 1991. Seit Ende 2013 beteiligt sich die Bundeswehr dort mit Militärbeobachtern. Was berichten die Soldaten? Wie läuft die Zusammenarbeit mit den internationalen Kameraden innerhalb von MINURSO? Gibt es Erfolge?

Die internationale Zusammenarbeit, unabhängig vom weltpolitischen Geschehen, ist zweifelsohne das bestimmende Merkmal aller UN-Beobachtermissionen. Bei MINURSO stammen die Militärbeobachter aus 34 Nationen weltweit, kommen beispielsweise aus China, Bangladesch, aus Russland und vielen anderen afrikanischen und europäischen Ländern.

Alle deutschen Soldaten haben mir berichtet, dass diese Vielfalt Chance und Herausforderung zugleich ist. Jeder bringt sich mit seinen Erfahrungen und Kenntnissen in die gemeinsame Arbeit mit ein. Durch die Abgeschiedenheit der Teamsites erlebt man diese Aspekte innerhalb der Mission sicher noch etwas intensiver als in anderen multinationalen Einsätzen.

Als Erfolg kann aus militärischer Sicht die Tatsache gewertet werden, dass der Waffenstillstand seit Beginn der Mission vor mittlerweile gut 24 Jahren hält, auch wenn eine politische Lösung derzeit noch nicht in Sicht zu sein scheint.

Mittendrin statt nur dabei - bei MINURSO kommen die Beobachter aus 34 Nationen

Mittendrin statt nur dabei - bei MINURSO kommen die Beobachter aus 34 Nationen (Quelle: Bundeswehr/Beyer)Größere Abbildung anzeigen

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Die Einsätze der Bundeswehr in der Türkei sowie am Horn von Afrika haben Sie erst kürzlich ebenfalls besucht. Werden Sie in naher Zukunft auch zu den bereits von Ihnen angesprochenen, anderen Beobachtermissionen reisen, um sich vor Ort ein Bild von der Arbeit zu machen?

Mein Ziel ist es, neben den größeren Kontingenten alle Beobachtermissionen möglichst bald zu besuchen. Nur wer sich mit eigenen Augen ein Bild macht und mit den eingesetzten Soldaten spricht, kann die Bedingungen, unter denen sie ihren anspruchsvollen Auftrag erfüllen, richtig einschätzen. So werde ich in naher Zukunft die derzeit 17 deutschen Soldaten bei UNMISS besuchen, die die Entwicklungen im Südsudan als jüngstem Staat der Erde, für die Vereinten Nationen begleiten.

Eindrücke aus erster Hand sind einfach unersetzlich

Eindrücke aus erster Hand sind einfach unersetzlich (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

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Herr General, zum Abschluss möchten wir Ihnen gern die Möglichkeit geben, sich direkt an die Leser und an die Soldaten im Einsatz und in der Heimat zu wenden. Welche Botschaft möchten Sie ihnen mitgeben?

Alle deutschen Soldaten leisten in all unseren Einsätzen tagtäglich eine hervorragende und überaus professionelle Arbeit. Dabei rücken die Einsatzgebiete, in denen tragische oder dramatische Dinge passieren, naturgemäß in den Fokus der öffentlichen Berichterstattung.

Im Gespräch mit den deutschen Soldaten – hohe Professionalität, gerade auch in den kleinen Einsätzen

Im Gespräch mit den deutschen Soldaten – hohe Professionalität, gerade auch in den kleinen Einsätzen (Quelle: Bundeswehr/Beyer)Größere Abbildung anzeigen

Mir ist wichtig, dass auch die vermeintlich kleinen Einsätze, in denen deutsche Soldaten fernab der medialen Aufmerksamkeit und unter oft schwierigen Rahmenbedingungen professionell und mit einer hervorragenden Motivation ihren Dienst für die Weltgemeinschaft versehen, eine angemessene Würdigung in der Öffentlichkeit erfahren. Darum würde ich, nicht erst mach den gewonnenen Eindrücken aus der Westsahara, wirklich werben wollen.

Die Fragen stellte Hauptmann Michael Wils-Kudiabor.

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Stand vom: 16.02.15 | Autor: PIZ Redaktion EinsFüKdoBW


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