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Tradition pflegen – Handlungssicherheit stärken

Schwielowsee, 27.02.2019.

Im März 2018 setzte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nach mehr als 35 Jahren einen neuen Traditionserlass für die Bundeswehr in Kraft. Zuvor hatte eine Expertenkommission aus Gesellschaft und Militär lange um die Inhalte debattiert und diskutiert. Beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr ist nun nach monatelangen Vorbereitungen mit dem Thema eine Traditionsreihe gestartet: „Kosovo – Eine Erfolgsgeschichte?“, so die Leitfrage für den ersten Traditionsabend, der viele Interessierte aus Militär und Gesellschaft nach Schwielowsee lockte. Dabei ist auch die Ausstellung „Von Südostasien nach Afrika – Die Bundeswehr im Einsatz“ eröffnet worden.

Eine Gruppe von vier Personen steht vor einer Tafelausstellung
Die Tafelausstellung „Von Südostasien nach Afrika – Die Bundeswehr im Einsatz“ wird eröffnet (Quelle: Bundeswehr/Christian Thiel)Größere Abbildung anzeigen

Zentrale Bezugspunkte der Traditionspflege der Bundeswehr sind ihre eigene lange Geschichte und die Leistungen der Soldaten, so definiert es der neue Erlass. "Vor diesem Hintergrund ist es mehr als angemessen, dass wir uns mit Fragen der Armee im Einsatz befassen", eröffnete der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Erich Pfeffer, die Veranstaltung.

Suche nach Leitplanken

Der Befehlshaber Einsatzführungskommando der Bundeswehr steht am Rednerpult
Generalleutnant Erich Pfeffer: „Unsere Soldaten haben einen Anspruch darauf, dass wir ihnen bei der Suche mit Traditionsangeboten helfen.“ (Quelle: Bundeswehr/Christian Thiel)Größere Abbildung anzeigen

Doch seien Traditionen nicht verzichtbar, fragte Pfeffer. Keinesfalls, denn sie "dienen der Orientierung darüber, wofür wir stehen, was wir uns gemeinsam zum Vorbild nehmen und damit auch, was wir nicht tun", unterstrich der Befehlshaber.
„Bereits junge Soldatinnen und Soldaten übernehmen Verantwortung und treffen im Sinne unserer Auftragstaktik selbstständig weitreichende Entscheidungen, direkt oder indirekt auch über Leben und Tod. Diese Grenzerfahrung führt zur Suche nach Leitplanken, nach vorbildlichem Verhalten, das man zur Richtschnur für eigenes Handeln machen kann“, erinnerte er an die soldatischen Kernfähigkeiten.

Pfeffer betonte, dass bereits etwa 400.000 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz waren: "Diese Erfahrungen prägen das berufliche Selbstverständnis". Und weiter bilde das gemeinsame Erleben vorbildlichen Verhaltens in den Einsätzen die Grundlage von Eigentradition der Streitkräfte im Einsatz, sagte der General. Er sei erfreut, mit dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Winfried Nachwei und dem mehrfachen Kontingentführer Oberst Hans-Jürgen von Keyserlingk profunde Kenner des Balkans als Redner gewinnen zu können.

KFOR als „Third Responder“

Ein ehemaliger Kontingentführer spricht über seine Erfahrungen
Oberst Hans-Jürgen Freiherr von Keyserlingk: „Gelebte Kameradschaft ist die Stütze eines jeden Vorgesetzten.“ (Quelle: Bundeswehr/Christian Thiel)Größere Abbildung anzeigen

Oberst Hans-Jürgen Freiherr von Keyserlingk führte dreimal ein Deutsches Einsatzkontingent im Kosovo, zuletzt 2016. Mit dem Bild der Schlacht auf dem Amselfeld zeigte er auf, dass aktuell politische Gegebenheiten sehr oft auf geschichtliche Hintergründe basieren. In seinem Vortrag sprach er von einer großen Entwicklung seit dem Einmarsch in den Kosovo 1999.

„Mich hat es beeindruckt, was da passiert ist, dass KFOR-Soldaten bejubelt wurden.“ Das große Ziel war es, schnell wieder ein sicheres Umfeld im Kosovo zu schaffen. Demonstrationen und Gewalt hätten Rückschläge immer wieder deutlich gemacht. KFOR, EULEX und Kosovo Police lernten von- und miteinander. Sie waren schnell in der Lage, wieder für Sicherheit zu sorgen. Als sogenannter „Third Responder“ rückten die KFOR-Truppen in der Folge in den Hintergrund und hätten Stück für Stück die Verantwortung in die Hände Kosovos gelegt – mit Erfolg, so Keyserlingks Fazit.

Höhen und Tiefen auf den Punkt gebracht

Ein ehemaliger Bundestagsabgeordneter steht am Rednerpult
Winfried Nachtwei: „Der Kernauftrag im Kosovo wurde erfolgreich erfüllt.“ (Quelle: Bundeswehr/Christian Thiel)Größere Abbildung anzeigen

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei war viele Jahre auch Angehöriger des Verteidigungsausschusses. Einer, der sich stets sein eigenes Bild von den Krisengebieten machte. Seine Erfahrungen und Eindrücke spielten eine große Rolle bei Gewissensentscheidungen im Parlament. Nachtweis Bilanz des 20-jährigen Einsatzes ist von Stolz und Anerkennung geprägt. „Es war deutlich feststellbar, wie schnell gelernt wurde und wie schnell Konsequenzen gezogen worden sind. Die Zusammenarbeit mit den zivilen und militärischen Sicherheitskräften gewann enorm an Bedeutung", so der 72-Jährige. 2009 und 2010 sei ein enormer Rückgang von schweren Delikten und interethnischer Gewalt zu erkennen gewesen. Und das sei ein gewaltiger Fortschritt.

"Der militärische Kernauftrag, nämlich die Absicherung des Friedensabkommens, Verortung eines sicheren Umfeldes, Verhinderung erneuter Kriegsgewalt – dieser Kernauftrag wurde erfolgreich erfüllt.“ Die Soldaten der Bundeswehr hätten mit dieser großen Leistung eine Massengewalt in Europa verlässlich und vorbildlich verhindert, betonte Nachtwei.

Jedoch will der langjährige Abgeordnete die Schattenseiten nicht unbemerkt lassen. In seinen Augen gebe es Verbesserungsbedarf in der nachhaltigen Stabilität des Landes. Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Korruption, organisierte Gewalt lägen vor und wären unbeschreiblich. Mit einem Brief an den Generalinspekteur stellte er die Leistungen von beteiligten Soldatinnen und Soldaten des Kosovo-Einsatzes in den Blickpunkt und mahnte, dass der bisher längste Einsatz der Bundeswehr nicht in Vergessenheit geraten dürfe.

Traditionsverständnis pflegen und weitergeben

Soldaten stehen um einen Stehtisch und unterhalten sich
Traditionspflege bedeutet Erfolgsgeschichten schreiben und Erfahrungen weitergeben. (Quelle: Bundeswehr/Christian Thiel)Größere Abbildung anzeigen

„Jetzt, 35 Jahre nach dem letzten Traditionserlass, ist es Zeit, uns als Bundeswehr des vereinten, demokratischen Deutschland unserer Geschichte und unserer Tradition neu zu vergewissern“, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im August 2017 zu Beginn der Traditionsdebatte. Der neue Erlass ist als Dachkonzept nun in Kraft. Weitere Einzeldokumente der Organisationsbereiche sollen folgen. Dabei gilt es, einzelne Säulen in den vielfältigen Bereichen der Bundeswehr mit traditionsstiftenden Aspekten zu beleuchten.

Dass es kein einfacher Weg wird, zeigte an diesem Abend auch die kontrovers geführte Podiumsdiskussion. Denn es geht nicht um die historische Betrachtung der Einsätze, sondern um Geschichten, die im Einsatz passiert sind und beispielgebende Elemente für die Soldatinnen und Soldaten bereithalten.

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Stand vom: 27.02.2019 | Autor: Redaktion Einsatz


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